Tourismus-Zahlen in Baden-WürttembergVorsichtiger Optimismus trotz massiver Einbußen

Die Tourismus-Zahlen in Baden-Württemberg sind wegen der Corona-Krise stark gesunken, auch im Schwarzwald (Bild). Nun hofft man weiterhin auf viele inländische Touristen als Zugpferd. (Bild: Pixabay/Tama66)

Seit 2010 waren die Tourismuszahlen in Baden-Württemberg stetig gestiegen. Nun aber hat die Kurve durch die Corona-Krise einen Knick erlitten. Das Bundesland verbuchte zwischen Januar und Juni 2020 rund 5,7 Millionen oder 54 Prozent weniger Gäste als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

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Während die Zahl der ankommenden Gäste sowohl im Januar (+5,6 Prozent) als auch im Februar 2020 (+4,3 Prozent) jeweils noch deutlich über dem Vorjahresergebnis lag, waren im März (-60,4 Prozent), April (-94,0 Prozent), Mai (-85,0 Prozent) und im Juni 2020 (-52,0 Prozent) massive Einbußen zu verzeichnen.

Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamtes ging die Zahl der Übernachtungen  im ersten Halbjahr 2020 um 12,4 Millionen (48,3 Prozent) zurück. Lagen die Werte im Januar und im Februar im Vergleich zum Vorjahr noch im Plus (+3,2 Prozent beziehungsweise +6,7 Prozent), so schlug der Zeiger dann im März (-50,7 Prozent), April (-88,3 Prozent), Mai (-79,1 Prozent) und im Juni (-45,5 Prozent) stark in den negativen Bereich aus. Insgesamt wurden von Januar bis Juni 2020 rund 4,9 Millionen Ankünfte und 13,3 Millionen Übernachtungen gemeldet. Die Messlatte der Ergebnisse für denselben Zeitraum im Vorjahr lag mit 10,6 Millionen Ankünften und 25,8 Millionen Übernachtungen etwa doppelt so hoch.

Inlandstourismus als Zugpferd in der Krise

Zugpferd der ab Mai 2020 einsetzenden Erholungsprozesse ist laut dem Amt klar der Inlandstourismus: “Wie vielfach bereits vermutet und von der Branche erhofft, erhöhte sich der Marktanteil der von Gästen aus Deutschland gebuchten Übernachtungen nach dem absoluten Tiefpunkt der Tourismuskonjunktur im April 2020 deutlich und trug im weiteren Verlauf mehr zu Erholungstendenzen in der Tourismuswirtschaft bei als der Anteil ausländischer Reisender: Wurden im Vorfeld der Corona-Krise bei geringfügigen saisonalen Schwankungen durchschnittlich acht von zehn Übernachtungen von Inländern gebucht, so erhöhte sich der Inländeranteil im Verlauf der Hochphase der Pandemie deutlich und lag im Juni 2020 bei neun von zehn Übernachtungen. Die Zahl der Inländer-Übernachtungen lag im Juni 2020 ‘nur’ noch 38,0 Prozent unter dem Vorjahreswert, während der Anteil ausländischer Buchungen mit 74,9 Prozent noch deutlich stärker unter den Erwartungen blieb”, heißt es in derVeröffentlchung des Statistischen Landesamtes.

Auch was die Betriebsarten betrifft, zeigen sich in der Tourismusbilanz des ersten Halbjahres 2020 Verschiebungen: Vor allem die Gruppe der Hotels – mit dem traditionell größten Marktanteil – musste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Federn lassen: Sie kam nur noch auf einen Marktanteil von 36,2 Prozent, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Minus von 4,8 Prozentpunkten entspricht. Dem gegenüber trotzten die Vorsorge- und Rehabilitationskliniken (16,9 Prozent, +4,1 Prozentpunkte) und die Anbieter von Ferienzentren, Ferienhäusern und Ferienwohnungen (8,4 Prozent, +1,9 Prozentpunkte) der Krise und konnten in puncto Marktanteil sogar Boden gutmachen.

Ferienhäuser, Ferienwohnungen und Campingplätze erholen sich am schnellsten

Zieht man mit Stand Abschluss des Berichtsmonats Juni 2020 anhand der Übernachtungszahlen eine erste punktuelle Zwischenbilanz zum Grad des Wiederaufschließens der verschiedenen Betriebsarten auf das Vor-Krisenniveau, dann zeigt sich ein starkes Auseinanderdriften des Feldes: Während die Spitzenreiter Ferienzentren, Ferienhäuser und Ferienwohnungen und Campingplätze im Juni 2020 nur noch 15,5 Prozent beziehungsweise 17,6 Prozent unter ihrem Vorjahresergebnis im Juni 2019 blieben, war vor allem die Lage der Jugendherbergen und Hütten, der Erholungs- und Ferienheime und der Schulungsheime nach wie vor relativ prekär (-88,2 Prozent beziehungsweise -76,0 Prozent und -62,7 Prozent). Aber auch die Hotels verbuchten im Juni noch satte 54,9 Prozent weniger Übernachtungen als im selben Monat des Vorjahres.

Das regionale Bild ist in der Gesamtschau ebenfalls gezeichnet von den gravierenden Auswirkungen der Pandemie, die alle Landkreise Baden-Württembergs zeitgleich erfasst hat und für die Beherbergungsbetriebe nach wie vor eine starke Verschlechterung der Ertragslage mit sich bringt: Im ersten Halbjahr 2020 schaffte es keines der neun Reisegebiete des Landes, seine Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu halten. Die Einbußen bei den Übernachtungen betrugen landesweit 48,3 Prozent. Nach Reisegebieten zeigt sich folgende Abfolge: das Hegau (-38,3 Prozent), das Württembergische Allgäu-Oberschwaben (-41,2 Prozent), der Südliche Schwarzwald (-46,1 Prozent), das Gebiet Bodensee (-48,2 Prozent), der Nördliche Schwarzwald (-48,3 Prozent), die Schwäbische Alb (-49,5 Prozent), das Nördliche Baden-Württemberg (-49,9 Prozent), der Mittlere Schwarzwald (-50,0Prozent) und die Region Stuttgart (-51,0 Prozent).

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