Pool- und Saunabau 3 Hoteliers berichten über ihre Strategien

Der Infinity-Pool des Ifen Hotels lässt Gäste vor alpiner Kulisse abtauchen. © Travel Charme Hotels & Resorts

Ein atemberaubender Außenpool, ein unterirdisches Öko-Hallenbad und eine erweiterte Sauna-Landschaft: Drei Hoteliers in den Alpen und im hohen Norden beschreiben ihre Strategien beim Ausbau ihrer Leisure-Angebote.

Der aktuelle Trend zum erdgebundenen Reisen hat viele Hoteliers dazu veranlasst, in Pools und Wellness-Bereiche zu investieren. Und das nicht nur in beliebten Leisure-Destinationen direkt an der Küste oder in den Bergen, sondern auch dort, wo Kurzurlauber sich während der Pandemie gern aufhielten: in kleineren, am Rande von Ferienregionen gelegenen Städten.

Pool auf Stelzen

Eine besondere Attraktion bietet seit August 2021 das an der Grenze zu Deutschland gelegene Travel Charme Ifen Hotel im österreichischen Kleinwalsertal: einen spektakulären, auf Stelzen gebauten Outdoor-Infinity-Pool mit 25 Metern Länge, sieben Metern Breite und 1,36 Metern Tiefe. "Wenn man in ihm schwimmt, blickt man direkt in die Berge und auf Baumspitzen", beschreibt Hoteldirektor Ralph Hosbein das Badeerlebnis.

Wer die Aussicht lieber sitzend genießen möchte, könne dabei seine Muskeln auf Unterwassersitzbänken mit Hydrojet-Massagedüsen auflockern lassen. "Ein großer Außenpool ist ein ausschlaggebendes Kriterium für Gäste geworden, die ihren Sommerurlaub in den Bergen buchen", sagt Hosbein. Zuvor habe der 2.300 Quadratmeter ­große Wellnessbereich des Hotels zwar bereits einen 18 Meter langen und 20 Meter breiten Indoor-Pool geboten, im Garten fand sich jedoch nur ein kleines Wasserbecken.

Um eine Attraktion reicher

Der Eigentümer des Ifen Hotels, die zu einer Schweizer Bank gehörende Walser Holding, fällte im Oktober 2020 gemeinsam mit Betreiber Travel Charme die Entscheidung, einen komplett neuen Außenpool zu bauen und nicht die günstigere Variante einzuschlagen, den Innenpool nach außen zu verlängern. Das Schwimmbecken besteht aus einer mit Edelstahl verkleideten Betonschale, die 270.000 Liter Wasser fasst und im gefüllten Zustand 600 Tonnen wiegt.

Die Schale wurde auf sechs Stahlstützen befestigt, die 13 Meter tief in den felsigen Grund gerammt sind. Ein neuer Aufzug bringt die Gäste direkt vom tiefergelegenen Spa-Bereich zum Outdoor-Pool. Die an den Pool angrenzende Terrassenebene wurde vergrößert.
Insgesamt belief sich die Investition in die Außenpoolanlage inklusive ihrer Technik auf 2,2 Millionen Euro. Die Gesamtplanung und Bauleitung übernahm das Architekturbürs Alpstein aus Immenstadt im Allgäu. Weitere Partner stammten allesamt aus Österreich: Plan 4D aus Oberperfuss (Tirol) übernahm die Schwimmbadplanung, für den Edelstahlpool war die Firma Felder aus Andelsbuch (Vorarlberg) und für die Schwimmbad­technik BWT Pool & Water Technology aus Thaur (Tirol) verantwortlich.

"Wann immer es nur geht, arbeiten wir mit heimischen Handwerksbetrieben zusammen", so Hoteldirektor Hosbein. Den Bezug zur Region spiegeln auch die Verkleidung des Pools mit Naturstein sowie die des Aufzugsgehäuses mit Holzlatten wider. Zur Ökologie des Pools sagt Hosbein: "Das ganze Hotel bezieht Fernwärme aus der Holzpellet-Anlage, die Schnitzel dafür stammen aus dem Kleinwalsertal." Eine spezielle Abdeckplane verhindere das Abkühlen des Wassers über Nacht, zudem herrsche in der Region keine Wasserknappheit, vielmehr regne es auch im Hochsommer ausreichend.

Hallenbad für Sternentaucher

Nach intensiver Planungs- und Bauphase eröffnete im Oktober 2021 das neue "Sternentaucher-Öko-Hallenbad" des 46-Zimmer Hotels Der Stern am Mieminger Plateau nahe Innsbruck. Hotelier René Föger führt den Betrieb in der vierten Generation und verfolgt mit dem neuen Innenpool das Ziel, saisonale Auslastungswellen zu glätten und so Mitarbeitern einen stabileren Arbeitsplatz zu bieten.

Föger, der in seinem Haus großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, ließ das Hallenbad unterirdisch errichten, um ohne zusätzliche Flächenversiegelung auszukommen. Auf der ehemaligen Pferdekoppel, die jetzt das Gründach des Hallenbads bildet, wurden insektenfreundliche heimische Pflanzen und Obstbäume gepflanzt sowie Bienenstöcke angesiedelt. Die ästhetische Vorlage für das Hallenbad bildete der nahegelegene Drachensee. Es erhielt neben einem großen runden Hauptbecken mit Sprudel, Luftblasen-bank und Wasserfall auch ein Kleinkinderbecken mit Rutsche, Sprudeln und kleinen Spielen.

In Anlehnung an die Sage rund um den Drachensee können Kinder im großen Becken nach dem Sternbild des Drachen tauchen, was dem Bad auch seinen Namen "Sternentaucher-Öko-Hallenbad" verlieh. Um mehr Platz für Liegeflächen zu schaffen, stehen am Poolrand auf Stelzen kuschelige Kojen aus Eichenholz, auf die man über Treppen gelangt. Im Zuge des Hallenbadbaus wurde die komplette Haustechnik erneuert und sichergestellt, dass das neue Schwimmbad den Energieverbrauch des Hotels nicht ansteigen lässt. Circa 25 Prozent der Energie kann das Hotel durch zusätzliche Wärmerückgewinnungen, eine neue Photovol­taikanlage und eine neue thermische Solaranlage selbst produzieren. Der Rest kommt zu hundert Prozent aus regionaler und erneuerbarer Energie.

Wo immer möglich, waren beim Poolbau natürliche und wiederverwertbare Materialien wie Kautschuk, Ton, Stein, Holz und Metall im Einsatz. Ebenso wie recycelte Materialen, etwa Glasschaum-Schotter als Untergrund für den Bodenbelag. „Wichtig war uns auch Reduktion und Verzicht. Wir haben zum Beispiel Beton auf Sicht eingesetzt, keine zusätzlichen Schichten und Bindemittel zum Verschönern verwendet oder den Betonboden einfach abgeschliffen“, so Hotelier Föger. Der Stern bindet seine Gäste intensiv in die Technik des Pools ein.
Durch Sichtfenster bietet das Haus einen Einblick in die Lüftungs- und Wassertechnik, ebenso wie durch QR-Codes, über die Interessierte Podcasts zum Projekt abrufen können.

In einem davon erklärt beispielsweise Schwimmbadplaner Stefan Sauerwein, wie das Wasser im Öko-Pool durchwälzt, aufbereitet, filtriert und chloriert wird. Über die Überlaufrinne des Beckens gelangt das Wasser in den 15.000 Liter fassenden Wassertank, an den zwei Filterbehälter angeschlossen sind. In jedem von ihnen befinden sich 2.000 Kilogramm Quarzsand, der den Schmutz filtert, der dann in einen Rückhaltetank befördert wird. Der gesamte Filterkreislauf pro Stunde beläuft sich auf 140.000 Liter, das heißt 70.000 Liter pro Filter in der Stunde. Die Energie wird über Wärmetauscher in das System zurückgegeben.

Frischluft erhält der Pool von außen. Sie wird mit natürlichen Ressourcen gefiltert, erwärmt und befeuchtet. Die Erwärmung erfolgt, indem der angesaugten Abluft auf dem Weg ins Freie Wärme entzogen und der Frischluft zugeführt wird. Dadurch wird die Temperatur konstant gehalten – bei permanenter Frischluftzufuhr. Die Haustechnik plante das Büro Tivoli Plan aus Innsbruck (Tirol). Die Investitionssumme für das Hallenbad betrug rund 3,4 Millionen Euro inklusive der Erneuerung der gesamten Haustechnik sowie von Zugang und Lift zum Bad. Die Bauzeit betrug elf Monate. Der Stern bindet seine Gäste in die Nachhaltigkeitsmaßnahmen ein. Das Hotel macht sie zum Beispiel darauf aufmerksam, dass die Hälfte an Chlor eingespart werden kann, wenn alle vor dem Schwimmen duschen. Zudem bittet das Haus um Wiederverwendung von Badetüchern und verzichtet bewusst auf Einwegprodukte wie Badeslipper. Das Sternentaucherbad ist nicht nur Hotelgästen vorbehalten, sondern auch für externe Besucher geöffnet.

Kleine, feine Wellness-Oase

Klein und fein ist der neue Wellnessbereich des Ringhotels Friederikenhof in Lübeck-Oberbüssau. Hier investierte Eigentümer Johann Schulke in den vergangenen Monaten rund 500.000 Euro in die Erweiterung des Hauses um vier Zimmer sowie neue Saunen und Ruhebereiche. "Wir möchten damit die dunkle Jahreszeit attraktiver für unsere Gäste machen", erklärt Hoteldirektor Patrick Wulf. Lübeck habe sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Inlandsreiseziel entwickelt, die Gäste suchten aber auch zunehmend Möglichkeiten, sich nach ihren Stadt- und Strandausflügen im Hotel zu entspannen.

"Die Frequenz der Saunabesuche ist gestiegen. Unsere Sauna mit drei Liegen im Ruheraum sowie einem Strandkorb und zwei Liegen im Garten war dafür zu klein", erklärt Wulf.
Im Hotel wurde unter anderem ein nicht mehr genutzter Lagerraum in den neuen Wellnessbereich integriert. Im ­Innenbereich entstanden eine Biosauna und eine finnische Sauna sowie eine Infrarotkabine. Der Ruheraum innen fasst nun zehn Liegen, zudem wurde der große Garten des 34-Zimmer Hotels in den Wellnessbereich integriert. Dort liegt jetzt die Außensauna mit Panoramablick in die Felder, hinzu kommen zehn Außenliegen. Technische Erneuerungen im Haus sind eine Wasserenthärtungsanlage sowie ein Energieüberwachungssystem, das die Spitzen im Energieverbrauch ausgleicht. Wird zu viel Energie gleichzeitig benutzt, schalten sich manche Geräte vorübergehend von selbst aus, zum Beispiel die ­Sauna.

Regionalität wird auch in Schleswig-Holstein großgeschrieben. Beim Umbau der Saunalandschaft arbeitete der Friederikenhof ausschließlich mit Handwerksunternehmen aus dem Raum Lübeck ­zusammen, die Innenarchitektur plante Lübs & Brendel mit Büros in Flensburg und Rostock.