âAlexa, suche nach einem Hotelzimmer in Berlinâ â sprachgesteuerte Buchungsprozesse, gekoppelt mit kĂŒnstlicher Intelligenz, sind keine Zukunftsmusik mehr. Schon heute sollte es fĂŒr GĂ€ste so einfach wie möglich sein, den Urlaub oder die GeschĂ€ftsreise zu buchen. Was mĂŒssen und können die Systeme â auch aus Hotelier-Sicht â leisten? Eine Expertenumfrage ĂŒber Status quo und Perspektiven.
Daniel Birkenmayer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Beratungsunternehmens Tourismusexperten, sagt: âDer Trend geht stark und zukĂŒnftig möglicherweise sogar ausschlieĂlich zur Online-Buchung, da die Zielgruppe der âDigital Nativesâ herangewachsen ist.â Selbst die zuvor offline orientierten, Ă€lteren Generationen buchten aber immer hĂ€ufiger online, so der Experte.
âAus der Praxis wissen wir, dass auch ein privat gefĂŒhrtes Wellnesshotel mit 50 Zimmern schon heute eine Online-Buchungsquote von etwa 65 Prozent erreichen kann. Wobei sich diese Quote auf zwei Drittel Direktbuchungen ĂŒber die eigene Website und ein Drittel ĂŒber Buchungsportale wie Booking & Co. aufteilt.â Umso wichtiger sei es, dass Hotels diese Buchungsmöglichkeiten anbieten und diesbezĂŒglich gut aufgestellt sind.
Das individuell richtige System finden
Ausschlaggebend sei als erster Schritt die Wahl des richtigen Buchungssystems, auch IBE (abgekĂŒrzt fĂŒr Internet Booking Engine), genannt. âDas eine, perfekte Buchungssystem fĂŒr alle HĂ€user gibt es nichtâ, stellt Daniel Birkenmayer klar und empfiehlt folgende Herangehensweise:
Der Hotelier legt individuell fĂŒr sich fest, welcheParameter fĂŒr ihn und seine GĂ€ste bei einer Buchungsmaschine wichtig sind.
Der so entstandene Anforderungskatalog, zu dem auch die tatsÀchlichen Kosten gehören, wird mit den Leistungsbeschreibungen der Anbieter abgeglichen und eine Vorauswahl getroffen.
Es folgen intensive Beratungstermine mit den favorisierten Anbietern. Hierbei sollte nicht zuletzt geklÀrt werden, ob die Lösung in die bestehende IT-Landschaft passt, also beispielsweise zum PMS (Property Management System).
Die Ideal-Anforderungen an eine Internet Booking Engine
GrundsĂ€tzlich sollten IBE, die heute fast ausnahmslos cloudbasiert sind, sowohl von den GĂ€sten als auch von den Hotel-Mitarbeitenden intuitiv zu bedienen sein und neben der Buchungs- eine Anfrage-Funktion umfassen. Die GĂ€ste sollten, so Birkenmayer, ânur die notwendigsten Informationen ĂŒbermitteln mĂŒssen, da im deutschsprachigen Raum nur ungern persönliche Daten online weitergegeben werdenâ.
Karolin Havers, Kundenbetreuerin bei Casona, verweist beispielhaft darauf, dass bei Casona Produktion, Hosting und Service in Deutschland angesiedelt sind. âDadurch bieten wir eine hohe Sicherheit und Abdeckung der gĂŒltigen Bestimmungen fĂŒr Datenschutz, Datev-Exporte, TSE-Sicherheit und vieles mehr.â
Eine ĂŒbersichtliche, ansprechende und idealerweise mehrsprachige Gestaltung ist auĂerdem mitentscheidend. âAlle relevanten Informationen sollten auf einen Blick erkennbar seinâ, unterstreicht Oliver AnschĂŒtz, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Softtec (System âCaesar Data Direktbuchbarkeitâ).
Das Wesentliche auf einen Blick mit der Casona Booking Engine.
Responsives Design wie hier von Softtec sollte heute selbstverstÀndlich sein, damit sich die Buchungsmaske dem jeweiligen EndgerÀt anpasst.
Er ergĂ€nzt: âSelbstverstĂ€ndlich ist ein responsives Design, damit sich die Buchungsmaske dem benutzten EndgerĂ€t anpasst.â Saskia OckenfuĂ, Product Ownerin bei Vioma, begrĂŒndet: âDer Buchungsabschluss erfolgt heute viel hĂ€ufiger ĂŒber das Smartphone als frĂŒher â vieles passiert nebenbei, spontan und sollte schnell gehen.â Das setzt als weiteres Kriterium eine kurze Ladezeit voraus.
Aus Sicht von Eva-Maria Bleifuss, Leitung Operatives GeschĂ€ft DACH bei Guestline, sollte âeine einheitliche, durchgĂ€ngige Customer Experienceâ geschaffen werden. Oliver AnschĂŒtz sagt dazu: âDie Buchungsmaske sollte sich einfach in die vorhandene Website programmieren und gestalterisch anpassbar sein, damit die Software nicht wie ein Fremdkörper aussieht.â
Marc Dreyer, CEO von 3RPMS Hotelsoftware, gibt zu bedenken: âEin Buchungssystem, das viele Sonderoptionen zulĂ€sst, wird aber zwangslĂ€ufig auch komplexer und ist daher fĂŒr reine Ăbernachtungsbetriebe eigentlich schon zu viel des Guten. 3RPMS wurde entwickelt, um alle AblĂ€ufe so schlank und verstĂ€ndlich wie möglich zu gestalten.â
Eva-Maria Bleifuss, Guestline, betont: âEs sind individuell auf den Hotelkunden zugeschnittene Lösungen zu empfehlen, die so anpassbar sind, wie jeder Betrieb unterschiedlich ist. Von ausschlaggebender Bedeutung ist zudem eine Echtzeit-Integration aller Buchungen in das PMSund den Channel Manager, um KapazitĂ€ten maximal ausnutzen zu können und gleichzeitig Doppelbuchungen zu vermeiden.â
System vom Allrounder oder vom Spezialisten?
Was zur Frage ĂŒberleitet, ob IBE Teil einer All-in-one-Lösung sein oder vom Spezialisten stammen sollten. FĂŒr beides gibt es Argumente, wie Saskia OckenfuĂ, Vioma, verdeutlicht: âWer alles aus einer Hand nimmt, hat einen einheitlichen Look und einen zentralen Ort, an dem alles verwaltet wird.â Oliver AnschĂŒtz, Softtec, ergĂ€nzt: âDie Kommunikation lĂ€uft stabil und im Servicefall gibt es meist nur eine Hotline beziehungsweise einen Ansprechpartner.â
Aber, sagt, Saskia OckenfuĂ: âJeder Anbieter hat seine StĂ€rken.â Weshalb Daniel Birkenmayer von den Tourismusexperten spezialisierte Lösungen favorisiert, die ĂŒber Schnittstellen auch mit möglichst vielen anderen Systemen kommunizieren können, robust und skalierbar sind. Aus dem Unternehmen Oracle, das auf die IntegrationsfĂ€higkeiten der âOracle Hospitality Integration Platformâ verweist, ĂŒber die sich âBest-in-Classâ-Anwendungen kombinieren lassen, wird diese Sichtweise bestĂ€tigt.
Einen wesentlichen Trend sieht man bei Oracle in der Umstellung auf kontaktlose Lösungen. Auch das Unternehmen Casablanca Hotelsoftware richtet sich entsprechend aus, so GeschĂ€ftsfĂŒhrer Alexander Ehrhart: âMit der Casablanca Hotelsoftware lassen sich alle AblĂ€ufe rund um die Buchung und den Aufenthalt völlig autonom abwickeln.â Mittels Korrespondenzmanager sei auch der Schriftverkehr automatisiert. âMeldezettel werden auf einem zeichnungsfĂ€higen, digitalen EndgerĂ€t vom Gast unterschrieben und im Anschluss automatisiert an das Meldeamt ĂŒbermittelt. Das Spektrum reicht bis zu Online-Bezahlung und Online-Check-out.â
In den Loft-Apartments des Hotels Pölter in GĂŒtersloh lassen sich etwa die ZimmertĂŒren per Zahlencode öffnen. Das dort genutzte Buchungssystem von Casona erstellt bei jeder Buchung automatisch die passenden TĂŒrcodes und sendet diese mit der BuchungsbestĂ€tigung an den Gast. Mitarbeitende haben dadurch mehr Zeit fĂŒr echten Service.
Von Stefanie HĂŒtz