Die Muchele-Schwestern im Porträt Aller guten Dinge sind drei

Südtiroler Frauenpower (von links): Anna, Priska und Martina Ganthaler führen das lässige Designhotel Muchele in dritter Generation. (Bild: Patrick Schwienbacher)

Mit Charme, Unbeschwertheit und Leichtigkeit betreiben Martina, Priska und Anna Ganthaler das Muchele in Burgstall nahe Meran. Die Schwestern haben das Viersterne-Superior-Hotel zu einem unnachahmlichen Design-Refugium entwickelt.

Anzeige

Ein hoher Sessel, direkt neben dem Hoteleingang platziert, setzt das Signal, filigran geflochten, fast schon eine Skulptur, starkes Gelb: Das Muchele im Südtiroler Burgstall, nicht weit von Meran, ist anders. Das fängt schon beim Namen an, der auf den Urururururgroßvater Michael zurückgeht, auf Südtirolerisch „Much“. Ganz so alt ist das Muchele nicht. Die drei Schwestern Martina (37), Priska (35) und Anna (28) Ganthaler sind die dritte Generation, und sie führen das 40-Zimmer- und Suiten-Haus mit ansteckender Unbeschwertheit und Leichtigkeit.

Es war den drei Töchtern freigestellt, ob sie den elterlichen Betrieb übernehmen wollten. „Wir hätten alles machen können, Jura studieren oder eine Friseurausbildung“, sagt Anna, die Jüngste, „aber der Charme, den das Hotel bietet und die Geschichten, die wir schon als Kinder erlebt haben, waren prägend. Wie sich die Welt öffnet, weil wir Gäste aus verschiedenen Nationen haben, das hat mich schon verführt.“ Der Übergang war sanft, die Mutter führt während der Sommermonate ein zweites Hotel in den Marken, der Vater sorgt immer donnerstags als DJ hinter den Turntables für ausgelassene Stimmung im Muchele, sofern er nicht die Mutter in den Marken unterstützt.

“Die GEschichten, die wir als Kinder erlebt haben, waren prägend.”
Anna Ganthaler, Hotel Muchele

Jede der Schwestern hat einen eigenen Aufgabenbereich. Martina und Priska haben die Hotelfachschule in Meran absolviert und teilen sich das operative Geschäft, Anna leitet nach einer Ausbildung als Kosmetikerin und Masseurin das Spa. So selbstverständlich der Übergang war, so stark sind die Akzente, die die drei von Anfang an setzten. Alles begann mit der Umgestaltung der Bar. Es war klar, es sollte etwas Italienisches werden: modernes Design, etwas, das auffällt. Eher aus Spaß seien sie in den Showroom des für seine vielen preisgekrönten Designprodukte bekannten Herstellers Moroso nach Udine gefahren, sie wollten sich einfach nur umschauen. Ein Besuch, aus dem eine echte Design-Liebesbeziehung resultierte. Priska erinnert sich genau an den Moment, als sie den Eltern den ersten Kostenvoranschlag präsentierten. Diese mussten erstmal tief Luft holen und fragten: „Muss das sein?“ Ja, es musste sein. Überzeugend war Martinas unternehmerisches Argument: Wenn sich das Moroso-Konzept für die nächsten zehn Jahre als Marketinginstrument nutzen ließe, dann rechne es sich. Die Hotelbar mit den ausladenden gelben und grünen Ledersofas, aus denen man nie mehr aufstehen möchte, war nur der Anfang. Mit Patricia Urquiola, der Stardesignerin, entspann sich eine enge Beziehung, zur Familie Moroso eine Freundschaft.

Durchblick. Die Rezeption ist offen gestaltet, geht über in den farbenfroh gestalteten Bar- und Lounge-Bereich.

Der mittlere Gebäudeteil wurde abgerissen und neu gebaut. Das Interior gestaltete Moroso. Leicht und luftig kommen diese neuen Zimmer daher, mit rahmenlosen, raumhohen Fenstern, gläsernen Balkonbrüstungen und, anders als vermutet, nicht bunt, sondern in subtil abgestimmten Naturtönen. Die Betten scheinen zu schweben. Die Höhe macht das Maximale aus dem Blick auf die Berge jenseits des Etschtals. Den Bezug zur Region stellt der in den Bädern verbaute Porphyrfelsen her, wie auch die fein ausgearbeiteten Sichtschutzverblendungen der Balkons aus pulverbeschichtetem Eisen. Das passende Ornament zu finden, war nicht einfach, so Priska, weil alles zunächst so orientalisch aussah. Schließlich entdeckte man das im Grunde Naheliegende, die traditionellen bäuerlichen Symbole aus dem Trachtenmuseum, die an der Fassade einen zauberhaften Effekt entfalten, wenn nächtens die Räume in warmes Licht getaucht sind.

Highlight sind die drei Penthäuser, für die Stardesignerin Patricia Urquiola freie Hand bekam. Sie locken mit weitläufiger Holzterrasse, Whirlpool, Außenduschen und XL-Betten. Die Zusammenarbeit funktioniert nicht zuletzt deshalb so gut, weil die drei Schwestern haargenau widerspiegeln, für was das Label steht. Die Fröhlichkeit der Farben und Formen, das Unerwartete, die Qualität.

Spitzen-Vorhang nennen die drei Schwestern die Metallverblendungen an der Fassade.

Ob sie sich wirklich so gut verstehen, wie es den Anschein hat, werden die Schwestern immer wieder gefragt. Was sie jedes Mal ein wenig verwundert bestätigen. Das habe nicht zuletzt mit den Werten zu tun, die im Elternhaus gelebt worden seien: Respekt, Zufriedenheit, Dankbarkeit. „Wenn das da ist, hast du eine gute Basis“, meldet sich die Jüngste zu Wort.

Jede kann ihre Stärken einbringen. Jede pflegt ihre spezielle Vorliebe. Martina eröffnet gerade mit ihrem Ehepartner eine Kaffeerösterei, bringt das Kaffee-Knowhow ein: Das Kaffeefiltern beim Frühstück wird am Tisch zelebriert. Priska hat eine Ausbildung zur Sommelière. Sie verantwortet die begehbare Vinothek gleich hinter der Bar, die 500 Positionen bevorzugt aus Südtirol und Italien enthält. Vier Tonnen Lehm wurden für die Wände verbaut, sie garantieren eine Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent, für die Kühlung sorgt ein Tiefbrunnen. Wein darf ohnehin eine Hauptrolle spielen: Der Vater hat die Kooperation der Vinum Hotels mitbegründet. Anna arbeitet am liebsten mit den Händen, hat für das Spa eine eigene Pflegeserie entwickelt.

Martina, die Älteste, sei das Alphatier, sind sich die beiden anderen einig. Sie sei diejenige, die über alles die schützende Hand hält. Und außerdem die Kreativste, was sich durchs ganze Haus ziehe. Die Courage für die vielen Veränderungen, das sei ganz gewiss sie. Anna verantwortet mit dem Spa ihren eigenen Bereich. Springt aber genauso an der Rezeption ein, wenn Not an der „Frau“ ist. Sie sei unbekümmert und humorvoll, habe sich schon ein Netzwerk aufgebaut, beschreibt Martina die Schwester. Priska übernimmt die klassische Rolle des Sandwich-Kindes. Sie vermittelt, sie sei es auch, die alles zusammenhält. Und diejenige, die Erfolge zu feiern weiß. Als der Umbau 2015 fertig war, alle in dem Sog waren, vollkommen absorbiert von der Aufgabe, war es Priska, die mit der Flasche Wein in der Hand kam und gesagt hat, „jetzt stoßen wir an, gehen raus auf die Terrasse, schauen uns das Prunkstück an. Und sind stolz auf uns.“ Es gibt flache Hierarchien, rund dreißig Mitarbeiter sind zu führen, die Entscheidungswege kurz. Nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Mittagessens. An einer langen Tafel im Restaurant trifft sich die Familie zur festen Uhrzeit, auch die Kinder der beiden älteren Schwestern sind dabei. Man bespricht sich und isst. Dann sei es manchmal Priska, die sagt, jetzt reden wir mal über etwas anderes. Wenigstens zwei Minuten hielten sich alle dran, sagt Martina augenzwinkernd.

Institutionalisiert haben Martina und Priska ihren „Creative Friday“ von eins bis sieben Uhr am Abend. „Dann ‚entkapseln‘ wir uns“, so Martina. Da seien viele tolle Dinge entstanden. Das „Much-Magazin“ und der Newsletter, der so einen leichten Gute-Laune-Ton hat, und den sie „Liebesbrief“ nennen. Eine sehr spezielle Form der Kommunikation, mit der sie sich profilieren konnten. Wie erfolgreich, lässt sich an der Zahl der Nachahmer feststellen. „Wir haben schon Betriebe gehabt, die uns Wort für Wort kopiert haben. Die haben wir angesprochen“, sagt Priska, es handele sich schließlich um das geistige Eigentum von Martina. „Auf der anderen Seite ist es ein kleiner Erfolg, wenn große Hotels dich kopieren.“ Und ein Ansporn, immer einen Schritt weiter zu gehen. Worauf sie heute besonders stolz sind? Dass sie die Gäste haben, die sie sich wünschen. Die schätzen, was das Muchele bietet. Neben dem Design, dem Spa und dem Wein auch das Südtiroler Essen mit dem italienischen Twist, das im lichtdurchfluteten Esszimmer serviert wird.

Und den fröhlich-gelben Lounge-Sessel? Den kann man kaufen. Die Schwestern betreiben mittlerweile einen der größten Moroso-Showrooms nördlich von Mailand. „Und bei uns kann man alles ausprobieren. Das Sitzen, das Chillen in den Couchen, das Schlafen“, so die Drei unisono.

Bärbel Holzberg

Anzeige