Portrait Frank Wesselhöfft

Frank Wesselhöfft

Weltenbummler Wesselhöft: Der neue GM des Louis C. Jabob Hamburg hat von Bangkok über Köln und London bis San Francisco bereits viel gesehen. 2005, als er gerade als Redisent Manager für Six Senses in Hua Hin verantwortlich zeichnete, wurde er als »Deutscher Chef im Ausland« in Top hotel vorgestellt. Nachfolgend sein Portrait.

Als Sohn eines Ingenieurs in Bangkok geboren, wurde Frank Wesselhoefft gleich mit vier Sprachen konfrontiert: Zu Hause sprach man Deutsch, Englisch im amerikanischen Kindergarten, seine Nanny tröstete ihn auf Thai, und die engen skan­dinavischen Freunde erzählten auf Schwedisch. Daß er die thailändische Landessprache beherrscht, kommt Wesselhoefft jetzt sehr entgegen: »Thai ist für mich eine Art Muttersprache«, so Wesselhöfft. Anfang der 70er Jahre traten die Wesselhoeffts ihre Heimreise in die Bundesrepublik an, da ihre beiden Söhne eine deutsche Schulausbildung erhalten sollten. Diese beendete ihr jüngster Sohn Frank als Abiturient in Bergisch Gladbach. An­schließend studierte er aber nicht, wie es der Familientradition entsprach, Jura oder Medizin, vielmehr hatte er sich längst für das Gastgewerbe entschieden: »Freunde unserer Familie hatten ein Hotel mit Restaurant, in deren Küche bin ich quasi aufgewachsen«, erzählt Wesselhoefft und fügt lachend hinzu: »Jura war mir zu trocken, Medizin zwar interessant, aber letztlich habe ich mich für den Luxus entschieden.«

Dabei stellte sich schnell heraus, in welchem Bereich er nicht arbeiten wollte, denn »nach einem dreimonatigen Praktikum in der Küche eines Restaurants hatte ich so gut wie kein Feedback von den Gästen. Der einzige Indikator, ob das Essen geschmeckt hatte, waren die leeren oder vollen Teller, die der Service zurückbrachte.« Da der Gästekontakt aber für Wesselhoefft »sehr, sehr wichtig ist«, zog er eine Lehre als Hotelfachmann vor, die er – nach seinem Wehrdienst bei der Marine in Glückstadt und Kiel – im Kölner Hotel im Wasserturm antrat und dort nach eigenen Angaben »Marken« hinterließ: »Nach der Eröffnung im Januar 1990 waren wir die ersten Auszubildenden, wodurch ein hohes Maß an Eigeninitiative gefordert war.« Den krönenden Abschluß dieser »überaus lehrreichen Zeit« bildete ein gemeinsames Dinner mit der Führungsetage des Hotels, das von Weinen aus den Geburtsjahr­gängen der acht Lehrlinge begleitet wurde. »Das war nicht gerade üblicher Azubi-Alltag«, erinnert sich Wesselhoefft schmunzelnd.

Nach einem kurzen Frankreich-Abstecher, bei dem er seine Französischkenntnisse vertiefte, arbeitete der Deutsche zunächst in Hamburg, wo er zwei Jahre lang als Night Auditor und Rezeptionist im Steigenberger weitere Erfahrungen sammelte. Die nächste Station hieß Berlin. Wie bereits in Köln stieß Wesselhoefft auch im Schloß­hotel Gru­ne­wald, das Mitte der 90er Jahre noch unter dem Management von Ritz-Carlton stand, kurz nach der Eröffnung zum Team. Als Reception Supervisor war der damals 26jährige für den perfekten Ablauf am Empfang ebenso verantwortlich wie für Aufgaben im Bereich Guest Relations. Ein längerer Verbleib bei der amerikanischen Luxushotelgruppe kam für Wesselhoefft aber nicht in Frage, dafür konnte er sich mit der Philosophie der Gesellschaft nur unzureichend identifizieren. Er wollte weiterhin lernen und auch persönlichen Gewinn aus der Arbeit ziehen. So war es nur konsequent, nach seinem Engagement im exklusiven Berliner Boutiquehotel in ein Businessdomizil von internationalem Format zu wechseln: das 450 Zimmer große InterContinental London. Doch bereits nach einem Jahr als Supervisor Duty Manager merkte Wesselhoefft: »Das ist nicht meine Welt.« Als sehr lehrreich, aber in puncto Gästekontakt zu unpersönlich, blieb ihm das InterConti in Erinnerung.

Nichtsdestotrotz gefiel dem Musik- und Kunstliebhaber die bri­ti­sche Hauptstadt (auch, weil er hier seine Partnerin kennenlernte), und mehr durch Zufall als durch eine gezielte Suche kam er im Mai 1999 zu seiner nächsten Stelle. »Ich bin zum Afternoon-Tea in das Mandarin Oriental Hyde Park gegangen, habe dort an einer Hausführung teilgenommen und an­schließend gefragt, ob derzeit Positionen vakant seien.« Genau drei Wochen später begann Wesselhoefft seine Arbeit als Hotel Manager und blieb dem Luxusdomizil am Hyde Park über fünf Jahre lang treu. »Die Gruppe hat mich sehr angesprochen, und zudem ­habe ich mir gute Chancen ausgerechnet, über Mandarin Oriental zurück nach Asien zu gehen.«

Als einziger von vier Hotel Managern, die GM Brian Williams bei der Führung des 200-Zimmer-Hotels unterstützten, hatte Wessel­hoefft Weisungsbefugnis und wurde fast täglich mit Beschwerden über die Mängel des bereits in die Jahre gekommenen Hau­ses konfrontiert. Dies war auch der Grund dafür, daß das Mandarin Oriental Hyde Park acht Monate nach Wesselhoeffts Dienstantritt für ein halbes Jahr komplett geschlossen wurde. Für den Deutschen brachte dies angenehme Begleit­erschei­nun­gen mit sich, mußte er doch im Gegensatz zu seinen vielen Freunden in der Hotellerie zur Jahrtausendwende nicht arbeiten. »Ein sehr schönes Geschenk«, erinnert sich Wesselhoefft lächelnd. Außerdem bot ihm die in Hongkong beheimatete Gruppe während der Renovierung die Möglichkeit, einige Wochen außerhalb von Europa weitere Erfahrungen zu sammeln. Zwar ging es für ihn nicht wie erhofft in Richtung Osten, weil er nach Ansicht seiner Vorgesetzten bereits über genügend asiatische Mentalität verfügte, dafür aber nach San Francisco, wo er hinsichtlich der USA-Expansion von Mandarin Oriental auf neue Aufgaben vorbereitet werden sollte. Dies beinhaltete im darauffolgenden Jahr auch die Summerschool an der Cornell University. Die Chance allerdings, an einer Hoteleröffnung in den Vereinigten Staaten teilzunehmen, wurde ihm durch die Anschläge vom 11. September verwehrt. Wesselhoefft: »Danach war es für Mandarin Oriental erst einmal unmöglich, in die USA zu gehen.« Und auch die Pläne, für das Unternehmen in Asien zu arbeiten, scheiterten 2002 an der SARS-Epidemie. Als dann 2004 der sichergeglaubte Wechsel nach Washington zur Eröffnung eines neuen Hauses in letzter Minute platzte, nahm der Deutsche das Heft selbst in die Hand und ging kurze Zeit später – im November 2004 – ins Evason Hide­away Hua Hin.

Es folgten für Wesselhöfft führende Positionen bei internationalen Luxus-Resorts wie dem Four Seasons auf den Malediven, dem Banyan Tree auf den Seychellen oder dem Six Senses Hideaway Yao Noi in Thailand. Im April 2017 folgt nun die Rückkehr nach Deutschland als GM des Louis C. Jacob. „Es ist mir eine Ehre ein Traditionshaus wie das Louis C. Jacob führen zu dürfen. Als genau solches möchte ich es gemeinsam mit dem Team weiterentwickeln. Zudem erfülle ich mir einen ganz persönlichen Wunsch, nämlich mit meiner Familie in Hamburg zu leben“, so Wesselhoefft.