The Dude BerlinZuhause beim Dude

Mit dem Berliner Boutiquehotel The Dude hat der ehemalige Agenturchef Alexander SchmidtVogel einen Ort geschaffen, an dem die klassische Hotellerie neu definiert werden soll. Die Atmosphäre ist nicht nur äußerst privat, auch branchenübliche Standards werden bewusst außer Acht gelassen

Man muss klingeln, ansonsten lässt einen der »Dude« nicht herein. Der »Dude«, das ist der 63-jährige Alexander SchmidtVogel. Dieser könnte sich eigentlich einen äußerst kommoden Ruhestand gönnen, schließlich hat er nach 34 Jahren in der Werbung – er gründete die Medienagentur Mediacom und baute die Firma weltweit aus – seine Schäfchen längst im Trockenen. Stattdessen trennt er sich von dem Bindestrich im Namen, kauft den Luisenhof, ein piefiges Hotel in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude von 1822, baut es ein Jahr lang nach seinen persönlichen Vorstellungen um und schlüpft in die Rolle des Hoteliers. Besser gesagt in die eines Gastgebers. ­»Dude, das bedeutet Typ, Boss, Gentleman. Und wer beim und im ­Dude wohnt, der wohnt sozusagen wie bei mir zuhause«, erklärt Andreas SchmidtVogel seine unorthodoxe Philosophie. »Ich bin jahrzehntelang gereist und habe in Fünf-Sterne-Hotels übernachtet, aber viele Häuser waren mir zu uniform und unpersönlich«, so der Wahl-Berliner. Nun soll sein 27-Zimmer-Hotel das Gegenteil sein: eine individuelle wie kompromisslose Adresse – »Character & Attitude« ist über der kleinen Rezeption, neben der auch SchmidtVogels Arbeitstisch steht, zu lesen.

Auf die Zimmerpreise – von 160 Euro fürs Junior-Single bis zum Senior-Double für 220 Euro und der Suite für 320 Euro –, gibt es keine Rabatte, gebucht werden kann ausschließlich über die hoteleigene Homepage oder telefonisch. »Unsere Gäste müssen es sich leisten können und wollen«, sagt der »Dude«. Branchenübliche Kennzahlen seien im »The Dude« kein Kriterium, betont Geschäftsführerin Britta Bettendorf. Natürlich arbeite man betriebswirtschaftlich; die Investitionssumme von fünf Millionen Euro ist keiner Bank geschuldet. »Eine Zeit lang können wir es uns leisten, auch nur einen Gast am Tag zu empfangen«, so die 33-Jährige. Was allerdings schade wäre, denn das Hotel versprüht das Flair eines Privathauses von dem Moment an, indem sich die Eingangstür öffnet – und man ein kleines Schmuckstück betritt: Im Entree lugen halbe Koffer aus der Wand und die fünf Etagen werden durch ein rundlaufendes, aufwendig verarbeitetes Treppenhaus verbunden. In den mit Thermo-Eichenholz-Böden ausgelegten Zimmern wird Alt mit Neu gemixt: Große Messingbetten treffen auf kleine Biedermeier-Schreib­tische, auf eine transparente Kunststoffstühle von Kartell und auf Flatscreens; WLAN gibt es im ganzen Haus.

Die rund 100 kleinen Wandlampen hat SchmidtVogel von zwei älteren Lampenmacherinnen in Venedig produzieren lassen. Auch bei der Auswahl der 15 Mitarbeiter für das Vier-Sterne-Hotel beschritt er ungewöhnliche Wege: Statt Zeugnissen von Hotelfachschulen war die Persönlichkeit entscheidend – so kommt es, dass an der Rezeption ein italienischer Romanautor arbeitet. Weil SchmidtVogel sich auch jahrelang über schlechten Roomservice geärgert hat, frühstücken seine Gäste im convenience-freien »Deli« des Hauses. Am Abend steht ihnen der »Brooklyn Beef Club« offen, der sich mit seiner Kompromisslosigkeit, nur Steaks aus hochpreisigem US-Black Angus Rind zu servieren, bereits in die kulinarische Top-Liga katapultiert hat.

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