Social Wellness statt Ego-Trip Gemeinsam statt einsam

Der Wellnessurlaub wird vorrangig mit dem Partner, der Freundin oder mit der Familie verbracht. Aber auch Singles oder Alleinreisende gönnen sich gern mal eine Auszeit. Einer Umfrage von beauty24 und den Wellness-Hotels & Resorts zufolge ist der Partner für über zwei Drittel der Befragten nach wie vor die favorisierte Urlaubsbegleitung.

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Auf den weiteren Plätzen landen Freunde (19 %) und die Familie (6 %). Jeder Zehnte fährt am liebsten ohne Begleitung in den Wellnessurlaub – Tendenz steigend. Diese Entwicklung führt dazu, dass die soziale Komponente von Wellness stärker in den Fokus rückt. Aber auch wenn man nicht alleine unterwegs ist, spielen das gemeinsame Erleben und der Austausch mit anderen für viele eine wichtige Rolle. So gaben fast 70 Prozent der für die »Wellness-Trends« Befragten an, dass soziale Kontakte wichtiger Bestandteil des Wellnessurlaubs sind. Will heißen, eine gute Möglichkeit, Zeit mit dem Partner, den Freunden und der Familie zu verbringen.

Und jeder Zehnte möchte im Hotel neue Menschen kennenlernen. Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts: »Immer mehr Menschen leben alleine. Deshalb rückt die soziale Dimension von Wellness stärker in den Fokus.« Wieder könnte man sagen, denn schaut man zu den Anfängen der Badekultur in der Antike zurück, war »Wellness« kein Ego-Trip, sondern hatte eine wichtige soziale Funktion. Römische Badeanlagen waren immer auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt.

Ruheraum und Plauderstübchen – getrennt geht besser

Das Umfeld für ein lockeres Miteinander schaffen Hotels bereits heute mit Angeboten wie gemeinsamen sportlichen Aktivitäten. Bei der geführten Wanderung mit anschließender Hütteneinkehr oder beim Bodyfit kommen Gäste automatisch ins Gespräch. Aber was ist mit anderen Bereichen wie der Sauna? Während die Römer noch lauthals im Bad politisieren durften, wirkt das Damen-Kaffeekränzchen in der Biosauna eher störend; im Ruheraum ist Plaudern oder lautes Flüstern ohnehin ein »No-Go«. Denn hier geht es ums Ruhen, vielleicht sogar um ein Nickerchen. Wie wird man den unterschiedlichen Bedürfnissen also gerecht? Roland Fricke von beauty24: »In diesem Punkt wird der Kampf unter den Wellnesshotels ausgetragen. Nicht die Wellnessprogramme oder der schicke, neue Pool sind buchungsrelevant, sondern die richtige Mischung aus Service und sozialen Angeboten. Nur wer es schafft, alle seine Gäste richtig anzusprechen, wird es schaffen, weiter erfolgreich zu sein.«

Einige Hotels haben den Wunsch ihrer Gäste nach Kommunikation erkannt und einen Raum zum »Plauderstübchen« erkoren oder – wenn es der Platz erlaubt – vor der Tee- und Früchtebar eine Sitzecke eingerichtet. Denn beim Teetrinken kommt man leicht ins Gespräch. Und für Alleinreisende wird aus dem Plausch zwischen zwei Saunagängen vielleicht ein gemeinsames Abendessen im Restaurant. Auch hier gehen einige Wellnesshotels mit einem großen Kommunikations-Tisch schon auf die zunehmende Anzahl alleinreisender Gäste ein. Natürlich ist eine Wellnesswoche oder ein Yoga Retreat kein Cluburlaub und sollte es auch nicht werden. Aber eine gute Mischung aus Rückzugsorten und Kommunikationsräumen ist nach Ansicht von Wellness-Experte Michael Altewischer durchaus denkbar. Gemeinsam statt einsam macht der Wellnessurlaub einfach mehr Spaß.

Vielleicht sollte man aber auch einen Schritt weitergehen, sich eine andere Art von Hotel und ihre Klientel anschauen, um sich das ein oder andere abzuschauen. Die neue Generation von Sport- und Aktivhotels – zu denen die Explorer Hotels oder auch das österreichische mama thresl gehören – hat pfiffige Konzepte entwickelt. Damit kommen sie dem wachsenden Bedürfnis der sportiven Community nach Austausch und gemeinsamen Erlebnissen entgegen. Was die Gästestruktur betrifft, gibt es durchaus Schnittmengen mit dem Wellness-Segment. Denn die vor allem jungen, durchaus aber auch »mittelalten Junggebliebenen« sind flexibel und wissen Action und Entspannung zu kombinieren. Ein bisschen Downhill-Abenteuer mit dem MTB, ein bisschen Yoga zum Runterkommen, danach eine schöne Massage oder eine Runde Schwitzen in der Panoramasauna und dann geht’s zum Abfeiern. Zu der Zielgruppe gehören durchaus Leute, die sich zusätzlich zum Aktivurlaub auch mal ein Wellness-Wochenende gönnen.

Erlebnisse teilen

Wie bringt man Leute zusammen, um aus vielen kleinen Urlaubserlebnissen ein großes gemeinsames zu machen? Die vier Explorer Hotels erheben die Lobby zum Zentrum der Kommunikation und nennen sie »Explorer Lounge«: Verglaste Sport-Locker für Bike und Board, eine Werkbank, auf denen die Hightech-Geräte gepflegt und Skier gewachst werden. Dabei wird gefachsimpelt, denn was verbindet mehr als das gemeinsame Hobby oder ähnliche Interessen? Gleich um die Ecke eine Wanderkarte der Region, die eine ganze Wand bedeckt und vor der die Gäste die nächste Tour austüfteln oder sich Tipps geben.

Eine zentrale Rolle für das Konzept spielt die »Explorer Wall« – ein großer Multitouch-Screen, auf dem Routenplaner, Webcams und der aktuelle Wetter- und Lawinenbericht abgerufen werden können. Zuätzlich können die Gäste hier auch eigene Urlaubserlebnisse posten und Tipps geben. Wer regelmäßig auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken unterwegs ist, findet es normal, Erlebtes zu »teilen«, Eindrücke zu kommentieren, Dinge zu empfehlen oder Interessierten auch mal ein »lohnt nicht« mit auf den Weg zu geben. Den Gästen eine Plattform bietet auch das mama thresl in Leogang, das sich als »Basislager für Wintersportler, Biker und Bergfreunde« sieht. Auf einer Screenwand in der Bar/Lobby werden actionreiche und emotional aufgeladene Spots und Kurzfilme gezeigt. Darunter auch solche, die Gäste selbst mit der GoPro-Kamera gemacht haben. Erlebnisse teilen, sich anderen zeigen und neugierig machen, lautet auch hier die Devise.

Empfehlung von Gast zu Gast

Natürlich ist Sport nicht gleich Wellness, aber in vielen Häusern gibt es mittlerweile einen ausgewogenen Mix aus Aktiv- und Entspannungsangeboten. Warum also nicht auch im Spa-Hotel die Gäste ins Inhouse-Marketing mit einbeziehen, eine Art Wellness-Community im Kleinen schaffen? »Hatte gestern eine 90-minütige Lomi-Lomi bei Svetlana – ein absoluter Traum!« Solch eine persönliche Empfehlung von Gast zu Gast hinterlässt sicher mehr Eindruck als die trockene Beschreibung der Behandlung in der Spa-Broschüre. Lust dabei zu sein, macht auch ein Kommentar zu einer der vom Hotel angebotenen Aktivitäten: »War gestern bei der Sonnenaufgang-Wanderung dabei … war anstrengend, aber der Ausblick von oben war fantastisch.

Kann ich Euch nur ans Herz legen.« Solche, aber auch teilweise sehr emotionale Kommentare finden sich in einigen Häusern in Spa-Gästebüchern. Der zeitgemäßere Weg, sich mitzuteilen, ist sicher digital. Denn die meisten tippen schneller einen Kommentar, der inklusive Foto vom Smartphone oder Tablet auf einen Screen gesendet wird, als dass sie einen Stift in die Hand nehmen, um ins »Poesiealbum« des Spas zu schreiben.

Aber es muss kein Screen sein, es gibt auch andere Varianten des informativen Austauschs. Im bayerischen Wellnesshotel Kranzbach in Krün kann man im Gang zwischen Wellnessbereich und Lift seine Gedanken mit Textmarker auf einem großen Tableau verewigen. Auch hier versammeln sich gern in Bademäntel gehüllte Gäste, um die Kommentare zu lesen oder selbst eine persönliche Notiz zu hinterlassen. »Hatten eine super Zeit bei Euch. Mal wieder … Danke an das Kranzbach-Team« heißt es da unter anderem. So »liked« man im Wellnesshotel.

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