HoteldesignWelch ein Spektakel

Die 25hours Hotels sind in Wien angekommen und sorgen getreu dem eigens gewählten Slogan »We are all mad here« für mächtig Wirbel. Durch den »Coolness-Faktor« sollen sich die Zimmerpreise deutlich über denen der Konkurrenz einpendeln.

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Beim Betreten der Lobby fällt man wegen der visuellen Überfrachtung fast rückwärts wieder aus der Tür. Was für verrückte Geister – im völlig positiven Sinne – haben hier Litfasssäule, Blasinstrumente, Fotoautomat, Turnbock, Schaukel, und vieles anderes Zeugs mehr arrangiert? Und welches Hotel begrüßt seine Gäste schon mit den Worten »Hello Stranger«? Wo sonst sitzen Geschäftsreisende und Freigeister auf ebenso plüschigen wie (scheinbar) unbeque- men Hockern einträchtig nebeneinander? Die Rede ist vom mittlerweile sechsten 25hours Hotel, das Anfang April im MuseumsQuartier der österreichischen Hauptstadt seine Pforten öffnete – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn für den Newcomer wählten die Macher um Geschäftsführer Christian Hoffmann das Thema Zirkus – mit Löwen, Akrobaten und allem was dazugehört. Schließlich sei, so Hoffmann, Wien neben London eine Wiege des Zirkus, steht aber auch für Spektakel und Feierlichkeiten – z.B. im Prater, beim Opernball oder den unzähligen Musikbühnen zu erleben. Wie bei den 25hours Hotels üblich wird diese Story im gesamten Haus – vom mit stählernen Gittern abgetrennten Kiosk in der Lobby über Zirkuskostüme, Medizinbälle und Masken in den Zimmern bis hin zum »Dachboden« – perfekt bespielt, wobei sich das Design an der Blütezeit des Zirkus Anfang des 20. Jahrhunderts orientiert und Antiquitäten aus dieser Zeit geschickt mit Memorabilien aus der Manege kombiniert.

Realisiert wurde das von funktionalen Standards losgelöste Konzept vom Augsburger Designteam Dreimeta um Interior Designer Armin Fischer. Dieser setzte in dem 184 Zimmern und 35 Suiten großen Haus individuelle Vintage-Schätze wie antike Überseekoffer, Shabby-Chic-Möbel oder Samtstoffe perfekt in Szene, aber auch Design-Unikate im Stil der 1920er- bis 1950er-Jahre sorgen für unzählige Aha-Momente. So beispielsweise in den Zimmern der Kategorie L+: Hier wurden formschöne, freistehende Badewannen auf dem privaten Balkon installiert – Outdoor-Badefeeling mit Blick über die Dächer der Donau-Metropole also, auch das ist ein Novum für Wien. Einzigartig sind zudem die eigens für das Hotel entwickelten Tapeten mit fantasievollen Zirkusmotiven von Olaf Hajek. Der Berliner Illustrator lässt Artistinnen durch die Luft wirbeln, Löwen im Käfig kräftig brüllen oder Clowns auf Zirkuspferden einen Handstand machen. Insgesamt fünf Bilder kreierte Hajek für das 25hours, die dominant hinter den Betten hervorstechen. Alle anderen Elemente des Zimmers, seien es die offenen Fächer mit Kleiderstangen oder das weiße Holz in Vintage-Optik, üben die nötige Zurückhaltung, um den bunten Tapeten nicht die Show zu stehlen.

Vorteil »Coolnessfaktor«

Zum Erfolgsrezept seiner Gruppe befragt erklärte Christoph Hoffmann im Rahmen der Eröffnung des 25hours Wien, dass ein perfektes Zusammenspiel zwischen Designer und Betreiber die Basis für ein erfolgreich operierendes Designhotel wie das 25hours Wien sei; man müsse aufeinander hören, um etwas Besonderes zu schaffen. Damit der Betrieb infolge der kurzen Investitionszyklen langfristig mit seinem Designkonzept am Markt punkten kann, werden nach Aussage des CEOs pro Jahr mindestens drei Prozent des Umsatzes entnommen und zum passenden Zeitpunkt in neue Ausstattung reinvestiert.
Während die Zimmerpreise der deutschen 25hours Hotels im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 100 Euro lagen (Auslastung: 80 %), beginnen die Raten in Wien bei 130 Euro, die »Direktoren-Suite« schlägt mit 170 Euro zu Buche. Bruno Marti, Head of Brand and Communications, erklärte kürzlich im Interview mit der Fachzeitschrift »Werben&Verkaufen«, dass Designhotels wie die 25hours Hotels durch den sogenannten »Coolness-Faktor« generell acht bis 15 Prozent mehr beim Zimmerpreis verlangen können. Voraussetzung dafür sei »Empathie, Überraschung, Erlebnis, Storys und ein Schuss Coolness mit dem Brand«, so Marti.

 

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