Reisewirtschaft Frustration, Enttäuschung und eine leise Hoffnung

Symbolbild (Bild: Pixabay)

80 Prozent der Unternehmen sehen mit Blick auf das jüngst verabschiedete Konjunkturpaket keinen entscheidenden Beitrag der Politik zur Bewältigung der Coronakrise. Das geht aus einer DRV-Umfrage hervor. Der Dehoga blickt auf die angelaufene Sommersaison mit gemischten Gefühlen. Ein Überblick zur derzeitigen Situation.

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Danach gefragt, ob die Bundesregierung einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie geleistet habe, antworten 82 Prozent der rund 500 befragten Unternehmen der Reisewirtschaft mit einem klaren Nein. So lautet das zentrale Ergebnis einer Blitzumfrage des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Die Hälfte der Befragten zeigt sich insgesamt enttäuscht von dem Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket, das die Bundesregierung in der heutigen Kabinettssitzung verabschieden will. Auch die angekündigten Überbrückungshilfen zur Abfederung des Umsatzausfalls durch die Corona-Krise werden von 54 Prozent der Teilnehmenden als wenig hilfreich beurteilt. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes hingegen bewerten immerhin zwei Drittel der Unternehmen als positiv.

„Die Ergebnisse zeigen klar die große Frustration und Enttäuschung der Branche über die Bundesregierung“, fasst DRV-Präsident Norbert Fiebig zusammen. Dieser erachtet das Konjunkturpaket als “schlicht unzureichend”, da die Laufzeit zu kurz und die Überbrückungssummen zu gering seien. “Die Deckelung wird viele Unternehmen ohne einen Cent zurücklassen.“

Bundeskabinett hat in heutiger Sondersitzung branchenübergreifende Überbrückungshilfen in Höhe von 25 Milliarden Euro beschlossen

Grundvoraussetzung für die Förderfähigkeit ist ein erheblicher Umsatzeinbruch von mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aus den bereitgestellten Mitteln können Unternehmen bis zu 80 Prozent der anfallenden Fixkosten begleichen.

Ergänzt wurde nach dem Beschluss im Koalitionsausschuss, dass eine Pauschale für Personalaufwendungen und für rückgebuchte Provisionen bei der Förderkalkulation berücksichtigt werden kann. Zudem darf die Förderhöhe die festgesetzte Maximalförderhöhe („Erstattungsbetrag“) von 9.000 bzw. 15.000 Euro überschreiten, sofern die erstattungsfähigen Fixkosten mindestens doppelt so hoch liegen wie der maximale Erstattungsbetrag. Für Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern würde die erweiterte Fördergrenze dann bei 15.300 anstelle der 9.000 Euro liegen, für Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten bei maximal 33.750 anstelle von 15.000 Euro. Für Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern bleibt die Deckelung bei 150.000 Euro für drei Monate.

Von einem Normalgeschäft ist die Hotellerie noch weit entfernt

Vor dem Hintergrund der dramatischen Auslastungseinbrüche der vergangenen Monate und der Forecast-Zahlen blickt der Dehoga auf die angelaufene Sommersaison mit gemischten Gefühlen. Während es in der Ferienhotellerie nunmehr Hoffnung gibt und auch Buchungen eingehen, ist die Situation in der Stadt- und Tagungshotellerie unverändert dramatisch. Geschäftsreisende bleiben aus. Tagungen finden immer noch nicht statt. Internationale Gäste fehlen. Die wenigen inländischen Touristen können die Umsatzausfälle derzeit nicht kompensieren. Auch Großveranstaltungen werden frühestens wieder ab 1. September 2020 möglich sein. Sämtliche begleitende Hotelumsätze fallen bis dahin aus. Kurzum: Von einem Normalgeschäft ist die Hotellerie noch weit entfernt.

Laut Dehoga kämpfen zigtausende Betriebe weiter um das wirtschaftliche Überleben und den Erhalt der Arbeitsplätze. “Umso mehr kommt es jetzt darauf an, dass die angekündigten Überbrückungshilfen für das Gastgewerbe fließen – und zwar schnell und für alle betroffenen Unternehmen und Betriebe. Dabei darf nicht die Größe oder die Mitarbeiterzahl der Betriebe entscheidend sein, sondern der Grad der Betroffenheit der Betriebe”, erklärt der Verband.

Unterstützung erhalten die Verbände von den Wirtschaftsministern der Länder. Diese haben die Überbrückungshilfe der Regierung für in der Coronakrise besonders hart betroffene Branchen zwar begrüßt, gleichzeitig aber eine Verlängerung angemahnt. Laut einer DPA-Meldung sähen die Länder die Beschränkung des Programmes auf drei Monate bis Ende August gerade für die Bereiche wie die Reisebranche, Hotels und Gaststätten, Messeveranstalter, Schausteller und Veranstalter kritisch, hieß es nach einer Videokonferenz der Minister mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

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