SteuertippZwei getrennte Leistungen – hier ist Vorsicht geboten

Denkfehler beim Kaffeeautomat: Die Vertragsgestaltung entscheidet über die Umsatzsteuer von sieben oder 19 Prozent.

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Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee. Und so wird mit den unterschiedlichsten Röstungen und Zubereitungsarten immer weiter experimentiert mit dem Ziel, den Genuss zu perfektionieren. Der Kaffeeautomat heute ist zum Hightech-Alleskönner geworden – und der hat seinen Preis. Das haben ebenfalls die Kaffeehändler erkannt und bieten oftmals sogar die »kostenlose« Bereitstellung von Kaffeeautomaten und deren Wartung an, um die Kunden entsprechend an sich zu binden. Allein die Bohnen bzw. das Pulver muss der Kunde verpflichtend beim Händler kaufen. Nach Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit gehört der Kaffeeautomat dann dem Kunden.

Scheinbar einfach, wenn die Umsatzsteuer nicht wäre. Denn während auf die Lieferung von Kaffeebohnen nur sieben Prozent anfällt, entstehen beim Kauf, Leasing oder der Miete einer Kaffeemaschine ganze 19 Prozent. Doch wer meint, wenn ja ohnehin nur die Kaffeebohnen bezahlt werden müssen, sind automatisch auch nur sieben Prozent Umsatzsteuer zu zahlen, irrt!

Denn es liegen grundsätzlich zwei Leistungen vor, die auch umsatzsteuerlich separat zu beurteilen sind. Zumal es ein offenes Geheimnis ist, dass mit jeder Bohnenlieferung auch ein Anteil für die »kostenlose« Überlassung der Kaffeemaschine bezahlt wird. Soweit die einzelnen Preisanteile ermittelt werden können, muss die Rechnung also aufgeteilt werden und enthält dann jeweils einen Steuerbetrag für sieben und 19 Prozent Umsatzsteuer. Nur im Ausnahmefall handelt es sich um eine einheitliche Leistung zum Regelsteuersatz von 19 Prozent Umsatzsteuer – entscheidend ist die Vertragsgestaltung.

Besonderes Kennzeichen solcher Verträge ist, dass das Kaffeepulver in speziell auf die Maschine abgestimmten vorgefertigten Portionsbehältern ausschließlich an Kunden geliefert wird, die einen entsprechenden Automaten einsetzen.

Weitere Indizien sind:
• für den Gastronom sinkt der Preis pro Portion Kaffeepulver, je mehr Getränke an die Gäste verkauft werden,
• dem Gastronom stehen die Einnahmen aus dem Automaten allein zu und
• der Gastronom darf die Kaffeepreise gegenüber seinen Gästen selbst bestimmen.

 Marina Tietz­-Johannsen
StBin im ETL ADHOGA Verbund aus Flensburg und spezialisiert auf die Beratung von Hotels und Gaststätten.
Kontakt ETL ADHOGA Flensburg
Tel. 0461-144940
adhoga-flensburg@etl.de
www.etl-adhoga.de

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