Hotelaktienbörse 11.2012»Sicherheitsnetz« Liquidität

Nach jüngsten Kurssteigerungen werden Anleger durch die Last der europäischen Staatsschuldenkrise in die Defensive getrieben. Die zunehmende Zurückhaltung hängt vor allem mit dem Mangel an überzeugenden Lösungen in der globalen Schuldenkrise zusammen. Dass die Kurse derzeit nicht stärker fallen, liegt an den Notenbanken: Sie spannen durch die Schaffung riesiger Geldmengen ein »Sicherheitsnetz« an den Börsen auf. Davon profitieren Tourismus- und Hotelaktien.

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Die Hotel- und Touristikbranche hat sich in den vergangenen Quartalen wesentlich besser entwickelt als der Rest der Wirtschaft. Dies hat zum einen mit der aus Sicht der Hotelbetriebe vielversprechenden Situation von Angebot und Nachfrage zu tun. Ein weiterer Grund ist die anhaltende Reiselust der sich wie befreit gebenden Touristen aus China und anderen Ländern, in denen die Reisefreiheit der Bürger bisher stark eingeschränkt war. Nach wie vor gelten die Volksrepublik China und Indien als wesentliche ­Treiber des globalen Tourismus. Vor diesem Hintergrund trauen die Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse den Aktien der Hotelbranche eine weiterhin positive Wertentwick­lung zu. Dies gelte allerdings weniger für die Branche in Europa als vielmehr für US-­Hotels, denen die Fachleute von Credit Suisse ­eine bessere Kapital-Disziplin nachsagen.

Deutschland

Die von Hotel.de für das dritte Quartal 2012 vorgelegten Geschäftszahlen deuten auf Ermüdungserscheinungen im deutschen Tourismus hin. Das provisionsfähige Nettobuchungs­volumen – also der »Auftragseingang« – lag im Berichtszeitraum 2,1 % niedriger, bei 97,06 Mio €. Das ausländische Buchungsvolumen erreichte 40,9 % des Gesamtvolumens und verringerte sich um 4,3 % auf 39,72 Mio €. In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag das provisionsfähige Nettobuchungsvolumen bei 285,13 Mio € um ­3,5 % über dem Vorjahreswert. »Die schlechter werdenden konjunkturellen Rahmenbedingungen wirken sich auch auf unser Geschäft aus«, kommentierte Heinz Raufer, Vorstandschef von Hotel.de.
Der Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland ist auf Rekordkurs. Das Unternehmen wird im Geschäftsjahr 2011/12 zum 31. Oktober ­dieses Jahres beim Umsatz und bei den gebuchten Teilnehmerzahlen bisher noch nie gesehene ­Ergebnisse erzielen. Der Umsatz wird rund 701 Mio € erreichen, was einer Steigerung um 26 % entspricht. Die Gästezahl steigt um ­19 % auf rund 925.000 Personen. Der Traditionsveranstalter entwickelt sich rasanter als der Gesamtmarkt, dessen Wachstum bei rund 5 % pro Jahr liegt. Für das kommende Geschäftsjahr wird eine Erhöhung der Teilneh-merzahlen um 5 % sowie eine Steigerung des Umsatzes um 7 % angestrebt.

Mit dem schwedischen Möbelhaus Ikea wagt ein Newcomer den Sprung auf den ­deutschen und europäischen Hotelmarkt. Über Schwestergesellschaften plant der Konzern den Aufbau einer Budget-Design-Hotelkette mit zunächst 100 Anlagen. Der Start- schuss dafür soll in Deutschland fallen. »Die Hotelbranche wird in den kommenden zehn Jahren sehr stark von steigenden Besucherzahlen in Europa profitieren«, steckt Tim Smith vom Beratungsunternehmen HVS das Umfeld für die Ikea-Initiative ab. Andere Fachleute verweisen in diesem Zusammenhang auf das starke Reisefieber der Chinesen, die Europa – neben den USA – als ihr primäres ­Reiseziel auserkoren haben.
Die zur Alltours-Gruppe gehörende Hotelgesellschaft Allsun expandiert in der Türkei: Sie übernimmt das dortige Novum-Side-­Hotel. Dies ist die erste Anlage von Allsun in dem Land. Das Haus entspreche den Vorgaben, die sowohl das Unternehmen als auch die Gäste an ein Allsun-Hotel haben, kommentierte Geschäftsführer Willi Verhuven. Allsun-Hotels verfügen damit insgesamt über 15 Anlagen – auf Mallorca, den Kanaren und in der Türkei.

Europa

Die InterContinental Hotels Group (IHG) sieht – wie andere Hotelketten auch – Russland als Wachstumsmarkt. »Wir haben das Ziel, bis zum Jahr 2020 insgesamt 100 weitere Hotels in Russland und der GUS zu eröffnen«, sagte der für das Geschäft in Russland, den GUS und Georgien zuständige Manager ­Robert Kennedy. Dabei soll zunächst die ­Präsenz in Moskau und St. Petersburg ausgebaut und mit Kapitalgebern vor Ort gemeinsam daran gearbeitet werden, verwaltete und konzessionierte Hotels in allen Teilen des ­Landes einzuführen, in denen ein Bedarf an internationalen Markenhotels besteht. IHG betreibt derzeit 13 Hotels mit 3894 Zimmern in Russland und hat aktuell vier weitere Hotels mit 1673 Zimmern in Planung. In der GUS ­betreibt das Unternehmen fünf Hotels mit insgesamt 1099 Zimmern. Hier sind für die nächsten drei bis fünf Jahre zwei weitere ­Hotels mit 455 Zimmern geplant. Die InterContinental erfreute ihre Aktionäre zudem mit der Nachricht, ihnen im vierten Quartal 2012 Liquidität in Höhe von insgesamt 1 Mrd $ zufließen zu lassen. Das Unternehmen hat angekündigt, Hotels in New York und London zu veräußern und dann 500 Mio $ an die ­Aktionäre in Form einer Sonderdividende zurückzuzahlen sowie weitere 500 Mio $ für den Rückkauf eigener Aktien einsetzen zu wollen.
Die im Café- und Hotelgeschäft tätige britische Whitbread hat ihre Aktionäre vor zu ­hohen Gewinnerwartungen gewarnt. Die Verbraucher seien derzeit eher zurückhaltend, hieß es in einem Kommentar zur aktuellen Geschäftslage. Die Whitbread-Aktie geriet ­daraufhin an der Londoner Börse zeitweise unter Kursdruck.

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