Ulf Buchert, GM im Eastern & Oriental Express Legende Orient-Express

Ulf Buchert

Würde Agatha Christie ihren »Mord im Orient-Express« heute schreiben, müsste sie eine Rolle hinzufügen: den Direktor des Luxuszuges. Das Vorbild wäre schnell gefunden: Ulf Buchert, seines Zeichens real existierender Direktor des Eastern & Oriental Express von Belmond.

 

Gemächlich rattert der fast einen halben Kilometer lange Eastern & Oriental Express von Belmond durch Thailand und Malaysia. Im Schnitt 60 Kilometer in der Stunde, das ist Reisenostalgie. Für Ulf Buchert gehört das zum Job. Wenn er nicht in seinem Büro in Bangkok agiert, arbeitet er auf Schienen – seit 23 Jahren. Der gebürtige Pfälzer gehört zu den Männern der ersten Stunde, die die Legende vom Orient-Express in Asien wiederbelebt haben.

Von der guten Küche in der Pfalz – Buchert hat vor der Ausbildung zum Hotelfachmann eine Kochlehre absolviert – ging es bald ins Ausland: zunächst für eine Wintersaison nach St. Moritz, dann nach Fernost. »Der Hoteldirektor des China Hotels in Guangzjou nahe Hongkong war bei uns zum Essen. Er fragte mich, ob ich bei ihm arbeiten wolle. Seitdem bin ich in dieser Ecke geblieben«, so der heute 52-Jährige. Im ersten Hotel arbeitete er ein Jahr als Restaurantmanager, dann ging er für ein Jahr ins The Great Wall Sheraton in Beijing, anschließend folgten mehrere Stationen in Hongkong – immer Häuser mit mehreren Hundert Zimmern. Irgendwann war es für Buchert »genug China«. »1991 ging ich dann als Executive Assistant Manager nach Bali«, erzählt er. Doch das Inselleben wurde ihm nach einer Weile zu fad. »Mitte 1992 wurde ich schließlich für die Eröffnung des Eastern & Oriental Express in Singapur engagiert. Der Zug wurde damals erst gebaut«, so Buchert. Im September 1993 fand die Jungfernfahrt von Singapur nach Bangkok statt. Heute befährt der Zug sieben unterschiedliche, drei- bis siebentägige Reiserouten. »Mein Umfeld hielt mich damals für verrückt, gab mir maximal zwei Jahre. Ehrlich gesagt, dachte ich das auch«, gesteht der heutige Director of Passenger Services.

Der Unterschied zu einem »gewöhnlichen« Hotel liege, so der Deutsche, beim mangelnden Platz. Das A und O sei die Logistik. Was vergessen wurde, fehlt die Fahrt über. Dazu erzählt Buchert gern eine Anekdote: »Ich lud Freunde zu einer Testfahrt ein, sagte, zieht euch schön an, es gibt tolles Essen. Das taten sie auch. Leider hatten wir das Toilettenpapier und Orangensaft vergessen«, so der Hotelzug-Direktor, der Improvisieren gelernt hat. In diesem Fall mit Tissuetüchern und dem Telefon: »Ich rief eine Bekannte an, die in einem Hotel nahe unseres nächsten Stopps gearbeitet hat, und sagte ihr, ich wolle auf dem Bahnhof Champagner servieren. Sie solle doch vorbeikommen, bräuchte nur Orangensaft mitzubringen…«

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