Das Seehotel in Ketsch feierte am 2. Oktober sein 50-jähriges Bestehen. Gastgeber des Viersterne-Boutique-Hotels am Anglersee sind Hans und Susanne Keppel. Seit 1987 ist Hans Keppel Geschäftsführer, seine Frau ist seit 1996 dabei.
Alles begann 1970 als Hans' Vater Helmut Keppel im Alter von 50 Jahren das 5.000 Quadratmeter große, gemeindeeigene und völlig unerschlossene Grundstück am Ketscher Baggersee pachtete. Trotz fehlender Erfahrung in der Hotellerie wurde das Grundstück erschlossen und das Seehotel gebaut. Der Architekt war ein Bauhaus-Schüler. Der Bau im Stil der neuen Sachlichkeit, drei aneinander gereihte weiße Kuben, wurde damals viel diskutiert.
1972 eröffneten Klara und Helmut Keppel das deutschlandweit erste "voll elektrische" Seehotel mit 29 Gästezimmern mit Bad, Dusche und Telefon, dazu das Restaurant "Seeblick" und ein Konferenzraum. Hans Keppel begann eine Ausbildung zum Koch im Hotel Motodrom in Hockenheim. Das Seehotel und das Restaurant werden damals sehr gut angenommen, es gibt nichts Vergleichbares in der Region, die Zielgruppe der Geschäftsreisenden schätzt das Hotel mit Restaurant in sehr guter Lage. Acht Jahre später wurde das Hotel auf 45 Zimmer erweitert.
Nachdem 1992 der Hoteltrakt renoviert wurde, wurde 1998 das Restaurant umgebaut, mit neuer Küche, Anbau des Wintergartens und neuer Ausrichtung. Das Restaurant erhielt den Namen "Die Ente" und wurde nach langjähriger Verpachtung wieder von Familie Keppel übernommen.
Erfolgreich durch Krisen navigiert

Im Jahr 2009 begann der nächste große Umbau. Dabei sollte auf 70 Zimmer aufgestockt, der Tagungsbereich auf drei Konferenzräume erweitert, ein neuer Bankettbereich mit dem Salon geschaffen und eine neue, größere Küche eingebaut werden. Dann kam die Wirtschaftskrise, der Bauunternehmer ging bankrott und die Familie musste vieles doppelt bezahlen, damit der Bau weiter gehen konnte. 2011 konnte der Umbau endlich fertiggestellt werden. Im gleichen Jahr eröffnete Susanne Keppel im Haus einen Concept Store und "Die Ente" erhielt den ersten Michelin-Stern. 2018 kaufte Familie Keppel das 10.000 Quadratmeter große Grundstück von der Gemeinde.
Während der Coronapandemie schmissen die Auszubildenden abends die Küche und versorgten die Geschäftsreisenden, die beherbergt werden durften. "Zum Teil waren wir auch in dieser Zeit ausgebucht", betont Susanne Keppel. Heute werden die Gastgeber von einem Team aus 34 Mitarbeitenden unterstützt. Und die dritte Generation steht in den Startlöchern: Sohn Sebastian hat 2021 die technische Leitung und IT übernommen, Tochter Emily zieht es nach dem BWL-Studium in Hamburg und Frankfurt zurück an den See, Tochter Romy hat nach ihrem Abitur ihr Wirtschaftspsychologie-Studium in Köln begonnen. Es bleibt spannend in Ketsch.