TourismusDRV-Präsident Norbert Fiebig fordert mehr politische Lösungen

DRV-Präsident Norbert Fiebig

Zum Start der 67. Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Ras Al Khaimah, nahm sich DRV-Präsident Norbert Fiebig zu den politischen Forderungen des DRV Stellung. Der gesamten Reisebranche müsse in der Politik mehr Bedeutung beigemessen werden. Der DRV stellte sechs konkrete Forderungen an die Politik.

Anzeige

DRV-Präsident Norbert Fiebig richtete teils klare Worte an die Politik und die neue Regierung. Etwa müsse der „Unsinn der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Hotelleistungen müsse endlich gestoppt werden“. In Sachen Pauschalreiserichtlinie mahnte er, die Praxistauglichkeit auch nach dem Inkraftreten am 1. Juli 2018 im Blick zu behalten und forderte die Regierung auf, kleinen und mittelständischen Reisebüros und Veranstaltern unter die Arme zu greifen.     

Beim Thema Sammelklage mahnte Fiebig ebenfalls zu Augenmaß, da „diese Art der Klage unter Umständen merkwürdige Blüten treibe“. Zur Sonntagsarbeit im Call Center vertrat der DRV-Präsident eine deutliche Meinung: Sollten die Call Center am Wochenende nicht besetzt sein dürfen, „verschwinden nicht die Kunden, sondern die Call Center! Und damit auch die Arbeitsplätze“.    

Der gesamten Reisebranche müsse in der Politik mehr Bedeutung beigemessen werden. Hier wünschte sich Fiebig in der Bundesregierung einen Beauftragten, der sich – mit einem entsprechenden Unterbau an Mitarbeitern – ausschließlich um die Belange der Touristik mit ihren 2,9 Millionen Beschäftigten kümmere. Zu guter Letzt forderte er den Mut der Politik auch Fehler zu korrigieren: „Die Luftverkehrsteuer muss endlich weg! Wir brauchen fairen Wettbewerb.“   

Im Zusammenhang mit der Pleite von Air Berlin benannte der DRV-Präsident seine Forderung zur Insolvenzabsicherung für Fluggesellschaften: „Eine solche Absicherung zum Schutz der vereinnahmten Kundengelder ist sinnvoll und wünschenswert. Aber er darf nicht auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseunternehmen und deutscher Fluggesellschaften gehen.“ Daher plädiere der DRV für eine wettbewerbsneutrale, weltweite Lösung.   

Fiebig betonte außerdem, dass die Branche sich der Digitalisierung stellen müsse. Eine besondere Gefahr drohe der Branche durch Unternehmen, die ihr Geschäft überwiegend mit dem Sammeln und Aufbereiten von Daten machten – und die ihre Wurzeln nicht im touristischen Geschäft hätten. „Die Alexas und Siris dieser Welt sind schon heute zu virtuellen Informationsschalter geworden. Wir müssen uns also ihr ‚Wissen‘ zunutze machen, wir müssen die neuen Technologien und Möglichkeiten in unserem Geschäft einsetzen.“ Hier seien insbesondere die Reisebüros gefordert, die Algorithmen der Maschinen mit dem menschlichen Know-how und der Professionalität der Mitarbeiter zu koppeln.    

Das Thema Digitalisierung betreffe auch die Veranstalter – gerade die Paketierung einer Pauschalreise nach individuellen Kundenwünschen ließe sich relativ leicht mit einer Maschine machen. Der DRV-Präsident glaubt: „Die Reiseveranstalter werden noch stärker als Anbieter exklusiver Leistungen agieren, zum Beispiel mit eigenen Hotelmarken, und wir werden mit ziemlicher Sicherheit auch wieder mehr Flug-Voll-Charter im Markt sehen.“ Nur mit dem Weg aus der Austauschbarkeit, entziehe man sich dem Preisdruck, der durch die Transparenz der Digitalisierung ebenfalls weiter steige.   

Ein sehr gutes Zeichen sei laut Fiebig, dass sich die nordafrikanischen Länder wie Ägypten, Tunesien und auch Marokko nach Einbrüchen der Besucherzahlen wieder erholen. Hier engagiert sich der DRV gemeinsam mit der Politik und hat seit kurzer Zeit einen EZ-Scout in den eigenen Reihen – gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Gesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit (GIZ). Dieses Projekt befasst sich gezielt mit dem Schwerpunkt Tunesien, um hier die Möglichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit zu eruieren und eine nachhaltige Tourismusentwicklung voranzutreiben – mit dem Ziel, den Menschen vor Ort innerhalb der dort entstandenen demokratischen Strukturen eine positive wirtschaftliche Perspektive zu geben.    

Die Augen nicht verschließen dürfe die Reisebranche vor dem in diesem Jahr stärker denn je hervorgetretenen Thema Overtourism. „Wir müssen uns unserer Verantwortung als Branche stellen“, so Fiebig. „Die Attraktivität eines Zielgebiets lebt maßgeblich von seiner Gastfreundschaft.“ Das Wohlwollen der Wohnbevölkerung dürfe daher nicht durch zu viele Touristen verloren gehen. Die organisierte Reise könnte eine Steuerungsfunktion übernehmen und durch neue Routen, Ausflugsprogramme oder verlängerte Saisonzeiten für Entzerrung sorgen. In erster Linie seien aber Destinationen gefordert, um einen Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Interessen einerseits und dem Attraktivitätsverlust durch zu viele Gäste zu schaffen. 

Eine weitere Herausforderung für den Tourismus ist der Klimawandel. „Eine intakte Umwelt und Natur ist die Grundvoraussetzung für unser Geschäft“, betonte Fiebig. „Hier sind wir als Branche gefordert, gegenzusteuern und Verantwortung zu übernehmen.“

Anzeige