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StartBusiness & ManagementHoteltestTaschenbergpalais Kempinski Dresden:: Der Lack ist ab

Taschenbergpalais Kempinski Dresden Der Lack ist ab

SO. 22/05, 16:05

Check-in

Der Portier hat seinen Vorsprung genutzt und mich angemeldet. Am Empfang steht Frau F. Die Nette vom Telefon ist auch in Wirklichkeit die Liebenswürdigkeit in Person. In Nadelstreifen und mit rotem Halstüchlein begrüßt sie mich namentlich und erkundigt sich nach meiner Anreise. Dann überbringt sie mir die frohe Botschaft, dass es mit meinem Upgrade geklappt hat und ich nun ein schönes, ruhiges Zimmer im zweiten Stock habe. Im Nu bin ich eingecheckt. »Möchten Sie vielleicht Mitglied werden?«, fragt Frau F. mit treuherzigem Augenaufschlag. Das koste nichts, brächte mir aber eine Flasche Wasser auf dem Zimmer, freies Highspeed-WLAN und die ersten Bonuspunkte im System. Als ich dankend ablehnte, meint Frau F.: »Jetzt bin ich aber traurig« – und lächelt strahlend. Ich hingegen finde es traurig, dass ich trotz geleisteter Vorkasse und vorliegender Kreditkartennummer die Karte noch einmal zücken und mir »zur Sicherheit« 60 Euro für eventuelle Nebenkosten abbuchen lassen muss. Wollte ich die spätere Zeche prellen, wäre sie damit längst nicht gedeckt. Und irgendwie schwingt dabei ein Misstrauen gegenüber dem Gast mit. Da gerade kein Page zur Verfügung steht, bringt mich einer der Concierges aufs Zimmer.
Wertung: sehr gut

Zimmer 217

Das Upgrade hat mir ein Zimmer der »Palais-Superior-Kategorie« beschert mit »klassischer Ausstattung« (Hotel-Website). Das ist auch der richtige Ausdruck für das 4,80 Meter hohe und ca. 30 Quadratmeter große Hotelzimmer. »Klassisch« ist gleich »zeitlos« ist gleich »könnte gelegentlich eine Auffrischung gebrauchen«. Grau-beige gestreifte Vorhänge und Teppichböden, cremefarben gewischte Wände mit Stuck, Möbel in lackiertem Ulmenholz, als einziger Farbtupfer die blaurote Bettdekoration – original wie vor 21 Jahren. Der bequeme graue Sessel hat Flecken auf der Rückenlehne, die ein Kissen notdürftig verhüllt. Die Gelenke der stoffbeschirmten Messingwandlampen sind ausgeleiert, die Schirme hängen schief. Ein schwarzlackierter Schrank beherbergt die Minibar und den Flatscreen, der – damit er in den Schrank passt – nur eine Diagonale von 66 Zentimetern aufweist. Wer den in der Raumecke platzierten Schreibtisch nutzen möchte, sollte besser schlank sein – er muss sich nämlich zwischen Tischplatte und Wand zu dem dahinterstehenden Schreibtischstuhl durchzwängen. Sitzt er dann, hat er es nicht sonderlich komfortabel: Der lederbezogene Holzstuhl mit gerundeter Lehne sieht bequemer aus, als er ist. Das Schreibtischmöbel hat zwei Schubladen und verschiedene Anschlüsse, darunter zwei freie Steckdosen. WLAN ist nur in der Basisvariante kostenfrei. Wer Highspeed-WLAN benötigt, zahlt 6 Euro pro Stunde, 19 Euro pro Tag und 29 Euro für 48 Stunden. Auch das ist nicht mehr zeitgemäß. Die prall gefüllte Gästemappe beinhaltet unter anderem ein Room Comfort Menü, welches alternative Kissen sowie Zusatzartikel für Kind und Hund offeriert und auf das Spa-Angebot aufmerksam macht. Wer im eigenen Zimmer wellnessen möchte, kann wie Gräfin Cosel baden – mit Rosenblütenblättern und Champagner. Die Minibar ist umfangreich, aber bis auf eine Spezialedition deutschen Wodkas wenig originell bestückt. Als regionale Produkte sind Radeberger Bier und die Sekt-Hausmarke vertreten, die Weine stammen jedoch aus Baden-Württemberg (Trollinger) und der Pfalz (Weißburgunder). Ein echtes Manko ist die nicht vorhandene Espressomaschine / Kaffee-/Teebar. Die Schränke im Eingangsbereich zu beiden Seiten der Badezimmertür sind innen beleuchtet, aber mit erstaunlich wenig Kleiderbügeln ausgestattet (vier normale und sechs Multifunktionsbügel). Neben einem Safe in Laptopgröße beherbergt der Schrank die üblichen Utensilien und zwei Paar Badeschlappen in unterschiedlichen Größen. Die Bademäntel dazu liegen im Bad. Die Bettwäsche fühlt sich fein an, die Bettwaren sind sauber. Das Zimmer ist im Großen und Ganzen gut gereinigt, lediglich von den hoch hängenden Bildern rieselt beim Fingertest der Staub. Während der eine Telefonhörer nach Duftspray riecht, riecht der zweite nach Menschenohr. Außerdem ist der feuerfeste Papierkorb innen klebrig.
Wertung: befriedigend

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