Jubiläum 75 Jahre Hotel Bareiss: Die Kunst, Menschen glücklich zu machen

Festakt "75 Jahre Bareiss" – Gastgeber & Gastredner: Vor der Bühne in der Bibliothek versammelten sich (von links) Bürgermeister Michael Ruf, Festredner H.P.O. Breuer, Britta und Hannes Bareiss, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister‑Kraut und Seniorchef Hermann Bareiss.
Festakt "75 Jahre Bareiss" – Gastgeber & Gastredner: Vor der Bühne in der Bibliothek versammelten sich (von links) Bürgermeister Michael Ruf, Festredner H.P.O. Breuer, Britta und Hannes Bareiss, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister‑Kraut und Seniorchef Hermann Bareiss. © Hotel Bareiss

Jubiläum in Baiersbronn: Das Hotel Bareiss steht exemplarisch für die Kontinuität familiengeführter Spitzenhotellerie in Deutschland. Beim Festakt im Schwarzwald blickte die Inhaberfamilie Bareiss gemeinsam mit Wegbegleitern aus Politik und Branche auf die Entwicklung vom Kurhotel zum international ausgezeichneten Fünfsterne-Superior-Resort zurück.

Ein Hotel, das nicht nur über ein Dreivierteljahrhundert besteht, sondern sich dabei kontinuierlich an der Spitze der deutschen Hotellerie positioniert, ist unternehmerisch bemerkenswert. Genau das konnte die Inhaberfamilie Bareiss am 6. März feiern: das 75‑jährige Bestehen ihres Hauses in Baiersbronn-Mitteltal.

Zum Festakt im Hotel kamen Wegbegleiter, politische Vertreter, Branchenkollegen und langjährige Partner zusammen. Es wurde zurückgeblickt auf eine Entwicklung vom 12‑Zimmer-Kurhotel zum international ausgezeichneten Fünfsterne-Superior-Ferienresort – und zugleich deutlich, welche unternehmerische Haltung hinter dieser Kontinuität steht.

Schon die Begrüßung durch Hannes Bareiss setzte den Ton. Mit sichtbarer Dankbarkeit erinnerte er an die Anfänge: 1951 eröffnete Großmutter Hermine Bareiss mit zwölf Zimmern ihr Kurhotel in Mitteltal. Ihre Philosophie gilt bis heute: „Es gibt kein Nein für den Gast.“

Evolution statt Revolution

Was das Bareiss in 75 Jahren auszeichnet, ist weniger der spektakuläre Bruch als die konsequente Weiterentwicklung. Hannes Bareiss formulierte es so: „Viele innovative Ideen sind dabei nicht primär aus der Motivation entstanden, einen finanziellen Beitrag zu erwirtschaften, sondern hatten das Ziel unseren Gästen einen qualitativen Mehrwert oder ein exzellentes Erlebnis zu bieten – kurzum, sie glücklich zu machen.“ Erst danach seien diese Neuerungen „meistens zum bewährten Geschäftsmodell“ geworden.

Das Hotel Bareiss in Baiersbronn-Mitteltal: Das Fünfsterne-Superior-Resort im Schwarzwald mit Naturbadeteich steht seit 75 Jahren für gewachsene Qualität und kontinuierliche Weiterentwicklung.
Das Hotel Bareiss in Baiersbronn-Mitteltal: Das Fünfsterne-Superior-Resort im Schwarzwald mit Naturbadeteich steht seit 75 Jahren für gewachsene Qualität und kontinuierliche Weiterentwicklung. - © www.guenterstandl.de

Diese Haltung erklärt vielleicht am besten, warum aus dem beschaulichen Gasthaus ein Ferienresort mit heute über 30 Erlebniswelten, 440 Mitarbeitenden aus 31 Nationen und insgesamt 117 Auszubildenden geworden ist – ohne je beliebig zu wirken. Die Baugeschichte mit inzwischen weit über 100 Bauabschnitten wirkt nicht additiv, sondern organisch. Autor und Journalist H.P.O. Breuer brachte es in seiner Festrede treffend auf den Punkt: Man sehe „keinen Anbau, keine Naht, keinen Stilbruch. Man sieht eine Geschlossenheit, eine Harmonie, ein Ganzes.“

Mittelstand mit Strahlkraft

Dass das Hotel Bareiss weit über den Schwarzwald hinausstrahlt, wurde auch in den Grußworten deutlich. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut würdigte das Hotel als Paradebeispiel für baden-württembergischen Mittelstand: „75 Jahre Hotel Bareiss, ein Dreivierteljahrhundert, bedeuten Beständigkeit, Qualität, Wertigkeit, authentische Gastfreundschaft.“ Und weiter: „Sie sind Teil unserer DNA des Landes und wir sind stolz, solche Unternehmen in Baden-Württemberg haben zu dürfen.“

Tatsächlich steht das Bareiss exemplarisch für familiengeführtes Unternehmertum mit Langfristperspektive. Das Haus ist unabhängig, solide finanziert, strategisch klar ausgerichtet. In den vergangenen zehn Jahren wurden zahlreiche zukunftsweisende Investitionen umgesetzt – von der vollständigen Modernisierung der Zimmer bis hin zum 2020 neu konzipierten Back-of-house-Bereich, der den Mitarbeitenden modernste Arbeitsplätze bietet.

Die nächste und zugleich dritte Generation hat bereits sichtbare Akzente gesetzt: der neue Mitarbeitertrakt, der Forellenhof Buhlbach als europaweit beachtete Aquakultur und die neue Suiten-Etage. Seit 2015 führen Hannes und Britta Bareiss das Haus operativ – in enger Abstimmung mit Senior Hermann Bareiss. „Es macht uns stolz und dankbar, diese Chance erhalten zu haben. Das Bareiss ist für uns keine Arbeitsstätte, sondern unser Zuhause und unsere Zukunft“, so Hannes Bareiss.

Ein Patron und sein Lebenswerk

Der Bürgermeister der Gemeinde Baiersbronn, Michael Ruf, erinnerte an die historische Dimension: Am 1. Mai 1951 eröffnete Hermine Bareiss das Kurhotel – „Teil eines wirtschaftlichen Aufbruches für ganz Baiersbronn“. Und er würdigte Hermann Bareiss persönlich als Ratgeber und Impulsgeber für die Gemeinde.

Hermann Bareiss selbst sprach mit der Gelassenheit eines Unternehmers, der nichts mehr beweisen muss – und gerade deshalb eindringlich wirkt. „Erfolg macht nicht satt. Und auf Erfolg kommt es zuallerletzt an, denn er stellt sich von ganz alleine ein, wenn einer auf je seinem Niveau der Begabung und des Könnens alles und sein Bestes gibt.“ Wer Erfolg für das Wichtigste halte, so seine drastische Formulierung, „ist besoffen von sich selber.“

„Zufriedenstellen ist zu wenig. Wir wollen Gäste glücklich machen.“

Hermann Bareiss

Stattdessen gehe es um etwas anderes: „Zufriedenstellen ist zu wenig. Wir wollen Gäste glücklich machen.“ Vermeintlicher oder wirklicher Luxus sei dabei nie Selbstzweck – „Marmor und Mahagoni, Kaviar und Champagner, die Urtomate oder der grüne Smoothie (…) sind die Vehikel die Wünsche unserer Gäste zu erfüllen und sie glücklich zu machen“. Diese Haltung erklärt vielleicht, warum der Guide Michelin das Bareiss 2026 erneut als eines der „außergewöhnlichsten und bemerkenswertesten Hotels der Welt“ würdigte.

Das „Bareiss-Feeling“

Wer mit Mitarbeitenden spricht – ob Führungskraft oder Auszubildender –, höre immer wieder dasselbe Wort: Zusammenhalt. H.P.O. Breuer beschrieb diese besondere „Betriebstemperatur“, die Gäste als „Nestwärme“ empfinden. Es sei eine Atmosphäre, in der sich „jede und jeder erkannt, anerkannt, gewürdigt, gelitten und gemocht weiß“. Das lasse sich nicht per Checkliste organisieren, „es muss von einem Innen kommen“.

Hannes Bareiss nennt es das „Bareiss-Feeling“ – eine von Generationen geprägte Gastgeberkultur, getragen von Engagement, Herzblut und Passion. Die Mitarbeitenden sind dabei ausdrücklich zweite Zielgruppe des Hauses. Die Bareiss Akademie, der 1989 gegründete Förderverein FHG und dessen enge Kooperation mit der DHBW Ravensburg unterstreichen den Anspruch, nicht nur Gastgeber, sondern auch Talentschmiede zu sein.

„Zutiefst human“

Ein bemerkenswerter Gedanke zog sich durch die Reden und Gespräche des Tages. In der Festrede hieß es: „Die Superlative halten die Gäste für selbstverständlich, sie kennen ihr Bareiss nicht anders als mega. Aber das Lächeln hier, das Geliebt-Sein, das ist für sie das größte Geschenk.“ Und weiter: „Das Bareiss ist dieses Bareiss, weil es zutiefst human ist“, so H.P.O. Breuer.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis eines 75-jährigen Erfolgs in einer Branche, die wie kaum eine andere von Konjunkturen, Krisen und Trends geprägt ist: das kompromisslose Festhalten am Menschen – als Gast wie als Mitarbeiter. Unternehmertum in der Hotellerie ist ein Langstreckenlauf. Es braucht Mut, Maß und Menschlichkeit, konstatierte OB Michael Ruf, – drei Eigenschaften, die dieses Haus über Generationen geprägt haben. Und als Hannes Bareiss schließlich noch die Hotelvision seiner Familie mit dem „Making-of eines epischen Werks“ vergleicht, „aber immer im klaren Bewusstsein von Thomas Mann ‚Buddenbrooks‘ und gleichzeitig der Zuversicht, dass wir ziemlich gut wissen, was wir tun“, dann klingt das nicht nach Pathos, sondern nach Verantwortung.

Und so verlässt man diese Jubiläumsfeier mit der Überzeugung: Das Bareiss hat in 75 Jahren vieles geschaffen. Vor allem aber hat es bewiesen, dass nachhaltiger Erfolg im Luxussegment nicht aus Glanz entsteht, sondern aus einer klaren unternehmerischen Grundausrichtung, konsequent gelebten Werten und der Verantwortung gegenüber Gästen und Mitarbeitenden.

Hotel Bareiss: Daten & Fakten

Gründung & Historie

  • 1951 als Kurhotel Mitteltal mit 12 Zimmern von Hermine Bareiss am Standort Baiersbronn-Mitteltal, Schwarzwald (Baden-Württemberg) gegründet
  • 1973 Hermann Bareiss übernimmt die Leitung des Hotels von seiner Mutter
  • 1992 Umbenennung in „Hotel Bareiss“

Inhaber & Führung

  • Familiengeführt in dritter Generation
  • 2009 Eintritt von Hannes Bareiss in die Geschäftsleitung
  • Seit 2015 Führung des Hauses und der Geschäfte gemeinsam mit Britta Bareiss und Hermann Bareiss in einer familiären Dreierspitze
  • Nach Weggang von Hoteldirektor Tobias Bruckner (2022-2026) Ende Januar 2026 werden die Direktionsaufgaben derzeit von Hannes und Britta Bareiss übernommen; eine Neubesetzung ist noch nicht erfolgt
  • 2026: Hannes Bareiss als „Icon of the Year“ ausgezeichnet

Mitarbeitende & Ausbildung

  • 340 Vollzeitäquivalente (rund 440 Mitarbeitende)
  • 117 Auszubildende in allen drei Lehrjahren
  • Mitarbeitende aus 31 Nationen
  • 2015 Erwerb des alten Schulhauses in Mitteltal und Umbau zum Schulungszentrum „Bareiss Akademie“

Investitionen & Meilensteine (Auswahl)

  • 2003 Morlokhof (1789), denkmalgeschützt und mehrfach ausgezeichnet restauriert
  • 2005 Wanderhütte Sattelei
  • 2012 Modernisierung der Wellnessanlage
  • 2017 Forellenhof Buhlbach (Aquakultur)
  • 2019 Neubau Küche & Back-of-house-Bereich
  • 2024 Neubau von 11 Suiten (Penthouse-Etage) und Modernisierung des 3-Sterne-Restaurants Bareiss
  • 2026 Sanierung des Gartenflügels

Gastronomie

  • Seit 2007 durchgängig 3 Michelin-Sterne im Restaurant Bareiss
  • Küchenchef Claus-Peter Lumpp seit 30 Jahren im Haus
  • Weitere gastronomische Angebote: À-la-carte-Restaurants Kaminstube und Dorfstuben, Hotelbar & Smoker Lounge, Poolbistro, Weinkeller

Profil

  • Ganzjährig geöffnetes Fünfsterne-Superior-Resort mit über 30 Erlebnisbereichen
  • Weitläufiges Wellness- und Spa-Areal
  • Maßstäbe in der Familienhotellerie („Kinderdörfle“)
  • International anerkannte Arbeitgebermarke mit eigener Akademie
  • 2026 erneut von Michelin als eines der „außergewöhnlichsten und bemerkenswertesten Hotels der Welt“ gewürdigt (3 Michelin Keys)
  • Zum dritten Mal in Folge „Luxury Culinary Hotel of the Year“ bei „101 beste Hotels“