Hoteltest im Waldorf Astoria BerlinBlick hinters Zoofenster


 

22:41 – »Lang Bar«

 

Anzeige

Als klassische American Bar konzipiert und gestaltet, trägt die Bar ihren Namen nach Fritz Lang, dem legendären Filmregisseur, der 1927 im Berliner Ufa-Filmpalast – dem heutigen Zoo-Palast, gegenüber dem Waldorf Astoria – »Metropolis« uraufführte. Edle Hölzer und  gebürstetes Messing, ein langer Bartresen mit bordeauxroten Hockern, gedämpftes Licht. Eine gute Baratmosphäre. Am Montagabend ist hier nicht viel los. Am Tresen verbringe ich deshalb eine unterhaltsame halbe Stunde mit den Barkeepern, die sich im Wechsel um mich kümmern und ebenso kommunikativ wie kompetent auftreten. Die Barkarte ist eine Offenbarung für Cineasten und Cocktail-Liebhaber, bietet auch einen Bottle Service und eine sehr gute Auswahl an Wodka, Rum, Gin und Whisk(e)y. Meine Neugier wecken die Signature Drinks, hier insbesondere die »Guerlang Creations«, die auf Parfums der französischen Luxusmarke abgestimmt sind. Was für ein geschicktes Cross-Marketing, gibt es doch im Hotel Deutschlands einziges »Guerlain Spa«. Ich befürchte ein orientalisch-blumiges Getränk à la »Shalimar«. Doch ich darf erst einmal schnuppern, als mir die sympathische Barkeeperin, die wie ihre Kollegen leider kein Namensschild trägt, etwas vom Duft auf die Serviette sprüht. Herb-frisch-fruchtig, ich bin überrascht. »Mandarine Basilic« heißen Duft und Cocktail, und ich staune, wie nah die Barkeeper dem Duft geschmacklich kommen. Mit Grüntee-infudiertem Gin, Honig, Zitrone, Mandarinenpüree, Basilikum und Gingerbeer. Lecker. Aber was ist infudierter Gin? Einer der Barkeeper zeigt auf das Ende des Tresens, wo Beutel mit Karotten- und Ingwerstiften im Wasserbad dümpeln. 24 Stunden bei 45 Grad, lerne ich, werden die mit jeweils 3 Litern Gin aufgefüllten Beutel erhitzt, bis das Aroma vom Alkohol aufgenommen wurde. Ein bisschen schlauer und um eine Geschmackserfahrung reicher verlasse ich freundlich verabschiedet die Bar.
Wertung: ausgezeichnet

Schuhputzservice

Meine Stiefel passen nicht in den Schuhputzbeutel, also lege ich sie mitsamt ausgefülltem Kärtchen darauf vor die Tür. Am Morgen stehen sie geputzt wieder da. Das Ergebnis ist in Ordnung, aber ich würde mir wünschen, in einem Hotel irgendwann einmal wieder richtig mit Leidenschaft auf Hochglanz gewienerte Schuhe zurückzubekommen.
Wertung: gut

DI. 01/11, 09:54 – Frühstücksbuffet

»Das Frühstück hier kostet 38 Euro. Sie können aber auch gern im ›ROCA‹ à la carte frühstücken.« Fast klingt es, als ob mir die nette Dame am Pult dazu raten wollte. Dabei ist das Frühstück seinen Preis durchaus wert, jedenfalls wenn man so frühstückt wie ich. Schon am Getränkebuffet wartet ein Fest der Farben: In schönen Karaffen werden bunte Säfte angeboten, darunter ein frisch gemixter Juice of the Day, dann gibt es Eiswasser mit Minze, hausgemachten Eistee, Sekt von Schloss Vaux und eine alkohol­freie, spritzige »Träubli«-Variante. Am Tisch bekomme ich noch einen Smoothie serviert. Das Buffet im Nebenraum des »Les Solistes« scheint schier überzuborden mit allem möglichen Essbaren. Der Müsli-Fan bekommt das Bircher gleich mit Rezept serviert, dazu gibt es knackfrischen Obstsalat und Fruchtpürees, und zur riesigen Cerealienauswahl steht neben Milch in zwei Fettstufen, laktosefreier und Sojamilch auch ein griechischer Joghurt mit Honig zur Verfügung. Der klassische Frühstücker wird fündig beim üppigen Brotbuffet und einer sehr guten Auswahl an Käse, Wurst und Schinken. Diverse Salate, Fischofferten und Antipasti, Chutneys und Marmeladen – es ist wirklich (fast) alles da, was das Herz begehrt, auch köstliche Strudel aus der eigenen Patisserie und eine hauchdünne Apfeltarte. In Chafing Dishes werden Klassiker offeriert wie Rösti, provençalische Tomaten, Champignons, Rührei und leckere kleine Frittatas. Eine Frühstücks­karte listet Teespezialitäten, zusätzliche Eierspeisen, Porridge, Pfannkuchen, Waffeln und French Toast. Was das Besondere am Duroc Speck ist? Der junge Koch weiß es nicht, kommt aber mit der Nachricht aus der Küche zurück, das sei eine neue Specksorte. Dass es sich beim Duroc um eine iberische Schweinerasse handelt, wird er noch lernen. Der Raum des Gourmetrestaurants, in dem das Frühstück stattfindet, wirkt bei Tag hell und freundlich, seine Größe nicht unangenehm. Gerahmte Spiegel an der einen Wand, Backsteine und großformatige Fotos an der anderen, Holzfußboden, lila Samt­sofas, graue Halbsessel und weiß eingedeckte Tische, das macht alles einen sehr adretten Eindruck. Eine nette Dame im Kostüm holt mir eigens meine Wunschzeitung von der Rezeption, eine andere bringt mir einen Hocker für meine Tasche und bedient mich aufmerksam. Bis 10:30 Uhr gibt es offiziell Frühstück. Um 10:40 Uhr werde ich höflich gefragt, ob ich noch etwas vom Buffet nehmen möchte.
Wertung: sehr gut

Anzeige