Spanien Reinigungskräfte gehen auf die Straße

Megafon Streik Putzfrauen Ibiza
Streik in der Hochsaison: Am Wochenende legten Reinigungskräfte auf Ibiza und Formentera die Arbeit nieder. (Bild: OpenClipart-Vectors auf Pixabay)

Auf Ibiza und Formentera streikten am Wochenende Hotel-Putzfrauen für bessere Arbeitsbedingungen. Sie fühlen sich ausgebeutet und wollen so auf geringe Löhne, Akkordarbeit, unbezahlte Überstunden und mangelnde Absicherung aufmerksam machen.

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Am vergangenen Wochenende streikten spanische Zimmermädchen für bessere Arbeitsbedingungen, auf Ibiza und Formentera legten sie die Arbeit 48 Stunden nieder. Für teilweise weniger als 700 Euro pro Monat putzen die Frauen circa 30 Zimmer pro Tag sowie die öffentlichen Bereiche der gut besuchten Hotels. Die Folgen sind unbezahlte Überstunden und gesundheitliche Probleme wie Rücken- und Gelenkschmerzen. Auch die Wertschätzung der Gäste für ihre Arbeit lasse nach, Trinkgelder gebe es heute immer seltener. Auch finden die Mitarbeiterinnen laut welt.de böse Überraschungen wie volle Windeln oder Ebrochenes auf den Zimmern.

“Kolleginnen, ich bin stolz auf euch. Wir haben einen großen Wert, für den sie uns so wenig schätzen” veröffentlichten die “Kellys de Ibiza y Formentera” heute in einem Facebook-Post. In verschiedenen Regionalverbänden organisieren sich die “Las Kellys”, kurz für “Las que limpian” zu deutsch “die, die putzen”. Seit knapp drei Jahren ist die Organisation in ganz Spanien aktiv und macht auf die prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam.

Hungerlöhne und Zeitarbeit

Die Arbeitsmarktreform 2012 der früheren Regierung zur Bekämpfung der Krise habe die Dumpinglöhne möglich gemacht. Myriam Barros, Präsidentin des Vereins “Las Kellys” erklärt auf Tagesschau.de: “Seit der Arbeitsmarktreform gehören die Zimmermädchen nicht mehr zur Belegschaft eines Hotels, sondern sind an externe Firmen angegliedert worden.” Damit hätten sie alle möglichen Rechte verloren. “Sie stellen uns auf Wochenbasis an: Wenn wir krank werden, wird der Vertrag aufgelöst, ebenso, wenn wir schwanger sind. Und wir verlieren außerdem Geld: Wir bekommen jetzt durchschnittlich 500 Euro weniger im Monat!” Und das für einen Knochenjob, sagt Myriam Barros.

Auch Antonio Catalán, Gründer der AC-Hotels, die zu Marriott gehören, spricht sich gegen die Arbeitsmarktreform aus und setzt sich für fest angestelltes Personal ein. „Wenn man das Personal opfern muss, um mehr zu verdienen, verdiene ich lieber weniger“, sagte er laut welt.de.

Die Tourismusministerin der sozialistischen Regierung, Reyes Maroto, stellte Mitte August Verbesserungen in Aussicht. Die Reinigungskräfte fordern, dass mehr gesundheitliche Probleme als Berufskrankheit eingestuft werden, neue Regelungen bezüglich des Vorruhestands und keine Auslagerung von Mitarbeitern an Fremdfirmen.

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