WildWild around the world

Globalisierung und schnelle Transportwege sorgen dafür, dass nahezu alle Produkte überall und jederzeit erhältlich sind – auch Wildfleisch. So gelangen mittlerweile Exoten wie Känguru aus Australien, Springbock aus Südafrika oder Hirsch aus Neuseeland auf die Speisenkarte.

Anzeige

Herbstsaison ist Wildsaison. Doch was ist eigentlich Wild? In Deutschland kommen einem zuerst Wildschwein, Ente oder Reh in den Sinn. Begibt man sich jedoch etwa 9000 Kilometer weiter südlich nach Südafrika, stehen dort unter Wild Strauß, Springbock oder Zebra auf der Karte. Rund 14.500 Kilometer weiter – in Australien – wird Emu, Krokodil oder Känguru serviert. Längst sind diese Exoten auch in den Spezialitätenrestaurants Deutschlands angekommen. Doch wie steht es bei den Hotelgästen um die Gunst dieses Fleisches? In den Adina Apartements Hotels sind Strauß und Känguru mittlerweile wieder von der Karte verschwunden. Trotz des anfänglichen Wow-Effekts – hier gab es Känguru- und Strauß-Burger – gingen die Gäste letztendlich doch auf Nummer sicher und entschieden sich oft für hierzulande bekanntere Fleischsorten. Häufig musste das Fleisch der Exoten entsorgt werden. Heute ist es nur noch auf Anfrage für Veranstaltungen oder zu besonderen Anlässen erhältlich. 

Doch dass Hase und Hirsch vom Jäger aus der Region kommen, ist inzwischen nicht mehr selbstverständlich. Zwar liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Wildfleisch in Deutschland unter einem Kilo – Tendenz kontinuierlich steigend –, dennoch kann der Bedarf nur zu rund 60 Prozent aus heimischem Fleisch gedeckt werden. Der Rest wird importiert: Hase und Kaninchen aus Argentinien, Hirsch aus Polen, Spanien, Österreich und Belgien. Das Gros stammt allerdings vom anderen Ende der Welt: aus Neuseeland, dem Hauptexporteur von Rotwild. Dessen größter Abnehmer ist mit 34 Prozent Deutschland, gefolgt von Belgien (11%), den Niederlanden (11%), USA (9%) und der Schweiz (9%).* 

Für den Export gezüchtet

Das Kuriose dabei: Der Hirsch ist dort gar nicht heimisch. Rotwild wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Jagdvergnügen der britischen Einwanderer eingeführt. Ohne natürliche Feinde und durch ideale Lebensbedingungen entwickelten sich die Hirsche zur Plage – bis in den 1970er-Jahren die Idee entstand, die Tiere für den Export zu züchten. Heute kommen auf etwa vier Millionen Menschen gut eine Million Dam-, Rot- und nordamerikanische Hirsche (Wapiti), die auf weitläufigen Arealen leben. Die Tiere – für den Export vor allem Rothirsche – werden inzwischen nicht mehr gejagt, sondern vor Ort geschlachtet und treten dann im kalten Vakuum verpackt per Containerschiff ihre Reise aus dem gut 18.000 Kilometer entfernten Neuseeland an. Über Hamburg und verschiedene Großhändler gelangt das Fleisch zum Kunden.

 

 

 

* Industry exports by destination 2012/2013 Deer Industry New Zealand, www.deernz.org

Anzeige