Hotelaktien 7-8.2013Rückkehr zur Normalität

Die Beruhigungspillen, die Politiker den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten verabreicht hatten, zeigten nur für kurze Zeit Wirkung. Den Märkten droht jetzt mehr Unheil, nachdem die US-Notenbank bei ihrer Geldpolitik so etwas wie eine »Rückkehr zur Normalität« angekündigt hat. Daher kam es an den Aktienbörsen vorübergehend zu den erwarteten und angekündigten Verwerfungen.

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Weltweit sind die Wachstumsraten der Volkswirtschaften in den vergangenen Monaten stark geschrumpft. Das gilt sowohl für Europa und die USA als auch für die zuletzt dynamisch wachsenden Emerging Markets wie China, Indien, die Türkei und Brasilien. In den beiden letztgenannten Ländern sorgt zudem der von den Bürgern massiv geäußerte Volkszorn auf Seiten der Finanzmarkt-Teilnehmer für große Nervosität. Sowohl in der Türkei – einer führenden europäischen Urlaubs-Destination – als auch in Brasilien sehen Hoteliers die politischen Unruhen mit unverkennbarer Sorge. In Brasilien nicht zuletzt auch mit Blick auf die dort in den kommenden Monaten anstehenden sportlichen Großereignisse, von denen sich das Land erhebliche Devisen-Einnahmen erhofft.

So überrascht es nicht, wenn die Aktienkurse der meisten Hotelgesellschaften in den vergangenen Wochen einen Teil der in den Monaten zuvor verzeichneten Kursgewinne wieder abgeben mussten. Kursbewegungen nach oben gab es allerdings bei jenen Unternehmen, die in Übernahme- und Fusionstransaktionen verwickelt waren. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die geplante Übernahme des Club Méditerranée durch das Private-Equity-Unternehmen Axa Private Equity und die asiatische Fosun International Ltd., die bereits rund 10 % am Aktienkapital hält. Die Übernahme-Offerte bewertet den Club Méd mit rund 699 Mio US-Dollar.

Der dritte Global Destination Cities Index von MasterCard förderte jetzt recht erstaunliche Ergebnisse zutage: In diesem Jahr hat sich die thailändische Hauptstadt Bangkok nämlich als Nummer eins durchgesetzt und damit London von der Spitzenposition verdrängt. Paris, Singapur und New York folgen auf den weiteren Plätzen. Asiens Metropolen sind auf dem Vormarsch: Von den 132 bewerteten Städten liegen 42 auf dem asiatischen Kontinent.

Deutschland & Europa

Während die Regierungen in Europa wegen der hohen Staatsverschuldung auf der einen Seite zu Ausgabenkürzungen und geringeren staatlichen Investitionen gezwungen sind, versuchen sie auf der anderen Seite durch höhere Steuern und Abgaben das Staatsdefizit zu verringern. Das alles führt allerdings zu einem grundsätzlichen Mangel an Wachstumsimpulsen. Die auch aus diesem Grund sehr müde deutsche Konjunktur wurde zuletzt durch aktuelle Zahlen über die Reiselust der Deutschen bestätigt: Im ersten Quartal 2013 schrumpfte die Zahl der von deutschen Flughäfen abreisenden Passagiere gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum nach Angaben von Destatis um 2,5 % auf 20,4 Mio.

Wegen »außergewöhnlich hoher Anforderungen« an die erstmals nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellte Bilanz hat die Travel 24.com AG mit Sitz in Leipzig die Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das am 31.12.2012 beendete Geschäftsjahr erneut verschoben. Das wiederum erfordert eine Verschiebung der für den 9.7.2013 geplanten Hauptversammlung auf den Monat August.

Im Schweizer Tourismus wird Währungsfragen eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Dass der Schweizer Franken durch eine gezielte Politik der dortigen Nationalbank zuletzt nicht weiter gestiegen ist, hat die mit Blick auf die bedrohte Wettbewerbsfähigkeit lauter werdenden Warnrufe der vergangenen Monate zunächst einmal verstummen lassen. In einer jetzt vorgelegten Untersuchung schneidet die Schweiz im Urteil des Weltwirtschaftsforums als Tourismusstandort hervorragend ab. Seit mehreren Jahren ist das Land danach die Nummer eins von 140 untersuchten Ländern – Tourismus-Hochburgen wie Frankreich, Spanien, die USA oder China liegen deutlich dahinter. Die Aktien der schweizerischen Hotelbranche reflektieren diese Top-Einschätzung der Fachkenner bisher indes nicht.

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