Studie von Bulwiengesa Weniger Bautätigkeit in Deutschland

Die Baukräne werden laut der Studie in Zukunft nicht mehr so viel zu tun haben, wie bisher. (Bild: Pixabay/Analogicus)

Die Immobilienmarkt-Entwicklungen haben in Deutschland an Schwung verloren. Das zeigt die 14. Projektentwicklerstudie des Beratungs- und Analyseunternehmens Bulwiengesa, das sich mit den sieben deutschen A-Städten beschäftigt. Die Entwicklung wurde laut den Experten bereits vor der Coronakrise sichtbar.

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Die Studie 2020 zeigt: Die Projektentwicklungen von Wohnungen in den sieben A-Städten (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Köln und Stuttgart) gehen um 2,9 Prozent zurück – und das, obwohl Bestandshalter wie städtische Wohnungsunternehmen kräftig weiterbauen. Zugleich ist auch das Flächenwachstum bei Wirtschaftsimmobilien deutlich zurückgegangen. Damit deuteten bereits vor der Coronakrise alle Zeichen auf eine Stagnation hin. Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter bei Bulwiengesa: „Binnen zehn Jahren, zwischen 2010 und 2020, haben allein die klassischen Projektentwickler ihre Flächen in den sieben deutschen A-Städten um rund 30 Prozent gesteigert. Und dennoch reichte das Volumen nicht aus, die Nachfrage nach Wohnungen und Büros zu decken. Und nun stehen wir vor einer Rezession, die voraussichtlich eine tiefe Zäsur für den Projektentwicklungsmarkt sein wird.”

Hotels und Einzelhandel vor enormen Umbrüchen

Das Hotelsegment verlor demnach zum Stichtag 31.12.2019 bezüglich der Projektentwicklungsflächen an Schwung. Lediglich 70.000 Quadratmeter mehr Projektfläche als 2019 konnte am Gesamtmarkt gemessen werden. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren (mit 287.000 bzw. 513.000 Quadratmetern) wenig. Die Marktbedingungen für das Hotelsegment haben sich laut den Experten an manchen Märkten bereits 2019 eingetrübt. “Stellenweise wurde schon damals ein Überangebot befürchtet. Generell bot dieses Segment aber zum Erhebungsende auch noch der aktuellen Studie einiges an Potenzial und weckte weiterhin das Interesse sowohl bei Betreibern als auch Investoren und damit auch bei den Projektentwicklern.” Nach einer kurzen Verschnaufpause im Vorjahr mit stabilen Projektflächen sei auch das Segment Einzelhandel im Studienjahr 2020 weiter auf dem Rückzug.

Verzögerungen, aber keine Bau-Abbrüche befürchtet

Aus einer nicht-repräsentativen Kurzumfrage (Stichtag 27.03.2020) unter den 23 größten und wichtigsten Projektentwicklern geht zudem hervor: Die Coronakrise wird aus Sicht der Mehrheit (76 Prozent) zu Verzögerungen bei Projekten am Bau führen. Fast jeder Zweite geht zudem davon aus, dass sich konkrete Planungen verschieben werden, auch wenn bereits eine Baugenehmigung vorliegt; fehlt diese, glauben sogar 68 Prozent an verzögerte Planungen. Immerhin sind 84 Prozent sicher, dass es nicht zu Abbrüchen ihrer Projekte kommen wird.

Die Gründe für diese Einschätzungen liegen auf der Hand: Probleme bei der Verfügbarkeit von Mitarbeitern der Sub-Unternehmen und Engpässe bei den Lieferketten können auf den Baustellen zu Verzögerungen führen. Auch die Genehmigungen werden regulatorisch auf neue Grundlagen gestellt und ziehen neue Projektplanungen weiter in die Länge. Möglich ist auch, dass eine zeitweilig oder gar dauerhaft rückläufige Nachfrage Projekte verzögern kann.

 

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