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Wie agieren in der Wintersaison 2020/21?So können Gastgeber Regeln aus der Entscheidungstheorie für sich nutzen

Deutschland hat ihn, und auch in Österreich gilt er wieder: der Lockdown. Hoteliers und Gastwirte stehen vor schweren Entscheidungen für die Wintersaison, vor allem auch ob der sich stetig ändernden Verordnungen. In der aktuellen Situation können Regeln aus der Entscheidungstheorie nützlich sein, wie Werner Taurer, Managing Partner des Beratungsunternehmens Kohl & Partner, erklärt. Zudem hat er eine Matrix erstellt, an welcher Gastgeber sich orientieren können.

Werner Taurer ist Managing Partner des Beratungsunternehmens Kohl & Partner. Die Firma hat ihren Schwerpunkt im alpinen Raum und mehr als 35 Jahre Erfahrung. Das Tourismusberatungsunternehmen mit Hauptsitz in Villach (Österreich) ist spezialisiert auf die Hotel- und Tourismuswirtschaft und verfügt aktuell über ein Netzwerk aus sieben Büros in vier Ländern sowie ein Berater-Team von über 40 Experten. (Foto: Kohl & Partner)

Unter Covid-19 Rahmenbedingungen zu planen, bedeutet unter Unsicherheit oder Ungewissheit zu planen. Obwohl sich die Hoteliers und Gastronomen in den letzten Monaten unglaublich flexibel auf die sich immer wieder ändernden Bedingungen eingestellt haben und nachweislich nur weniger als vier Prozent der Corona-Infektionen in Hotels und Restaurants passiert sind, müssen diese Betriebe nun im neuerlichen Lockdown wieder schließen. Eine wahre Achterbahn der Gefühle, aber auch der Planungen dieser Unternehmer. Trotzdem müssen sie ebenso wie Bergbahnen, Skiverleiher und andere Tourismusunternehmer in Österreich und Deutschland die Wintersaison vorbereiten und Entscheidungen fällen: Wann sollen wir den Betrieb öffnen? Wie viele Mitarbeiter wann einstellen? Wie viele Waren auf Lager legen? Noch intensiver werben oder abwarten? Die nagende Ungewissheit, die ständig wechselnden Verordnungen und
Rahmenbedingungen belasten psychisch und wirtschaftlich.


Fünf Regeln als Entscheidungshilfen

Auf der Suche nach Anhaltspunkten für die Entscheidungsfindung können Regeln aus der Entscheidungstheorie für Entscheidungen unter Unsicherheit helfen. Nachstehend die fünf bedeutendsten kurzgefasst:
Minimax-Regel: Vergleich der schlechtest möglichen Ergebnisse. Das am wenigsten
schlechte Ergebnis wird gewählt.
Maximax-Regel: Vergleich der bestmöglichen Ergebnisse von Handlungsalternativen, das beste Ergebnis wird gewählt.
Kalkulation mit dem „Optimismus-Faktor“ (abhängig von der Grundeinstellung des
Unternehmers) – schlechtestes und bestes Ergebnis werden nochmals auf Basis der
Einstellung des Unternehmers abgewogen.
Entscheidung für den größtmöglichen Nutzen – unabhängig von den
Eintrittswahrscheinlichkeiten der Szenarien.
Betrachtung von Opportunitätskosten beziehungsweise des möglichen Verlustes statt des Nutzens. Die Möglichkeit mit dem geringstmöglichen Verlust wird gewählt.

Mögliche Handlungsalternativen werden in einer Matrix möglichen Umweltzuständen beziehungsweise Szenarien gegenübergestellt und nach diesen Entscheidungsregeln durchgedacht. Dieses Raster kann helfen, die Für und Wider für bestimmte Lösungsansätze strukturiert durchzuarbeiten und abzuwägen – idealerweise mit Führungskräften aus dem Betrieb und externen Beratern.


Die Matrix kann bei der Entscheidungsfindung helfen. (Quelle: Kohl & Partner)

Für alle Fälle gilt, dass die im Sommer erprobten Hygiene-Maßnahmen auch im Winter angewendet und noch weiter optimiert werden.

Empfehlungen zur Vorbereitung auf den kommenden Winter

Die nachfolgenden sieben Empfehlungen zur Vorbereitung auf den Winter 2020/21 gehen von bleibender Unsicherheit in den kommenden Tagen und Wochen aus:
1. In jedem Fall muss der Rechenstift in die Hand genommen und eine Break-Even-Rechnung beziehungsweise Berechnung der für eine Öffnung erforderlichen Mindestgästezahlen auf Basis der angenommenen Szenarien durchgeführt werden. Das heißt, für jedes Szenario sollte idealerweise eine Vorschaurechnung, zumindest aber eine grobe Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen erstellt werden.
2. Investitionspläne nochmals prüfen – nicht alle Investitionen aufschieben, die
Investitionsprämien nutzen, wenn dies die Vorschaurechnungen zulassen.
3. Liquidität sichern – mit der Hausbank und Förderstellen auf Basis des Budgets oder der Vorschaurechnungen einen Liquiditätsplan erstellen und entsprechende Vereinbarungen
treffen.
4. Professionelle, proaktive Krisenkommunikation unterbindet Spekulationen und strahlt Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit Covid-19 aus. Daher mit Mitarbeitern, Partnern, Lieferanten und Gästen klar und zeitnah kommunizieren. Kontakt halten ist wichtig in Krisenzeiten!
5. Stamm-Mitarbeiter in Entscheidungen einbinden und über Kurzarbeitsregelungen
binden.
6. Keinesfalls die Preise senken.
7. Flexible und großzügige Stornovereinbarungen.


 

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