Sitzmöbel - Der Stuhl hat eine dominante RolleT(hr)on angebend

Auf der Kölner Möbelmesse IMM im kommenden Januar wird das Modell erstmals vorgestellt. Rudolf Pütz, Geschäftsführer der Vitra GmbH, teilt Grells Aussage, dass ein solcher Stuhl eher keine Armlehnen haben sollte. Außerdem müsse er nicht zwingend »hochergonomisch« sein, da es sich nicht um einen klassischen Arbeitsstuhl handelt; vielmehr sollte er den wohnlichen Charakter bewahren. Aus dem Sortiment von Vitra fällt ihm für diesen Zweck der »Eames Plastic Side Chair« ein – gern auch mit Rollen. Mit Polstern bieten diese organisch geformten Schalen einen guten Komfort und verströmen eine gemütliche Atmosphäre. Ebenfalls der »Softshell Chair« kann als »Allzweckstuhl« eingesetzt werden: Unter dem Bezug verborgene, vertikal angeordnete Lamellen in der Rückenschale passen sich dem Nutzer an und ermöglichen so bequemes Sitzen bei gleichzeitig viel Bewegungsfreiheit. Auch diesem Modell verleihen weiche Polster einen wohnlichen Charakter.

Anzeige

Grell fügt hinzu: »Das Design sollte sich harmonisch in die Gesamtumgebung einfügen, kann aber auf Wunsch auch durch die Wahl eines entsprechenden Bezugs mutige Akzente setzten. Fragen des Stils sind stets subjektiv.« Das Modell »Club« von Schnieder erfüllt diese Kriterien perfekt: Als Vollpolsterstuhl ist es überaus bequem, wirkt gleichzeitig aber elegant. Er steht zum Beispiel in den Zimmern des Atlantic Grand Hotel Bremen, wo er eine eher zurück­haltende Funktion innehat, da das gesamte Hotelzimmer modern, aber dennoch zeitlos-elegant, eingerichtet ist. »Der Stuhl ist somit eins von vielen Gestaltungselementen des Zimmers, nimmt aber ganz bewusst keine dominante Rolle ein«, erläutert Professor Grell.

Prinzipiell hat der Stuhl »starken Einfluss« als Gestaltungsmittel im Hotelzimmer, ist Vitra-Chef Pütz überzeugt. »Der Stuhl hat etwas skripturales. Er ist ein Gegenstand, der eine gesteigerte Aussage einbringen kann. Wohnlichkeit zum Beispiel. Ein Stuhl hat Charakter. Er kann verschiedene Stile einnehmen – von minimalistisch bis klassisch-modern.« Hier liege auch schon der Unterschied zu den Hotelzimmerstühlen von vor zehn Jahren: »Heute sind sie eher Designobjekte – leicht und filigran. Damals standen in den Zimmern schwere Holz- und Drehstühle.« Diese Auffasstung teilt Grell, der die »wuchtigen« Sitzmöbel von damals als Kontrast zu den heutigen Stühlen mit »leichter und eleganter Optik« sieht.

Und wer nutzt denn nun eigentlich den Sessel zum Fernsehen und Zeitunglesen? Auch hier sind sich die drei Experten einig: Businessgäste arbeiten entweder am Schreibtisch, oder sie lassen sich direkt erschöpft ins Bett sinken. – Für sie spielt die »Sessel-Funktion« also eine untergeordnete Rolle. Wellness- und Urlaubsgäste verbringen dagegen mehr Zeit im Hotelzimmer, das dann als Wohnzimmer genutzt wird. – Also auch zum Fernsehen und Lesen im Sessel.   

Anzeige