Round Tabel: Experten diskutierenZimmerdesign der Zukunft

Der Wohlfühlfaktor spielt für Kai Hollmann eine zunehmend wichtige Rolle bei seinen Hotelprojekten. Dazu gehören warme Farben sowie komfortable und großzügige Bäder. Gegen den Trend zu fenstergroßen Flatscreen-TVs als zentrales Dekorationselement werden die Fern- seher in seinen Hotels wieder ­kleiner und auf ihren eigentlichen Zweck reduziert. Als Technikgegner betrachtet er sich deshalb aber keineswegs. »Dort, wo Technik im Hotel sinnvoll ist, soll sie auch eingesetzt werden.« Doch in den Zimmern sollte man sie mit Bedacht installieren, nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Elektrosmogs. Es gäbe zwar Möglichkeiten, Elektrosmog mit baulichen Maßnahmen einzudämmen, leider fielen diese jedoch meist dem hohen Kostenaufwand zum Opfer, erläutert Corinna Kretschmar-Joehnk.

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Beim Thema Nachhaltigkeit sind sich alle Experten einig: Ressourcenschutz ist keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern existenziell wichtige Aufgabe für alle Branchen. Was in Sachen Energieeffizienz und -sparen heute schon möglich ist, erläutert Kai Hollmann am Beispiel seines jüngsten Hotelprojekts, das am Züricher Hauptbahnhof entsteht und 2015 an den Start gehen soll. Dort werden beispielsweise die Zimmerbäder an der Gebäude-Außenwand platziert, um Regenwasser für die Toilettenspülung leichter nutzen zu können. Eine zweite Haut zwischen Außenwand und Gebäude macht die Installation einer energie-intensiven Klimaanlage überflüssig und ein Zählwerk an der Dusche führt dem Gast vor Augen, wieviel Wasser er gerade verbraucht. »Alles Maßnahmen, die realisierbar sind und in einer vernünftigen Relation zum Investment stehen«, berichtet Hollmann.

»Wie sieht Ihr ganz persönliches Wohlfühlhotel der Zukunft aus?«, so die Abschlussfrage von Carsten Hennig, der die Gesprächsrunde gemeinsam mit Thomas Karsch moderierte. Die Antworten kommen weit zögerlicher als erwartet. »Hotels müssen persönlicher werden«, wirft Corinna Kretschmar-Joehnk ein, »also exakt das Gegenteil von ›Future Hotel‹.« Für Claudia Johannsen sind die Wohlfühlfaktoren von heute auch jene von morgen. Kai Hollmann fühlt sich in eher kleineren Hotels wohl, die Wärme ausstrahlen, möchte allerdings technische Errungenschaften nicht missen.

Zudem soll der regionale Bezug zur Umgebung spür- und erlebbar sein. Eine weiter zunehmende Spezialisierung der Hotellerie auf bestimmte Gästezielgruppen erachtet Thomas Karsch als maßgeblichen Erfolgs- und Wohlfühlfaktor: »Nur wer seine Gäste genau kennt, weiß, welche Wünsche und Bedürfnisse sie haben – eine entscheidende Voraussetzung, um sein Hotelangebot zu perfektionieren.« Hotels, die nach dem Bauchladen-Prinzip arbeiten – ein bisschen Geschäftsreise, ein paar Familienfeiern, Tagung und Wellness in einem – werden es nach Meinung des Tophotel-Chefredakteurs zunehmend schwerer haben.

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