Wein-Tipp Château FerrandeWeißer Bordelaiser

Tophotel-Autor Rudolf Knoll stellt in dieser Ausgabe wieder einen für die Gastronomie überaus interessanten Wein vor, der durch sein sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis überzeugt.

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Bei Bordeauxwein denkt man – wenn es sich nicht gerade um edelsüßen weißen oder goldfarbenen Sauternes handelt – fast automatisch an Rotwein, und hier wieder­um seit einigen Jahren an sünd- teure Gewächse, die schon als Jungweine eine stattliche dreistellige Summe pro Flasche kosten können. Übersehen wird, dass es durch- aus auch roten Bordeaux mit vernünftigem Preis-Wert-Verhältnis gibt und die hohen Preise nur von einigen Dutzend Betrieben verlangt werden, welche in der Rangordnung sehr weit oben stehen. Darüber hinaus gibt es auch spannende Weißweine. Zwar weniger in der Region Entre-deux-mers, dem vielleicht bekanntes­ten Weißweingebiet des Bordelais, doch im Anbaugebiet Graves erzeugen eine Reihe von Gütern vielschichtige Gewächse, bevorzugt aus den Sorten Semillon und Sauvignon blanc.

Die Appellation Graves umfasst – nachdem sich die Stadt Bordeaux lange Zeit in ihre Rebfluren ausweitete – statt einst 10.000 heute nur mehr rund 3500 bestockte Hektar. Ihr Name leitet sich ab vom steinigen Boden (gravier: Kiesel), der durch die Wärmespeicherung für ein gutes Mikroklima sorgt. Das bekannteste Château des Gebietes ist zweifellos Haut-Brion. Weitere prominente Namen sind beispielsweise Smith Haut Lafitte, La Mission Haut-Brion und Olivier sowie Carbonnieux und Domaine de Chevalier – alle als Cru Classé de Graves klassifiziert.

Noch nicht ganz die höchs­ten Weihen erhalten hat Château Ferrande im Dörfchen Castres-Girondes. Aber zumindest gehört dieses Haus zur »Union des Grands Crus« mit zahlreichen erstklassigen Betrieben, welche nicht allesamt klassifiziert sind, aber auf jeden Fall zur Bordelaiser Elite gehören (auf der ProWein hat dieser Club seit Jahren im Rahmenprogramm einen eintägigen Auftritt). Ferrande gehört zur Gruppe Château & Domaines Castel. Die Familie Castel befasst sich zwar hauptsächlich mit Großhandel und Vertrieb von Wein, aber schon vor über 50 Jahren wurde ergänzend das erste Weingut erworben. Ferrande zählt seit 20 Jahren zum Besitz des »Wein-Imperiums« der Castels mit 18 Betrieben, die zusammen rund 1000 Hektar bewirtschaften. Der Rotwein des Hauses hat einen ausgezeichneten Ruf, nicht zuletzt wegen seiner maßvollen Preise. Gleiches lässt sich von der weißen Version sagen, die außerdem gutes Lagerpotenzial hat.

 

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