B&B »Wir vertrauen auf unsere lokalen Existenzgründer«

Die B&B Hotels sind die am schnellsten organisch wachsende Hotelkette in Deutschland – jedes Jahr sollen 15 neue Häuser dazu kommen. Über die weltweiten Expansionspläne und die Gründe des Erfolgs sprechen Deutschlandchef Max C. Luscher und COO der gesamten Gruppe, Fabrice Collet, im Interview mit Top hotel- Redakteurin Janina Reich.

Tophotel: Herr Luscher, im vergangenen Jahr haben Sie den Umsatz um 20 Prozent gesteigert und neun Hotels mit über 1.000 Zimmern eröffnet. Was machen Sie anders als Ihre Mitbewerber?

Max C. Luscher: B&B ist die am meisten standardisierte Hotelmarke in Deutschland. Ein B&B ist immer ein B&B. Dabei halten wir unser Qualitäts- und Markenversprechen. Wir bieten dem Kunden gute Betten, keine Stornierungsgebühren bis 19 Uhr am Tag der Anreise, kostenfreie Klimaanlage, kostenloses Sky-TV – und das alles für einen sehr günstigen Übernachtungspreis. Es gibt eigentlich kaum einen Grund für eine berechtigte Kritik an unserem Produkt.

Tophotel: Wie sehen die Wachstumspläne für die kommenden Jahre aus?

Luscher: Wir sind wahrscheinlich die am schnellsten organisch wachsende Hotelkette in Deutschland und Europa. In der Bundesrepublik werden wir in diesem Jahr das 100. Hotel eröffnen. Derzeit haben wir 17 im Bau befindliche Häuser und für weitere 30 befinden wir uns in den Abschlussverhandlungen oder haben die Verträge bereits unterzeichnet.

Fabrice Collet: Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Auf internationaler Ebene haben wir derzeit rund 400 Häuser, bis 2020 wollen wir 600 betreiben. Ich denke, wir sind noch nicht einmal bei der Hälfte unseres Potenzials angekommen. In Europa sind wir gut vertreten, auch in Marokko haben wir bereits ein Hotel und bald eröffnen wir das erste Haus in Brasilien.

Tophotel: Wieso ausgerechnet Brasilien?

Collet: Im Zuge der Expansion wollen wir auch weltweit mehr Präsenz zeigen und auf dem gesamten Globus vertreten sein. Allerdings ist der Markt in den USA schon sehr reif, da fällt es schwer mitzuhalten. Auch in Asien gibt es sehr viele starke Wettbewerber. 

Tophotel: Wie steht es um die Markteinführung in Österreich und in der Schweiz?

Luscher: Dieses Jahr werden wir die ersten Projekte für Österreich unterzeichnen. Gesteuert wird es von Deutschland aus, wir haben aber einen Business Development Manager in Wien, um den lokalen Ansatz nicht zu verlieren. Dort erwarten wir ebenso gute Ergebnisse, denn der Markt ist dem in Deutschland sehr ähnlich. Ab 2018 wollen wir pro Jahr zwei Hotels eröffnen. Nächstes Jahr wollen wir in der Schweiz die ersten B&B Hotels eröffnen.

Collet: Der Markt in der Schweiz ist anders. Die Kultur wird beeinflusst von Frankreich, Deutschland, Italien. Nachdem wir in diesen drei Märkten erfolgreich sind, lag es nahe, in die Schweiz zu gehen. Die Schweizer warten schon auf uns. 

Tophotel:  Welche Kriterien lassen Sie in Ihre Standortsuche einfließen?

Luscher: Am besten performt B&B in den Großstädten jenseits der Top-sieben-Städte, auch in kleineren Orten. Um wahrgenommen zu werden, braucht man einen guten Standort, etwa an Bahnhöfen oder im Zentrum. Die Sichtbarkeit ist dort größer, auch haben wir weniger Konkurrenz – mit unseren Preisen kann kaum jemand mithalten. Wir konzentrieren uns aber auch insbesondere auf die A-Städte. 

Tophotel:  Besonders in der Leitung Ihrer Häuser unterscheiden Sie sich von der Konkurrenz. Wie genau werden die Hotels geführt?

Luscher: Insgesamt hat B&B in Deutschland nur etwa 85 Angestellte. Unsere Hotelmanager haben Management-Verträge. Sie alle wohnen in ihrem Hotel vor Ort und stellen ihre eigenen Mitarbeiter ein – so sind die Hotels sehr nachbarschaftlich. Eines unserer Häuser zu leiten, ist eine gute Karrierechance für Hotelfachleute aus dem mittleren Management bestehender großer Kettenhotels. Der Manager kümmert sich um alles selbst, das Gerüst stellt B&B. Es ist ein widerstandsfähiges Produkt, deswegen ist es eine gute Chance zu uns zu kommen. Für den Manager als Existenzgründer sind die Investitionskosten und das Risiko sehr niedrig. Es hat noch nie nicht funktioniert!

Tophotel:  Mangelt es Ihnen gerade bei Ihren Expansionsplänen nicht an geeigneten Managern?

Luscher: Im Gegenteil. Das Interesse ist hoch und wir bekommen viele Bewerbungen. Deswegen haben wir auch einen sorgfältigen Auswahlprozess. Unsere Manager sind unabhängig, wir geben Ihnen nur einen Leitfaden mit. Sie können mit B&B wachsen und ihr eigener Chef sein.

Tophotel:  Ist für die Manager dann noch Luft nach oben?

Collet: Viele Manager eröffnen noch ein zweites Hotel. Entweder ihr eigenes, ein weiteres B&B oder unter einer anderen Marke.

Tophotel:  Halten Sie auch weiterhin an dem Management-System fest?

Luscher: Ja, wir sehen es sogar als Schlüssel zum Erfolg. Unsere Management-Verträge haben kein Ablaufdatum und es gab auch noch nie Probleme mit den Hotelmanagern. Wir vertrauen auf unsere lokalen Existenzgründer – und dieses Vertrauen ist das ist das Mindeste, was sie verdienen.

Tophotel:  Vergibt Ihre Gruppe auch Franchise-Verträge?

Collet: Ja, aber sehr wenige. In Frankreich werden von über 250 Hotels nur 32 mit einem Franchise-Vertrag geführt. Das macht insbesondere an »D-Standorten« Sinn. Wenn die Stadt zu klein ist, sind wir nicht effizient genug, da ist Franchise die bessere Option.

Tophotel:  B&B besitzt keine Hotels selbst. Wem gehören die Gebäude?

Luscher: Viele sind im Eigentum größerer Immobilieninvestoren und Institutionen. Aber auch kleinere Investoren beteiligen sich. Zum Beispiel hat mich mal ein Vermieter angerufen, der bereits ein Hotelgebäude besitzt und wollte ein weiteres B&B kaufen, um es seinem Sohn zum 18. Geburtstag zu schenken. In Italien wiederum gehören einige unserer Hotels der katholischen Kirche oder ihren Institutionen.

Tophotel:  Wie entwickelt sich B&B selbst weiter, gerade auch im Hinblick auf die Digitalisierung in der Hotellerie?

Luscher: B&B wurde 2016 zum »Digital Champion« von der Telekom und der Wirtschaftswoche gekürt. Wir sind das erste Unternehmen, das einen vollständigen und funktionierenden Online-Check-in bietet. Wir sehen uns selbst als Innovationsfaktor in der Branche: Etwa wollen wir die Telefone auf den Zimmern verschwinden lassen und durch ein App-basiertes System ersetzen, mit dem die Kunden über das Wifi mit ihrem Handy bei der Rezeption anrufen können. Auch sind wir höchst digitalisiert, was die Steuerung unserer Hotels anbelangt. Sieht ein Manager etwas, das defekt ist, kann er ein Foto davon machen und es in unserem digitalen System hochladen. Das Bild wird dann an den zuständigen Facility Manager weitergeleitet, der sich um die Reparatur kümmert. 

Collet: Wir arbeiten hart daran uns kontinuierlich weiter zu entwickeln. Derzeit gibt es eine deutsche Webseite für die dortigen B&B Häuser und das gleiche in Frankreich. Bald wollen wir eine globale Website auf der wir alle unsere Hotels anbieten. Wir wollen innovationsfreudig bleiben.