Ritz-Carlton ViennaRitz-Carlton übernimmt das ­Wiener »Geisterhaus«

 Am Schubertring hat sich Ritz-Carlton  einen Häuserblock aus dem 19 Jahrhundert gesichert. – Und – in spannendem Kontrast zu den denkmalgeschützten Dekorationen – wunderbar zeitgemäß ausgestattet.

Ursprünglich hätte das Hotel am Ring ein Shangri-La werden sollen, doch die asiatische Luxushotelgruppe hatte 2011 überraschend auf die Übernahme des bereits fertiggestellten Hauses verzichtet. »Über die Gründe können wir bis heute nur spekulieren«, erklärt PR-Direktorin Silvia Kahler, die sich unübersehbar darüber freut, dass das in der Wiener Presse schon als »Geisterhaus« bezeichnete Gebäude seit Ende August endlich Gäste empfängt und den Hotelmarkt in der Hauptstadt bereichert. Doch auch für Ritz-Carlton selbst ist es ein Lebenszeichen, schließlich ist es für die amerikanische Kette die erste Neueröffnung in Europa seit sechs Jahren – damals ging das Moskauer Hotel an den Start. 

Die insgesamt 202 Gästezimmer des Ritz-Carlton Vienna befinden sich in vier denkmalgeschützten Palais aus dem 19. Jahrhundert, deren unterschiedliche Schnitte die Räume höchst individuell machen. Top-Refugium des Hauses ist die 190 Quadratmeter große Präsidentensuite. »Hier war früher das Vorstandszimmer der GiroCredit«, erklärt Silvia Kahler und verweist auf die holzvertäfelten Wände, das schöne Parkett, die Deckengemälde und die mit kostbaren Intarsien ausgestatteten Holztüren. Passend dazu wur- den große Kristalllüster angebracht, die ebenso wie die zur Holzvertäfelung passenden Möbel eigens für das Ritz-Carlton angefertigt wurden. Nicht weniger beeindruckend sind das mit kostbarem Marmor ausgeschlagene Bad hinter einer großen Flügeltür, die Bibliothek, die Pantry-Küche sowie das Schlafzimmer inklusive Ankleidebereich. Darüber hinaus kann die Präsidentensuite zusammen mit den benachbarten Suiten zu einer großen, geschlossenen Einheit kombiniert werden.

Für das Interior Design zeichnet Peter Silling verantwortlich, den die Amerikaner bereits für ihre Berliner Dependance engagierten. In Wien setzt Silling vor allem auf drei  wiederkehrende Elemente: Pferde – sie sind auf Gemälden und in Form von Skulpturen präsent und stellen den Bezug zur Hofreitschule und den für Wien typischen Fiakern dar; Ringe – in Form von Leuchten oder als Teppichmuster verweisen sie auf die Lage des Hotels am Ring – und schließlich Blätter. Letztere spiegeln den stattlichen Baumbestand an der Ringstraße wider.
Allen 202 Gästezimmern gemein ist die Einrichtung in ebenso hellen wie freundlichen Farben, womit ein gelungener Mix aus alten und neuen Elementen einhergeht. Für Akzente sorgen dabei hochmoderne Leuchten und zeitgenössische Kunst; Technik auf höchstem Niveau ist für Ritz-Carlton fast schon eine Selbsverständlichkeit.

Aus gastronomischer Ebene haben die  Gäste die Wahl zwischen vier Outlets, wobei das »Dstrict«, das tatsächlich ohne »e« geschrieben wird, als Hauptrestaurant fungiert. Küchenchef Wini Brugger: »Wir zelebrieren hier eine authentische, unprätentiöse österreichische Küche, zubereitet mit heimischen Produkten aus nachhaltiger Landwirtschaft und Erzeugung.« Bei schönem Wetter serviert der aufmerksame Service die Gerichte auch auf der direkt am Ring gelegenen Terrasse. Darüber hinaus werden in der Lobby Lounge sowohl Mittag- als auch Abendessen à la carte serviert, wobei hier die heiße Criollo-Schokolade als Spezialität gilt.
Bei den mittlerweile zahlreichen europäischen Nichtrauchergesetzen erscheint es ungewöhnlich, dass in der klassisch gehaltenen »D-bar« das Rauchen noch erlaubt ist. »Das ist ein Zugeständnis an die Wiener – und vom ersten Tag erfreut sich die Bar großer Beliebtheit«, erklärt PR-Direktorin Silvia Kahler. Ein anderer Lieblingsplatz ist ihrer Aussage nach die »Atmosphere Rooftop Bar & Lounge«, weil dort den Gästen die Hauptstadt buchstäblich zu Füßen liegt. Aber auch das erste »Guerlain Spa« Österreichs und der »Health Club« samt 18 Meter langem Indoor-Pool mit Unterwassermusik erfreuten sich in den ersten Wochen nach der Eröffnung großer Beliebtheit. Viel Geschäft verspricht sich das Management außerdem vom 900 Quadratmeter großen Veranstaltungsbereich in der ersten Etage.

»Unsere Hotels definieren sich über den Service«, erklärt der Deutsche General Manager Matthias Vogt, der zuvor in Hongkong, Wolfsburg und im chinesischen Hainan tätig war. »Damit will ich nicht sagen, dass der Service anderswo schlecht ist. Aber allein die Auswahl der Mitarbeiter ist bei uns so intensiv wie wohl nirgendwo anders. Wir machen nicht nur ein Interview, sondern führen viele Einzelgespräche, um die Mitarbeiter mit der richtigen Einstellung zu finden«. Hinzu kommen natürlich umfassende Schulungen, aber auch Controlling und Gästebefragungen zur Sicherung der Standards, ergänzt Vogt. Ein sehr gutes Gesamtpaket wird auf dem hartumkämpften Wiener Hotelmarkt auch nötig sein – nicht nur, um die Phalanx der bestehenden Platzhirsche zu durchbrechen, sondern auch, um für weitere Newcomer gewappnet zu sein: Mit dem Hotel Sans Souci Wien (Eröffnung Ende 2012), dem Palais Hansen Kempinski (Wiedereröffnung Frühjahr 2013) und dem Park Hyatt (Eröffnung Juni 2013) hat sich bereits namhafte Konkurrenz angekündigt.

 

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here