Hoteltest im Waldorf Astoria BerlinBlick hinters Zoofenster


 

Housekeeping – Turndownservice 1

 

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Als ich ins Zimmer zurückkehre, hat der Turndownservice schon stattgefunden. Die schweren Vorhänge sind zugezogen, das Bett ist abgedeckt, die vier Zierkissen wurden im Schrank (!) verstaut. Das Bett ist an einer Seite aufgeschlagen, die Nachttischlampe brennt. Ein Vorleger liegt an dieser Seite vor dem Bett, die Badeschlappen daneben, die Frühstückskarte auf der Bettdecke. Ein Kärtchen weist darauf hin, dass ich den täglichen Bettwäschewechsel auch auf »alle drei Tage« umstellen kann. Auf der Bank am Fußende steht ein Tablett mit Utensilien für die Wäscheabgabe und fürs Schuheputzen. Im Bad liegen frische Handtücher bereit. Nettes Detail: Das Radio ist eingeschaltet, es läuft sanfte klassische Musik.
Wertung: sehr gut

20:37 – Roomservice

Angeblich als erstes Hotel bot das Waldorf Astoria New York 1930 seinen Gästen an, auf dem Zimmer zu speisen. »Mit großem Stolz führen wir im Waldorf Astoria Berlin die Tradition fort und heben das Inroom Dining Erlebnis auf ein ganz neues Niveau. Erleben Sie den True Waldorf Service!« Das habe ich vor. Aus der umfangreichen, wenngleich nicht wirklich ausgefallenen Room Service-Karte bestelle ich ein klassisches Wiener Schnitzel vom Milchkalb mit Gurkensalat, Kartoffel-Feldsalat, Preiselbeeren und Kürbiskernöl, außerdem erkundige ich mich nach der »Auswahl an Häagen Dazs Eiscreme«. »Wir haben nur noch Vanille und Schokolade«, lautet die Auskunft, und: »Schlagsahne wird extra serviert, weil die Eiscreme ja im Becher kommt.« 30 bis 40 Minuten, kündigt mir der freundliche Mensch am Telefon an, werde es schon dauern und fügt hinzu: »Aber wir werden uns beeilen!« Genau 35 Minuten später klingelt es und ein höflicher junger Mann trägt ein Tablett herein. »Darf ich es hier auf den Tisch stellen?« Er lässt sich den Beleg unterschreiben, bietet die spätere Abholung an und wünscht guten Appetit. Das Tablett ist eingedeckt mit allem, was zum korrekten Roomservice gehört: Blume, Menagen und Abräumhinweis. Wäsche und Serviette sind gestärkt, das Besteck poliert, das abgedeckte Weinglas beschlagen vom exakt temperierten Rosé. Nur die Cloche mit Griffloch hat etwas von Krankenhaus. Zum Brot gibt es hübsch dekorierte Butter und alles sieht sehr appetitlich aus. Leider ist auch die Eiscreme schon mit von der Partie und schmilzt vor sich hin. Sieht man von der homöopathischen Dosierung des Gurkensalats und der etwas faden Panade des Schnitzels ab, ist das Mahl, das mit 46 Euro zu Buche schlägt, durchaus gelungen. Unter »True Waldorf Service« hätte ich mir aber versprochen, dass das Eis separat oder der kleine Pappbecher zumindest auf Eiswürfeln serviert wird. Ach ja, die Schlagsahne fehlt auch.
Wertung: befriedigend

22:15 – Haustechniker

Der Fernseher ruckelt, das Bild bleibt stehen, der Ton gibt auf. »Ich schicke den Kollegen hoch«, sagt wissend der Mann vom Empfang. Nach zehn Minuten klopft ein Haustechniker. »Wir sind ein Luxushotel«, sagt er, »deshalb haben wir in allen Zimmern Apple-TV. Das macht zwar schon was her, aber die Dinger laufen leider ständig heiß …« Auch den TV-Bildschirm im Bad stellt der nette Mann wieder richtig ein und erzählt mir dabei Interessantes aus seinem Alltag: »Lady Gaga? Also, hübsch ist die nicht.«
Wertung: sehr gut

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