Orient-Express Monasterio in CuscoStephan Post

Dieser Mann hat was zu sagen – und zu erzählen. Stephan Post leitet in den peruanischen Anden nicht nur eines der schönsten Hotels Südamerikas, sondern auch den Luxuszug »Hiram Bingham«, der anspruchsvolle Gäste von Cusco in die Nähe der Inkastadt Machu Picchu bringt, einem der Weltwunder unserer Zeit. Ein honoriger »Abenteurer im Nadelstreifen«, wie man den gebürtigen Schwarzwälder angesichts seiner zahlreichen Aktivitäten nennen möchte

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Es kann sehr kalt sein in Cusco, der Stadt auf über 3400 Metern inmitten der Anden und dem Tor zum Weltwunder Machu Picchu. Morgens um kurz nach sieben lässt sich noch niemand den Kaffee in einem der Patios des Hotels Monasterio servieren. Bei knapp über null Grad knöpfen sich die Gäste ihre Wolljacken bis oben zu und und eilen über den Innenhof in ein Gewölbe, das mit dem Wort »Frühstücksraum« nur unzulänglich beschrieben wäre: meterdicke Mauern, Pfeiler, Säulen, dunkle Heiligenbilder. Gregorianische Gesänge schallen so dezent aus dem Hintergrund, dass man jeden Moment erwartet, eine Gruppe Benediktiner einziehen zu sehen. Mönche dieses Ordens haben hier fast 500 Jahre lang gebetet und gearbeitet. Vor zwölf Jahren hat Orient-Express das ehrwürdige Kloster übernommen und es zur vielleicht schönsten, sicher aber geschichtsträchtigsten Herberge Südamerikas ausgebaut, einem der »Leading Hotels of the World«.
Ein schlanker Herr im dunklen Anzug geht gemessenen Schrittes durch das einstige Refektorium, begrüßt hier einen Gast und dort, mit Handschlag, eine Servierkraft, wischt hier einen Krümel vom Tisch und rückt dort eine Gabel zurecht. Stephan Post, General Manager dieses renommierten Hauses, wirkt auf den ersten Blick so korrekt, so solide und womöglich auch so brav wie der Filialleiter einer größeren Kreissparkasse im Südwesten Deutschlands, von wo er stammt. Aber dieser noch junge Mann, 37 Jahre alt, hat bereits eine abenteuerliche Karriere hinter sich: In den unterschiedlichsten Häusern Europas und Asiens hat er sein Handwerk und den rauen Wind des Wettbewerbs gründlich kennen gelernt, hat sich zuletzt während seiner vier Jahre in Vietnam Anerkennung über die Branche hinaus und dann auch die Zuneigung einer besonders hübschen Tochter des Landes erworben. Dieser Mann aus Villingen-Schwenningen hat viel zu sagen – und eine Menge zu erzählen.

Seit Mitte Juni stellt er sich in Cusco einer neuen, großen Herausforderung. Direkt neben dem Monasterio entkernt und saniert Orient-Express eine ebenfalls geschichtsträchtige Ruine, ein ehemaliges Nonnenkloster, aus dem schon bald das Hotel Palacio Nazarenas werden soll. Beide Häuser liegen hinter der Kathedrale, im Herzen der fröhlichsten und touristisch spannendsten Stadt Perus. Es soll ein anderes Hotel werden, ein »junges« Haus, ein Boutique-Hotel mit nur 55 Suiten. So nobel wie das Monasterio, aber nicht ganz so »ehrwürdig«, so voller Erinnerungen an die spanische Kolonialzeit, aber nicht ganz so feierlich. Anders eben, so wie alle Orient-Express-Hotels und Lodges in Peru (und überall in der Welt) ihre eigene, sehr individuelle Note haben.
Wie kaum eine andere Gruppe überrascht Orient-Express gern mit außergewöhnlichen Arten zu reisen und zu übernachten: Luxuszüge in Asien, Europa und Südamerika, der feine Flussdampfer »Road to Mandalay«, der auf dem Irrawady, der Lebensader des alten Burma, unterwegs ist, legendäre Hotels wie das Reid’s auf Madeira oder das Cipriani in Venedig. Zurück nach Cusco. Am Vormittag hat die Sonne den Innenhof und die Kreuzgänge des Monasterio erreicht. Einige Gäste genießen im Schatten einer 300 Jahre alten Zeder einen Cappuccino, andere beugen mit einem Cola-Tee möglichen Beschwerden vor, die in dieser Höhe auftreten können. Stephan Post erzählt von seinen Lehr- und Wanderjahren – zunächst bedächtig, wie es in seiner Heimat üblich ist, schon bald aber mit nahezu südamerikanischem Temperament.

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