Das Naturhotel Leitlhof im Pustertal ist einer der wenigen energieautarken Hotelbetriebe in Europa. Um die Effizienz seiner Holzvergasungsanlage noch zu steigern, entwickelte Hotelier Stephan Mühlmann eigens einen Kondensator.
Vom Bauernhof zur Wellness-Oase mit Nachhaltigkeitsanspruch: Das Hotel
Leitlhof hat sich über die Jahre zu einem Wohlfühlort und
energetischem Vorzeigeprojekt entwickelt.
1993 erwarb Familie Mühlmann das Hotel in Innichen in Südtirol. Sie
startete den Ausbau des ehemaligen Bauernhofs , späteren Gasthofs und Hotels auf heute
62 Zimmer und Suiten mit einer 2.000 Quadratmeter großen Wellnesslandschaft und 50 Mitarbeitenden.
Stephan Mühlmann ist Geschäftsführer des Hotels Leitlhof, das seit fast 30 Jahren in Familienbesitz ist. Ursprünglich war das Anwesen ein Bauernhof. © Mike Rabensteiner
„
Seit dem Jahr
2000 haben wir das Hotel durch mehrere Eingriffe in den Zwischensaisons
renoviert und erweitert “, erzählt Geschäftsführer Stephan Mühlmann.
2009 wurde der
Schritt zum Wellnesshotel beschlossen – als erstes stand ein
Außenpool auf dem Plan.
„2011 begannen die Bauarbeiten, dabei wurde uns schnell klar, dass die
Heizkosten des Wellnessbereichs nicht im Verhältnis zur Hotelstruktur stehen“, so Mühlmann. „Als ich sah, wie dann im Winter das warme Schwimmbadwasser dampfte und gefühlt unendlich viel Energie verbraucht wurde, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen und fragte mich, ob dies überhaupt der richtige Schritt war.“
Energie aus Hackschnitzeln
Stephan Mühlmann begann sich über energiesparende Heizmethoden zu informieren und
entschied sich für die Investition in eine Holzvergasungsanlage des Unternehmens
Spanner Re² aus Neufahrn in Niederbayern. Die Anlage erzeugt
thermische und elektrische Energie aus Holzschnitzeln . Diese stammen
größtenteils aus dem eigenen Wald und werden in zwei unterirdischen Silos getrocknet.
Ergänzt wird das Gerät durch einen
eigenen Hackgutofen und eine Photovoltaikanlage .
Optimierung im laufenden Betrieb
Am 31. Dezember
2012 ging die Anlage in Betrieb , zunächst nicht ganz reibungslos. „Wir führten
2013 viele Verbesserungsarbeiten durch, weil die
Infrastruktur um die Holzvergasung nicht richtig funktionierte. 2014 hatten wir schließlich alles sehr gut im Griff.“ Ein anfängliches Problem stellte etwa die
Größe der Hackschnitzel dar, die ein externer Dienstleister für das Hotel produziert. „Sie dürfen für die Anlage maximal drei bis fünf Zentimeter groß sein. Wenn einzelne darunter größer sind, kann dies zu Blockaden führen“, betont Mühlmann, der daraufhin eine
Siebanlage vorschaltete .
Die Holzvergasungsanlage produziert 95 Prozent der Energie für den Leitlhof. © Mike Rabensteiner
Um die Anlage
weiter zu optimieren , entwickelte der Hotelier einen
Kondensator . „Wenn man Holz vergast, bleibt immer ein
Wasseranteil in der Struktur des Holzes , auch wenn die Hackschnitzel noch so gut getrocknet sind. Das
Wasser wird über den Motor gefahren und hemmt dort die Verbrennung “, erläutert er.
Über den
Kondensator wird das Holzgas auskondensiert und somit auch der letzte verbliebene Wasseranteil herausgeholt. Das wasserfreie beziehungsweise
wasserdampffreie Gas begünstig die Verbrennung im Motor und führt zu einer größeren Leistungsausbeute und zu deutlich längeren Standzeiten der Motoren. Der Kondensator ließ auf Anhieb die jährlichen Betriebsstunden von 7.600 auf 8.380 ansteigen, was die Wirtschaftlichkeit der Anlage deutlich verbessert hat.
Um die
Effizienz weiter zu erhöhen , tauschte Mühlmann den anfangs verbauten 5,7-Liter-Turbomotor der Holzvergasungsanlage nach kurzer Zeit durch einen
robusteren Acht-Liter-Saugmotor aus. Da bei der Vergasung viel Holzkohlestaub anfällt, ist im Leitlhof
zudem eine Nachverbrennung verbaut, die das
Volumen des Holzkohlestaubs von zuvor zwei Kubikmeter pro Woche auf sechs Kubikmeter jährlich
reduzierte .
Heizkraftwerk erzeugt 95 Prozent der Energie
Heute produziert das Haus
mehr Strom und Wärme als es selbst benötigt und speist den
Überschuss ins öffentliche Netz ein. Die thermische Energie wird für die Heizung, das warme Wasser sowie die Schwimmbadheizung genutzt.
Auf dem Dach des Heizkraftwerks befindet sich auch die Photovoltaikanlage. Sie ist mit
schwarzen PV-Paneelen bedeckt, die darunter entstehende warme Luft wird abgesaugt und zur Trocknung der Holzschnitzel verwendet . Dabei wird
die PV-Anlage gleichzeitig gekühlt , und
es erhöht sich der elektrische Wirkungsgra d – ein Win-win-Effekt.
95 Prozent der gesamten Energie werden
durch das Heizkraftwerk erzeugt, der Rest entfällt auf die Photovoltaikanlage. Die
Holzvergasungsanlage besteht aus
zwei Modulen , die
jeweils 45 kWh elektrische Energie
und 100 kWh thermische Energie erzeugen. Die PV-Anlage hat eine Spitzenlast von 40 Kilowattstunden.
Das Hotel verfügt über eine
eigene Wasserquelle auf dem Gelände und zählt somit zu den wenigen energieautarken Hotelbetrieben in Europa. Über das
hochkomplexe Verbrennungsverfahren hat sich Stephan Mühlmann umfangreiches Know-how angeeignet und bietet seinen
Hotelgästen jetzt auch wöchentlich
Führungen zur Verbrennungsanlage an.
CO2 -Ausstoß gewaltig reduziert
Durch die Investition in das Heizkraftwerk konnte das Hotel den
CO2 -Ausstoß pro Gast und Übernachtung auf 10,1 Kilogramm senken. „
Vergleichbare Hotels stoßen
üblicherweise zwischen 120 und 140 Kilogramm CO2 pro Gast und Übernachtung aus “, führt Mühlmann aus.
Das Hotel bietet seinen Gästen auf 2.000 Quadratmetern eine Wellnesslandschaft mit Pool. © Mike Rabensteiner
Die Senkung ist im Wesentlichen dem Heizkraftwerk zuzuschreiben, wird aber auch von weiteren Aktionen flankiert, wie dem
Waschen der Handtücher im eigenen Haus sowie lokalem und regionalem Einkauf . Auf dem weiteren
Weg zur Klimaneutralität arbeitet der Leitlhof mit Climate Partner aus München zusammen und erwirbt deren Zertifikate, die nachhaltige Projekte in Entwicklungsländern finanzieren.
Nur wenige Minuten vom Leitlhof entfernt, auf dem
hoteleigenen Bauernhof Mühlhof , werden inzwischen zudem
Angus Rinder für den exklusiven Gebrauch im Leitlhof gezüchtet. Der Mühlhof ist auch
Lieferant für
Beeren für hausgemachte Marmelade,
frisches Gemüse und Kräuter .
Vor vier Jahren erwarb die Familie Mühlmann die ehemalige Bäckerei Stubenruss im Ortskern von
Innichen . Das Gebäude wird nun abgerissen und durch ein modernes
Apartmenthaus in Leichtbetonbauweise und mit großen Glasfronten ersetzt. Für die Pläne ist das Architekturbüro Pedevilla aus Bruneck verantwortlich. Es
entstehen sieben Ferienwohnungen, die über den Leitlhof vermarktet werden, sowie
ein Restaurant mit 60 Innensitzplätzen und ein Garten mit 80 Außenplätzen. Die
Fertigstellung des Projekts ist für
Mai 2022 vorgesehen.
Von Susanne Stauß