Wellness, MICE, Bars Dehoga Bayern kritisiert fehlende Eröffnungsperspektiven scharf

Dass Kinos in Bayern ab dem 15. Juni wieder eröffnet werden dürfen, Tagungshotels aber nicht, hat Angela Inselkammer gestern deutlich kritisiert. Gleiches gilt für die abwartende Haltung der Regierung zur Öffnung von Saunen und Wellnessbereichen oder dem fehlenden Timing zum Hotel-Restart an Pfingsten, der zahlreiche Stornos nach nich zog.

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Nach der Wiedereröffnung der Außengastronomie sowie der Speiselokale fällt die Bilanz der Wirte erschreckend aus. 83,2 Prozent der bayerischen Betriebe geben an, dass ein wirtschaftliches Handeln unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen nicht möglich ist. Ein ganz ähnliches Bild zeichnet sich für die gesamtdeutsche Gastronomie, wie der Dehoga Bundesverband gestern mitteilte (Tophotel berichtete).

„Die Lage ist dramatisch“, erklärt Dehoha Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer die Umfrageergebnisse. „In diesem Zusammenhang wäre zum Beispiel eine zeitlich frühere Angleichung der Öffnungszeiten der Außen- an die Innengastronomie sehr wichtig gewesen. Warum das jetzt erst am Dienstag nach Pfingsten möglich sein soll, erschließt sich mir nicht. Wichtig wäre auch, Hochzeiten oder Trauerfeiern wieder zu ermöglichen. Wenn Abstandsregeln und Hygienekonzepte eingehalten werden, macht es doch für ein Virus keinen Unterschied, ob sich Gäste kennen oder nicht.“

„Mir kann kein Mensch glaubhaft erklären, dass eine Anreise am Vorabend gegenüber Samstagmorgen das Infektionsrisiko in irgendeiner Art und Weise erhöht hätte“
Angela Inselkammer

Auch der Blick auf die anstehende Öffnung der Hotellerie zum Pfingstsamstag lässt keine Freude aufkommen: In 69,6 Prozent aller Beherbergungsbetriebe kam es allein aufgrund der Tatsache, dass eine Anreise nicht bereits am Freitagabend möglich ist, zu Gästeabsagen. „Mir kann kein Mensch glaubhaft erklären, dass eine Anreise am Vorabend gegenüber Samstagmorgen das Infektionsrisiko in irgendeiner Art und Weise erhöht hätte“, so Inselkammer, „der wirtschaftliche Schaden, der daraus entstanden ist, ist hingegen enorm.“

Auch dass man, wie heute in der Pressekonferenz im Nachgang zur Kabinettssitzung verkündet, erst einmal die Erfahrungen anderer Länder hinsichtlich der Öffnung von Saunen und Wellnessbereichen abwarten wolle, hat konkrete wirtschaftliche Auswirkungen. So gab über ein Viertel aller Beherbergungsbetriebe (25,4 Prozent) an, dass das fehlende Wellnessangebot zu Gästeabsagen geführt habe.

Keine Tagungen in Hotels: „Das verstößt für mich gegen den Gleichheitsgrundsatz.”

„Für mich in keinster Weise nachvollziehbar ist es, dass nach wie vor keine Tagungen in Hotels stattfinden dürfen“, so die DEHOGA Bayern-Präsidentin: „Das verstößt für mich gegen den Gleichheitsgrundsatz. Ein Virus macht doch keinen Unterschied zwischen Tagungen in Bildungseinrichtungen, in denen dies bereits erlaubt ist, und Hotels mit Tagungsräumen. Wenn eine Live-Kabinettssitzung möglich ist, muss doch auch eine Tagung im Hotel möglich sein. Wenn es nunmehr sogar ab 15. Juni Kinos wieder gestattet wird, zu öffnen, warum soll es dann Tagungshotels mit speziellen Hygienekonzepten und unter Einhaltung von Mindestabständen weiterhin verwehrt werden, wieder an den Start zu gehen?“ Dass es sich hierbei nicht um ein Nischensegment handelt, zeigt die Umfrage: 39,4 Prozent aller Hoteliers haben aufgrund dieser Beschränkungen Stornierungen.

„Wir waren lange geduldig und tragen viele Entscheidungen, die unsere Existenz bedrohen mit, solange die Maßnahmen nachvollziehbar sind. Ich kann in diesem Punkt jedoch keine Antwort geben, wo ein Unterschied liegen soll“, so Inselkammer. Ähnlich dramatisch wie in der Gastronomie stellt sich die Buchungslage in der Hotellerie dar. So liegen die Buchungsrückgänge im Juni bei 66 Prozent unter den Werten des Vorjahresmonats, im August sind es 62 Prozent weniger und im September 60 Prozent.

Gleichheitsgrundsatz darf nicht verletzt werden

Inselkammers Fazit: „Die Branche steht erst am Anfang eines langen Überlebenskampfes. Bei derart niedrigen Umsätzen bei erheblich gestiegenen Kosten für Corona-Auflagen und Kredittilgungen wird es ohne weitere staatliche Hilfen sowie möglichst flexible Anpassungen, wann immer es irgendwie möglich ist, nicht gehen. Es darf keine nicht nachvollziehbaren Entscheidungen geben, bei denen der Gleichheitsgrundsatz verletzt wird oder das Infektionsrisiko in keinem Verhältnis zum entstandenen Schaden steht.“

 

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