Zuhause, nur woanders!

„Ankommen und Ausatmen“: Statt klassischer Lobby, Frühstücksraum, Bar und abgetrennten Räumen erwartet die Gäste des Soulmade der Living Room. Das Wohlfühl-Ambiente macht es leicht, das Haus-Credo zu leben und sich wie in den eigenen vier Wänden zu fühlen. (Bild: Soulmade)

Im Soulmade im Münchner Norden finden Tages- wie Langzeitgäste ein Business-Hotel mit ganz viel Seele. Die Schwerpunkte des werteorientierten Konzeptes: eine natürlich offene Architektur, der Living-Room als kommunikativer Treffpunkt und die Hosts als authentische Gastgeber mit Herz.

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Ankommen. Ausatmen … und ein bisschen staunen. So geht es den meisten Gästen, wenn sie das Soulmade in Garching bei München zum ersten Mal betreten. Es fällt sofort auf, dass dieses Hotel im Detail anders ist als andere Business-Häuser: So wird der Blick in der Lobby nicht auf eine Rezeption gelenkt, sondern auf die Zeitinstallation „timeless … is only the presence“, die den Spirit des Hauses in Worte fasst. Dieser manifestiert sich im offen gestalteten Livingroom, dem Herzstück des Hauses: Ein rund 300 m

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großes Wohlfühl-Areal in Wohnzimmer-Anmutung mit offenem Kamin, offener Kücheninsel und bodenhohen Regalelementen aus dunklem Holz. Besonders einladend zum Relaxen, Austauschen oder Arbeiten: Die großzügigen Sofa- und Sitzinseln mit Arbeitsnischen zum Coworken inklusive Flat TV, Wifi, Hubs und allen erforderlichen technischen Anschlüssen.

Der Livingroom im Eingangsbereich wird damit zum Statement der Hotelphilosophie. Und vor allem auch für die Menschen, die dort arbeiten: Das gesamte Soulmade-Team hat den Anspruch, seinen Gästen in der Zeit ihres Aufenthaltes ein „Zuhause-Gefühl“ zu vermitteln und wahrhaftige Hosts, sprich Gastgeber, mit Freude und aus Überzeugung zu sein. Die Soulmade Hosts begegnen dem Besucher auf Augenhöhe und individuell, hat doch jeder Mensch seine eigene (Reise)-Geschichte, sein eigenes Wohlfühl-Barometer und seine eigene, bevorzugte Ansprache-Ebene. Aufgeschlossen und authentisch: So will man dem Gast im Soulmade begegnen. Dies spiegelt sich auch in der Hotelarchitektur wider: Im Living Room gibt es keine Wände, keine künstlichen Blicktrenner. Hier laufen die verschiedenen Bereiche Check-in, Bar, Küche und Cocooning fließend ineinander über. Das Grundmaterial des Hauses, Holz, findet auch in den Einrichtungsgegenständen und vielen kleinen Details in Kombination mit natürlichen Materialien Verwendung. Das Interior ist lässig, entspannt, großzügig und modern. Sanfte Farben treffen auf coole, aber bequeme Möbel. Jede Menge Kerzen, ein Kamin sowie unterschiedliche Lichtinseln laden zum Rückzug oder zu Besprechungen ein. Gesammelte Objekte aus unterschiedlichen Jahrzehnten und aus aller Herren Länder zieren die hohen Bücherregale und schaffen ein heimeliges Ambiente: Vintage-Schreibmaschinen, Apothekergläser, Brettspiele, Sanduhren und weitgereiste Koffer stehen Seite an Seite neben den vielen Büchern, die zum Lesen einladen.

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit

Im Soulmade ist der Wunsch beherbergt, sich als Gast in einem Umfeld wiederzufinden, welches über den klassischen Hotel-Aufenthaltsraum hinausgeht und ein Stück weit zum Lebensraum wird. Ein Raum, der den Gästen die Möglichkeit gibt, so zu leben und sich so zu bewegen, wie sie es von zuhause kennen: ungezwungen, natürlich. Ein Raum, der sich unaufgeregt anbietet und nachhaltige wie urbane Elemente vereint – ein Gedanke, der bereits im Werdegang von Konzept-Entwickler und Inhaber Thomas Schlereth begründet liegt. Schon als Kind öfter und lieber draußen als drinnen, lebt und schätzt er von jeher die Natur und hat sich immer mit nachhaltigen Bauweisen beschäftigt. Sein erster Entwurf während seines Architektur-Studiums: ein Haus für einen Philosophen und dessen Lebensgefährtin. Das Ergebnis: ein Baumhaus! Bis heute war und blieb das Naturprodukt Holz Thomas Schlereths Lieblingsmaterial. Nachhaltigkeit und Achtsamkeit sind heute gern benutzte Begriffe. Doch was bedeuten sie genau? Für Thomas Schlereth bedingen sie sich gegenseitig: „Nachhaltig kann nur leben und sein, wer achtsam ist. Und wenn man achtsam lebt, zieht das ein hohes Maß an Nachhaltigkeit nach sich.“ Für sein Hotel bedeutet das, dass dem Bau, der Herkunft der Materialien und ihrer Verwendung bis hin zum kleinsten Detail unendlich viel Aufmerksamkeit und Hingabe geschenkt wurde, um den Gästen das höchstmögliche Maß des „Zuhause-Gefühls“ zu bieten. In den Zimmern aus Holz, die in die beiden Kategorien Einzel Business und Junior Suite mit je voll ausgestatteter Kitchenette aufgeteilt sind, finden sich Betten aus Eschenholz mit atmungsaktiven Naturmatratzen für erholsamen und gesunden Schlaf. Die Einrichtung in Naturtönen ist zurückhaltend, aber urban. Bodentiefe Fenster lassen die Grenzen von innen nach außen verschwinden. Die Wände geben angenehmen Holzduft ab, hochwertige Natur-Materialien finden sich überall im Raum: Einseitig angebrachte Strohtapeten sorgen für ein heimeliges Raumklima.

Heimatliches für die Seele

Zum Soulmade-Erlebnis zählen auch Bereiche wie der hauseigene Barefoot Pocket Park: eine kleine Parkanlage mit Baum- und Strauch-Inseln samt Sitzgelegenheiten und Fußwegen voller unterschiedlich großer, runder Isar-Kiesel, die geradezu zum „Schuheaus und Barfuß laufen“ einladen und dem Besucher eine natürliche Reflexzonen-Fußmassage bieten. Oder EMMA – der hauseigene Store, der auf übersichtlichem Raum alles anbietet, was man auf Reisen und längeren Aufenthalten in einer fremden Stadt so braucht: von der vergessenen Zahnbürste aus Bambus über Lebensmittel, Getränke und kleine Leckereien von überwiegend regionalen Manufakturen und Produzenten bis hin zum Radiergummi und Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Dazu zählen auch raffinierte „Gadgets“ wie die automatisch angehenden Nachtlichter, sobald der Besucher mit seinen Füßen den Boden berührt, der Ambilight TV, der nachweislich die Augen entspannt, und die kleine French Press, die in der Küche neben frischen Kaffeebohnen und der Kaffeemühle steht und dem Gast die Möglichkeit gibt, morgens seinen (Direct-Trade)-Kaffee per Hand selbst zuzubereiten. Wer seinen Morgen-Kaffee, seinen Nachmittags-Tee oder den Feierabend-Drink lieber in Gesellschaft zu sich nimmt, auf den wartet der Living Room, gerade auch abends das Zentrum des Geschehens. Freunde oder Kollegen treffen, die Coworking-Bereiche für ein letztes Update nutzen, einen Drink an der runden Inside-out-Bar genießen oder mit dem Cooking Concierge des Hotels gemeinsam auf eine kulinarische Reise gehen. Zweimal pro Woche bringt der Koch frei nach Gusto, Saison und Angebot frische Lebensmittel vom Markt und ist dann die nächsten Stunden an der Kücheninsel anzutreffen und für jedermann ansprechbar: Ob man als Gast nun mit ihm kochen, von ihm lernen, ihn nach Rezepten oder Küchengeheimnissen fragen, nur daneben sitzen, ein bisschen plaudern oder schlicht essen möchte. Jeder ist willkommen, sich dazuzugesellen und nach Belieben zu verweilen. In einem Satz: frei der Seele nach! |

 



Im Gespräch: Soulmade-Entwickler Thomas Schlereth über sein Hotelkonzept


Hotel+Technik: Wie würden Sie die Kernwerte des Soulmade-Hotelkonzepts beschreiben?

Thomas Schlereth: „Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und Sinnlichkeit im Verständnis von ‚mit allen Sinnen’ sind die Säulen, die dieses Projekt tragen. Diese Komponenten waren von Beginn an der rote Faden in dem Entwicklungsprozess und Zusammenspiel von Bau und Operative. Das Soulmade sollte rundum sinnvoll sein. Sehen, spüren, riechen, berühren, ein Appell an die Sinne!


Wie haben Sie es geschafft, die Kernwerte im Hotel zu realisieren?

Gemeinsam mit meinem Team habe ich viel Zeit damit zugebracht, für und an das Wohlgefühl von Menschen zu denken, und wie wir eine Form des ‚Zuhause-Gefühls‘ erlebbar darstellen können. Dafür habe ich gedanklich zunächst alles zusammengetragen, was mir selbst gut tut. Viele dieser Elemente haben wir dann hier eingebracht. Ein weiteres, mir persönlich wichtiges Anliegen, war die Holzbauweise des Soulmade. Holz lebt, duftet, arbeitet in sich und ist ein nachwachsender Rohstoff. Das Wissen, dass unser Haus nachwächst, ist für mich das finale Puzzlestück, das unser Haus so besonders macht.


Sie haben mit dem Soulmade ein Business-Hotel gegründet und dennoch das Miteinander im Fokus. Wie gelingt das?

Unser Konzept geht weit darüber hinaus, was die klassische Businesshotellerie bietet. Im Zentrum stand für uns die Frage, welche Nähe man in einem Business-Hotel zwischen den Menschen haben und zulassen möchte. Mir ging es darum, die konventionelle Unterscheidung im menschlichen Umgang zwischen Gast und Mitarbeiter neu zu definieren, die Distanzen zu relativieren. Respektvoll im Umgang miteinander zu sein, dabei aber eine freundliche Nähe aufzubauen, im gelebten Sinne in einer Gemeinschaft zu sein, die jedem, der sich bei uns aufhält, das Gefühl vermittelt, kein Fremder zu sein, sondern Teil einer Gemeinschaft aus Gastgeber, Gast und Nachbarschaft.


Wie wichtig ist der Faktor Mitarbeiter bei dieser neuen Herangehensweise?

Elementar wichtig, darum haben wir auch in diesem Feld aus Überzeugung eine etwas andere Definition: bei uns kommt der Mitarbeiter eher dem Bild des Gastgebers gleich. Jeder, der bei uns im Team ist – und zwar ohne Unterscheidung der Tätigkeit – empfängt unsere Gäste quasi wie in seinen privaten Räumlichkeiten: Gelöst authentisch! Die Rolle des gesamten Teams im Bezug auf die Gäste besteht darin, ihnen ein Gemeinschaftsgefühl zu geben und dabei natürlich auch die klassischen Aufgaben eines Gastgebers zu erfüllen.

 


Was bedeutet das für die Hotelarchitektur?

Ich hatte von Anfang an den Wunsch, dass Gast und Gastgeber nebeneinander stattfinden, dass wir das traditionelle Gefüge ein Stück weit aufbrechen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Architektur unserer Räume entstanden. Wir haben die üblichen Barrieren im Bereich der klassischen Lobby aufgehoben und dies konsequent bis in unseren Living Room fortgeführt. Des Weiteren haben wir im gesamten Haus inklusive der Zimmer bewusst nicht versucht, mit großen Gesten die Aufmerksamkeit auf gewisse Bereiche zu ziehen. Die Intention war, möglichst zurückhaltend zu sein, farblich leise und im Hintergrund zu bleiben und jedem Gast die Möglichkeit zu geben, sich in seine vier Wände zu begeben und einfach loszulassen. Man könnte durchaus sagen, wir haben versucht, den Wellness-Gedanken des Entschleunigens erstmalig in ein Business-Hotel zu bringen. Ganz nach dem Motto: Zuhause, nur woanders!

 

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