Hotelaktienbörse 10/2011Riesiger Liquiditätsberg

Die Finanzmärkte kommen nicht zur Ruhe. Die Euro-Schuldenkrise macht sich in der ganzen Welt bemerkbar, denn durch die Globalisierung sind selbst entfernte Regionen weniger resistent gegen solche Störungen. In einigen Ländern lassen sich staatliche Funk­tionen nur noch aufrechterhalten, indem Notenbanken dem Staat frisch gedrucktes Geld zur ­Verfügung ­stellen, also Staatsanleihen aufkaufen

Kein Wunder also, dass das Vertrauen der Anleger schwindet und einige Regierungen (wie Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien) abgestraft werden. Dem Tourismus machen darüber hinaus stark schwankende Devisenkurse das Leben schwer. Andererseits ist festzustellen, dass die private Wirtschaft – also Unternehmen – noch immer relativ stabil sind. Doch auch diese vermeintliche Stabilität ist gefährdet. Denn der nach der Krise anno 2008/2009 durch Inkaufnahme von noch mehr Schulden initiierte »geborgte Aufschwung« verliert an Wirkung. Und so sieht sich die Welt mit der Gefahr einer neuen Rezession konfrontiert. Dies vor allem auch, weil fiskal- und geldpolitische Möglichkeiten von Regierungen und Notenbanken weitgehend ausgeschöpft sind. Einerseits hat die Staatsverschuldung in zahlreichen Ländern kritische Ausmaße erreicht – andererseits nähern sich die Kapitalmarktzinsen zum Beispiel in Deutschland und in den USA der Null-Prozent-Marke.

Der Weg zu japanischen Verhältnissen scheint also vorgezeichnet. Bekanntlich leidet Japan mit rekordtiefen Zinsen von zeitweise weniger als 0,5 % seit Jahrzehnten unter Deflation, sodass Experten für dieses Land eine »verlorene Dekade« sehen. All dies erklärt die starken Kurseinbrüche an den Aktienbörsen. Da die Börse jedoch stets die Zukunft bewertet, stehen die Chancen auf eine Trendwende nicht schlecht. Denn durch die generöse Politik der Notenbanken sitzen die Akteure an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft auf einem riesigen Berg an Liquidität. Mit Blick auf den Jahresultimo ist damit zu rechnen, dass diese Liquidität vor allem in Aktien fließt.
Einige Top-Manager der Wirtschaft begreifen die Krise als Chance und wagen den Blick in die Zukunft. Die Krise sei, so heißt es, der ideale Zeitpunkt für eine Expansionspolitik. Das gilt auch für die Touristik und Hotellerie. Die meis­ten Unternehmer entschließen sich hier nicht unbedingt zum Bau neuer Hotel- und Freizeitanlagen, sondern zum Erwerb bereits existierender und konkurrierender Unternehmen. Viele Firmen sitzen auf einem hohen Berg an Liquidität, die für Fusionen und/oder Übernahmen eingesetzt wird.

So interessieren sich mehrere Kaufinteressenten aus dem Bereich Private Equity für die Übernahme des insolventen Hotelbetreibers Innkeepers USA Trust. Zuletzt wurde der Private-Equity-Gesellschaft Five Mile Capitals Partners LLC Interesse an der Übernahme des Unternehmens für 1 Mrd $ nachgesagt. Dem Vernehmen nach haben Starwood Capital und Hersha Hospitality gegenüber Five Mile Capitals Finanzierungszusagen abgegeben. Zuvor hatte die Cereberus Capital Management LP allerdings eine Übernahmeofferte in Höhe von 1,12 Mrd $ zurückgezogen.
Das Private-Equity-Unternehmen Black­stone – Eigner der Hotelkette Hilton World­wide – hat die über acht Hotels in Europa (Großbritannien und Niederlande) verfügende Hotelkette Mint für umgerechnet rund 950 Mio $ übernommen. Mint hatte bis zum vergangenen Jahr unter City Inn firmiert.

Die britische Hotelgesellschaft Travelodge plant – auch durch die Übernahme existierender Hotelanlagen – eine starke Expansion in Europa. Im Mittelpunkt der Pläne steht dabei der spanische Markt. »Nach wie vor gibt es zahlreiche große Expansionsmöglichkeiten in Europa«, sagte Vorstandschef Guy Parsons. »Die zu Dubai International Capitals gehörende Hotelgruppe hält am langfristigen Ziel fest, die Anzahl der Hotels in Spanien von derzeit fünf auf 100 zu erhöhen«, erklärte Parsons.

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