Tischaufsteller »Die beste und gästefreundlichste Wirkung«

Brigitte Heller

Mit Tischaufstellern ein Stück weit die Lebensmittelverschwendung bekämpfen – das hat sich Brigitte Heller, Direktorin der beiden Hotels Monopol und Alpina in Luzern, zum Ziel gesetzt. Mittlerweile ist sie durch diese Aktion weltweit bekannt. In Interview mit Top hotel verrät sie unter anderem, wie sie auf die Idee kam und wie ihre Gäste darauf reagieren.

Tophotel: Weshalb haben Sie die Initiative gegen die Lebensmittelverschwendung am Frühstücksbuffet ergriffen?

Brigitte Heller: Seit längerer Zeit beobachte ich zunehmend, dass immer mehr Lebensmittel weggeworfen werden. Es ist meine ethisch-moralische Einstellung, dass man keine Lebensmittel verschwendet.

Tophotel: Warum haben Sie gerade Tischaufsteller gewählt und kein
anderes Kommunikationsmittel?

Brigitte Heller: Ich möchte meine Botschaft höflich und freundlich übermitteln. Man kann den Tischaufsteller lesen oder nicht. Direkte Kommunikation, wie es offenbar gewisse Hotels machen, ist für mich der falsche Weg. Wer möchte schon am frühen Morgen direkt darauf angesprochen werden … Ein diskreter Tischaufsteller zeigt die beste und gästefreundlichste Wirkung.

Tophotel: Wie haben Ihre Gäste auf die Tischaufsteller reagiert?  

Brigitte Heller: Wir hatten beim Pilotversuch eine thailändische und eine chinesiche Reisegruppe im Hotel. Der Reiseleiter der thailändischen Gruppe reagierte sehr positiv und erklärte, dass auch in vielen anderen Ländern auf die Verschwendung von Lebensmitteln hingewiesen werde. Dieser Meinung schloss sich auch die Leiterin der chinesischen Reisegruppe an und fügte hinzu, dass die Menschen wieder mal daran erinnert werden müssen. Eine Dame aus Hongkong sagte, sie sei erstaunt, dass die Schweiz erst jetzt etwas dagegen unternehme. Auch alle anderen Gäste haben sehr offen und positiv reagiert. Und tatsächlich befanden sich in der Folge deutlich weniger Reste auf den Tellern.

Tophotel: Wenn weniger Lebensmittel verschwendet werden, sparen Sie beim Wareneinkauf, oder?

Brigitte Heller: Die Kosteneinsparungen sind nur gering. Es ist nicht weniger im Angebot. Vielmehr setzt sich dieses heute anders zusammen. Es wird stärker auf asiatische Gäste ausgerichtet, die bei uns rund 35 Prozent ausmachen. Dazu gehören zusätzlich zum Beispiel laktosefreie Milch, Sojamilch oder ein Reisdrink, die jedoch um einiges teurer als herkömmliche Milch sind. Dies ist aber nötig, da 80 bis 90 Prozent der asiatischen Gäste unter einer Laktoseintoleranz leiden.

Tophotel: Welche weiteren Maßnahmen haben Sie zwischenzeitlich eingeleitet?

Brigitte Heller: Wir haben unser reichhaltiges kaltes und warmes Frühstücksbuffet überarbeitet. Unser schweizerisches-sontinentales-internationales Frühstücksbuffet wurde um asiatische Gerichte ergänzt. Denn wenn die Gäste ihre Lieblingsgerichte auf dem Frühstücksbuffet finden, gibt es ebenfalls weniger Lebensmittelreste.

Tophotel: In gewissen Ländern gibt es kulturelle Unterschiede bezüglich Anstandsresten auf den Tellern. Wie denken Sie darüber?

Brigitte Heller: Wir respektieren in unseren beiden Hotels alle Nationalitäten mit ihren Kulturen und Sitten. Wir dürfen auf der anderen Seite jedoch erwarten, dass die ausländischen Gäste ein Stück weit unsere Sitten respektieren, wie wir dies auch in fremden Ländern tun. Mit meiner Initiative möchte ich die Gäste informieren und bitten, bei der Einschränkung der Lebensmittelverschwendung mitzuhelfen. Es geht mir nicht um die Kritik und Erziehung der Gäste. Wie sie sich verhalten, entscheiden sie schlussendlich selbst.

Lesen Sie dazu auch weitere Artikel aus der Serie Lebensmittelverschwendung und erfahren Sie mehr über weitere Maßnahmen.

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