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StartBusiness & ManagementHoteltestTaschenbergpalais Kempinski Dresden:: Der Lack ist ab

Taschenbergpalais Kempinski Dresden Der Lack ist ab

09:20

Frühstücksbuffet

Der Junge muss Berliner sein. Nicht nur wegen der unverkennbaren Sprachfärbung, sondern auch wegen der typischen trockenen Chuzpe, mit der er meine Frage nach einer Brotsorte beantwortet: »Det kann ich Ihnen jrad nich saachen, sieht aus wie irjendwat mit Körner.« Wohlgemerkt, es handelt sich um ein Vollkornbrot. Die sehr gute Brotauswahl am Frühstücksbuffet ist leider im Gegensatz zum ebenfalls umfangreichen Brötchensortiment nicht beschriftet. Grundsätzlich gibt man sich mit der Beschilderung Mühe, nur häufig sind die auf einer Ablage über den Speisen deponierten Schildchen diesen nicht gut zuzuordnen. Kühlstationen, ein gekühltes rundes Buffet, Extratische, der Buffettresen – jede verfügbare Fläche im Vorraum des Restaurants Intermezzo ist für Speisen- und Getränkeofferten in Beschlag genommen, was ein unruhiges, unübersichtliches Bild ergibt. Die Auswahl ist guter Vier-Sterne-Superior-Standard, bei Fünf-Sterne-Plus für 31 Euro erwarte ich mehr, sowohl von der Auswahl her als auch die Präsentation betreffend. So ist zum Beispiel die hochwertigste Wurstware ein Schwarzwälder Schinken. Die Platten sind nicht ausgarniert und die Buffets zu späterer Frühstückstunde nicht mehr in einwandfreiem Zustand – ich sage nur: Marmeladenstation. Eine hübsche Idee ist der »Gruß aus Berchtesgaden«, der sich auf das Kempinski-Schwesterhotel bezieht und Weißwürste, Leberkäse, Brezen und Obatzda beinhaltet. Leider liegen Würste und Leberkäse wohl schon ziemlich lange im Chafing Dish, denn die Würste sind braun angelaufen und der Leberkäse wellt sich an den Ecken nach oben. Die Frühstückskarte, die ich auf meinem Tisch im Innenhof finde, offeriert zusätzliche Eierspeisen, ein Asia-Frühstück mit Dim Sum, Hühnersuppe und Frühlingsrolle sowie frisch gepressten Orangensaft. Weitere frische Saftkreationen kosten 4 Euro Aufpreis. Die Dame, die am Eingang des Restaurants meine Zimmernummer (nicht meinen Namen) abgefragt hat, hat mich zum Tisch begleitet und mir dabei ein kleines Glas Saft serviert – Erdbeer-Kirsch-Saft, nicht mein Fall und auch nicht der vieler anderer Gäste, die diese sicher nett gemeinte, aber ungewollte Geste damit beantworten, dass sie ihr Glas unberührt stehen lassen. Schade drum. Ich ordere lieber einen frischen Orangensaft und einen Milchkaffee, später trinke ich noch ein Glas Sekt. Am Buffet gibt es zudem neben den üblichen Säften Wasser, Buttermilch und Fruchtbuttermilch. Laktose- und glutenfreie Produkte kann ich nirgends entdecken – auch keinen Hinweis darauf. Mein Holztisch ist rustikal mit Tischsets eingedeckt und mit einer der hässlichsten Topfpflanzen dekoriert, die ich je gesehen habe. Dieses »Modell« steht in schlichten Tontöpfen auf allen Tischen im Innenhof und macht der Floristin des Hauses keine Ehre. Man scheint jedoch generell wenig Wert auf das Tischsetting zu legen, denn die gläsernen Pfeffer- und Salzstreuer sind schmuddelig, das Porzellan von Zuckerdose wie Milchkännchen angeschlagen. Ich probiere unter anderem einen Krabbensalat (fein), das Birchermüsli (mittelmäßig), den Obatzdn (heftig) und die originellen Aufstriche der Goethe Schokoladenmanufaktur. Das bestellte Spiegelei braucht lange, ist dann aber perfekt gebraten und wie bestellt mit Schnittlauch bestreut. Der Service agiert aufmerksam und umsichtig. Als ich mir zum Ende meiner Mahlzeit noch Obstsalat (Convenience) vom Buffet hole, springt einer der nadelgestreiften Servicekräfte heran und sagt lächelnd: »Ich glaube, ich hole Ihnen mal noch ein Besteck.«
Wertung: befriedigend

Housekeeping – Remake

Fast immer fällt die Bleiberreinigung im Hotel husch-husch aus, da meistens die Zeit drängt. Hier im Taschenbergpalais hätte ich beinahe die volle Punktzahl für das ordentlich gereinigte und aufgeräumte Zimmer vergeben. Doch ein Wasserglas trägt unappetitliche Schlieren und die Markierung am Innenrand der Toilettenschüssel ist noch vollständig vorhanden. Das gibt Punktabzug.
Wertung: gut

Öffentliche Bereiche

Ein Gang durch das Haus offenbart endlose, gleich aussehende Flure, deren Wände gut gepflegt sind, deren Teppichböden jedoch an etlichen Stellen ausdünnen und hier und da Fäden ziehen. Die Türen der Housekeeping-Offices auf den Etagen sind fast alle stark verschrammt. Wunderschön anzusehen sind die den historischen Vorbildern nachempfundenen barocken Treppenhäuser, vor deren Holzgeländer man – wohl aus Sicherheitsgründen – einen einfachen, weißlackierten Stahlrohrhandlauf montiert hat. Dieser wirkt noch unattraktiver dadurch, dass die Farbe abblättert. Im Erdgeschoss beeindrucken Lobby und öffentliche Bereiche durch die hohen Räume, luxuriösen Geschäfte und die vielen Sitzgruppen, deren Tische mit hübschen Wiesensträußchen geschmückt sind. Geht doch. Einige Teppiche und Sitzmöbel scheinen ihre beste Zeit jedoch schon hinter sich zu haben. 21 Jahre ist das Hotel alt und die Einrichtung stammt großenteils noch von 1995. Das muss bei wertvollen Möbeln und Dekorationen ja nichts Schlechtes sein. Dennoch sagt mein subjektives Empfinden, dass hier ein Makeover guttäte. Gänzlich objektiv hingegen präsentieren sich die öffentlichen Toiletten unluxuriös, fast schon heruntergekommen. Kein Blumenschmuck, keine Frotteehandtüchlein, keinerlei nette Accessoires. Stattdessen gelblich verfärbte Toilettenbrillen, abgenutzte Klobürsten, verkratzte Türklinken und abgeplatzte Farbe an den Holztüren. Zudem scheinen die Toiletten nur in großen Abständen gecheckt und gesäubert zu werden. Ich finde leere Handtuch- und Duftspender, unsaubere Böden und um 18:15 Uhr eine komplett verunreinigte Toilette, die um 22:45 Uhr – nach sage und schreibe viereinhalb Stunden – noch das gleiche unappetitliche Bild abgibt.
Wertung: mangelhaft

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