Seit Sommer laufen die Geschäfte im Deutschlandtourismus wieder an. Um die Branche zukunftsfest zu machen, sieht der Tourismusverband DTV nicht nur die künftige Bundesregierung in der Pflicht.
Der Tourismus in Deutschland erholt sich zunehmend von dem schweren Einbruch in der Coronakrise. Das Geschäft vor allem an der Küste und in den Alpen sei im Sommer wirklich gut gelaufen, sagte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) Reinhard Meyer anlässlich des Deutschen Tourismustages. "Auch im Herbst sehen wir hohe Buchungszahlen." Schwieriger sei weiterhin die Lage im Städtetourismus, dort fehlten Messe und Veranstaltungen. Eine Prognose, wann der Inlandstourismus wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat, wagte Meyer nicht und betonte: "Einen weiteren Lockdown müssen wir unbedingt verhindern."
Tourismuspolitik
Der Ausblick auf die künftige Tourismuspolitik der neuen Koalition im Bund bildete einen besonderen Schwerpunkt bei der Fachtagung. Reinhard Meyer machte deutlich, dass die Branche mit fast drei Millionen Arbeitsplätzen in der künftigen Wirtschaftspolitik besser berücksichtigt werden muss. "Die Politik muss die Branche in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik rücken", so der DTV-Präsident.
Er fordert die künftige Koalition auf, den Neustart des Tourismus gezielt zu unterstützen und Lehren aus der Krise zu ziehen. "Wir brauchen ein Modernisierungsprogramm ´Tourismus 2025´des Bundes, das Betriebe fördert, die mit Innovationen Angebote für neue Zielgruppen schaffen, ihre Qualität steigern oder in Barrierefreiheit investieren wollen", so Meyer. "Aber auch der Tourismus muss in die Zukunft denken, damit die Branche attraktiver für Arbeitskräfte wird und die Herausforderungen wie Klimawandel und Nachhaltigkeitsthemen entschlossen anpackt werden", sagte der DTV-Präsident.
Nationale Tourismusstrategie
Zu den Aufgaben, die der Tourismus der neuen Bundesregierung ins Stammbuch schreibt, gehört auch die Nationale Tourismusstrategie sowie ein Beauftragter der Bundesregierung, der ausschließlich für Tourismus zuständig ist. Ein fester Staatssekretärsausschuss müsse künftig vor allem für eine bessere Koordination der Tourismusthemen zwischen den Bundesressorts sorgen. "Sollten Rettungshilfen im Herbst oder Winter weiter notwendig sein, darf sich die neue Bundesregierung einer Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und der Überbrückungshilfen nicht verweigern", forderte Meyer.
Der Deutscher Tourismustag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Zurück in die Zukunft: Krise, Wandel oder Chance?" mit Impulsen zum künftigen Reiseverhalten, nachhaltiger Regionalentwicklung, Qualitätsentwicklung und Tourismuspolitik.
"Balance beim Preis-Leistungs-Verhältnis"
Meyer rief die Branche außerdem dazu auf, beim "Preis-Leistungs-Verhältnis die Balance zu wahren." Preise zu erhöhen, um die Umsatzeinbußen infolge der Pandemie zu kompensieren, sei zu kurz gedacht. "Die Kunden sind bereit, bestimmte Preise zu zahlen, wenn die Qualität stimmt, sie muss aber auch stimmen." Aus Sicht des Verbandspräsidenten ist der Modernisierungsdruck durch die Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Notwendig seien Investitionen in die touristische Infrastruktur und in Betriebe.
Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Übernachtungszahlen im August nur noch 3,1 Prozent unter dem August 2019. Gegenüber dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahresmonat stiegen sie kräftig um 13,7 Prozent. Wegen der Pandemie galt in einigen Bundesländern teilweise bis Juni ein Übernachtungsverbot für Privatreisende. Von Januar bis einschließlich August wurden daher 15 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum gezählt.
Bei Reisenden lag Urlaub im eigenen Land in Corona-Zeiten im Trend. Meyer rechnet abhängig von der Entwicklung der Pandemie hier mit einer gewissen Normalisierung. "Dafür werden wieder Touristen aus dem Ausland kommen." mit dpa