Quartalszahlen TUI GroupStaatskredit über 1,2 Milliarden Euro sichert vorerst Liquidität

Die TUI Group will den Ausbau seiner digitalen Plattformen schneller als geplant vorantreiben. Das angepasste Sommerprogramm 2020 ist aktuell zu 57 Prozent gebucht. Dank deutlich reduzierter Kosten konnte der Konzern den Verlust im 3. Geschäftsquartal deutlich begrenzen. (Bild: pixabay/Julius Silver)

Dank einem zustätzlichen Staatskredit in Höhe von 1,2 Milliarden Euro kann die TUI Group ihre Liquidität vorerst sichern. Deutlich reduzierte Kosten und erste Reiseaktivitäten seit Mitte Juni generieren laut dem Unternehmen wieder Umsätze. Deshalb entspreche das dritte Geschäftsquartal den Erwartungen des Touristikkonzerns.

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Die TUI hat die Reiseaktivitäten in allen europäischen Märkten wieder aufgenommen. Mitte Juni brachte der Konzern bereits deutsche Gäste nach Mallorca. Aufgrund der erhöhten Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den Flugzeugen, bei den Transfers und in den Hotels und Clubs des Unternehmens in den Destinationen wurde der Neustart aus Deutschland nach eigenen Angaben erfolgreich umgesetzt.

Nach dem offiziellen Ende der Reisewarnungen für die meisten europäischen Destinationen folgte Anfang Juli der Urlaubsstart aus den anderen TUI-Märkten. Im Juli reisten laut Angaben des Unternehmens europaweit mehr als eine halbe Million Kunden mit der TUI in den Sommerurlaub. Darüber hinaus bleibe die Nachfrage nach Urlaub hoch, so die Verantwortlichen. Seit der Wiederaufnahme der Reiseaktivitäten seien konzernweit 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen. Auch die Buchungen für den Sommer 2021 seien vielversprechend. Aktuell liegen diese um 145 Prozent über den Buchungen des letzten Jahres für diesen Sommer.

Neuausrichtung wurde beschleunigt

Operativ soll der Betrieb im vierten Quartal die laufenden Cash-Kosten decken und damit der Cash-Break-even erreicht werden. TUI Vorstandsvorsitzender Fritz Joussen: “Unser integriertes Geschäftsmodell mit Flugzeugen, Transfers, Hotels und Kreuzfahrtschiffen ist intakt und hat sich in diesem schwierigen Umfeld bewährt.” Massive Kostensenkungen seien zeitnah eingeleitet und konsequent umgesetzt worden. “Mit dem zusätzlichen Staatskredit sichern wir die Liquidität für den Fall erneuter langfristiger Reisebeschränkungen und Beeinträchtigungen durch Covid-19. Die Sicherung der Finanzmittel erlaubt uns, den Fokus auf das operative Geschäft zu legen und gleichzeitig die Neuausrichtung des Konzerns voranzutreiben. Bereits vor der Pandemie hatten wir die nächste Transformation der TUI eingeleitet: den Wandel zu einem digitalen Plattformunternehmen. Dieser Wandel wird jetzt deutlich beschleunigt”, versichet Joussen.

Die TUI und die KfW haben vereinbart, die bestehende KfW-Kreditlinie um 1,05 Milliarden Euro zu erweitern. Die Inanspruchnahme steht unter dem Vorbehalt, dass die TUI eine Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) begibt und die Inhaber einer im Oktober 2021 fälligen Anleihe auf eine Begrenzung der Verschuldung der TUI verzichten. Beide Bedingungen sowie weitere formelle Voraussetzungen müssen bis zum 30. September 2020 erfüllt sein. Das Stabilisierungspaket über 1,2 Milliarden Euro stärkt laut Angaben des Unternehmens die Position des Konzerns, indem es ausreichend Liquidität in einem volatilen Marktumfeld zur Verfügung stellt. Damit würde sowohl die touristische Saisonalität im Winter 2020/21 sowie weitere längerfristige Reisebeschränkungen und Beeinträchtigungen durch Covid-19 abgedeckt.

Flexible Flottenplanung in Zeiten von Corona

Darüber hinaus hat die TUI die Hapag-Lloyd Cruises in das mit der Royal Caribbean Group gemeinsam betriebene Joint Venture TUI Cruises eingebracht. Die Transaktion wurde trotz eines durch die Krise herausfordernden Umfelds abgeschlossen. Dadurch fließen dem TUI Konzern zusätzliche 690 Millionen Euro zu, welche laut dem Konzern zur Verbesserung der Liquidität beitragen. Zuvor hatte die TUI bereits mit Boeing eine Einigung zum Ausgleich der Folgen des 737 MAX-Flugverbots erzielt. “Mit der Vereinbarung wird ein Großteil des entstandenen Schadens in den nächsten zwei Jahren ausgeglichen und die Auslieferung neuer Maschinen in kommende Jahre verschoben. Das entlastet einerseits die Bilanz und erlaubt der TUI gleichzeitig eine flexiblere Flottenplanung in Zeiten der Pandemie”, so die Verantwortlichen. Einschließlich der Mittel aus dem zusätzlichen Stabilisierungspaket würde die TUI AG damit über Barmittel und Kreditfazilitäten in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verfügen.

Corona beschleunigt Ausbau der digitalen Plattformen

Die TUI hat im Berichtsquartal nach eigenen Angaben erste Maßnahmen zur angekündigten Neuausrichtung angestoßen und umgesetzt. Die Neuausrichtung soll ein globales Kostensenkungsprogramm und insbesondere die bereits vor der Pandemie eingeleitete Transformation und den Ausbau der digitalen Plattformen beschleunigen sowie die ebenfalls schon vor der Covid-19 Krise gestartete “Asset-right” Strategie umfassen. Sie soll nun noch zügiger umgesetzt werden. Die so genannten Overhead-Kosten sollen dauerhaft und konzernweit um 30 Prozent reduziert werden.

Das entspreche jährlichen Einsparungen von mehr als 300 Millionen Euro. Zu den ersten eingeleiteten Maßnahmen gehören die geplante Flottenverkleinerung bei der TUI fly in Deutschland, die umfangreiche Umstrukturierung des Frankreichgeschäfts mit der Fokussierung auf die Kernmarken sowie der Ausbau der Digitalisierung, wie zum Beispiel im Vertrieb in Großbritannien. Dort werden 166 stationäre Reisebüros geschlossen. Zusätzlich wird die TUI die digitalen Services am Urlaubsort ausbauen. Die spanische Konzern-Tochter TUI Destination Experiences will den Gästen dadurch mehr und besseren Service am Urlaubsort anbieten. Die TUI App soll zum Concierge rund um den eigenen Urlaub werden und Informationen am Urlaubsort liefern.

Kostensenkungen begrenzen Verlust im dritten Geschäftsquartal

Nachdem die TUI laut eigenen Angaben erfolgreich in das laufende Geschäftsjahr 2020 gestartet war, wurden Mitte März aufgrund der weltweiten Reisewarnungen alle Reiseaktivitäten des Konzerns eingestellt. Dies galt auch für nahezu den gesamten Berichtszeitraum. Erst kurz vor Ende des dritten Geschäftsquartals wurden die Reisewarnungen für die meisten europäischen Destinationen aufgehoben und die TUI konnte erste Urlaubsgäste nach Mallorca fliegen. Aufgrund der früh eingeleiteten  Reduzierung der Fixkosten um mehr als 70 Prozent konnte der Verlust im Berichtszeitraum laut TUI begrenzt werden. Das bereinigte EBIT auf Basis konstanter Wechselkurse lag bei -1,1 Milliarden Euro (Vorjahr 102,3 Millionen Euro).

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2020 lag das bereinigte EBIT bei -2,0 Milliarden Euro (Vorjahr -199,3 Millionen Euro). Ohne die Auswirkungen von Covid-19 ergibt sich für die neun Monate ein bereinigtes EBIT von -102 Millionen Euro und damit eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Joussen: “Wir haben zu Beginn der Krise im März sehr schnell gehandelt und wir haben den Neustart im Sommer verantwortungsvoll gemeistert – zusammen mit den Regierungen und Partnern. Wir werden jetzt unsere Kosten nachhaltig reduzieren und auch dadurch unsere Position im Markt stärken.”

Ausblick: Prognose für Gesamtjahr weiterhin nicht möglich

Trotz der wieder aufgenommenen Reiseaktivitäten erlauben die gegenwärtige Lage und die andauernde Pandemie laut TUI Group noch nicht, eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2020 abzugeben. Der Vorstand hatte diese am 15. März zurückgezogen. Das neue angepasste Sommerprogramm 2020 ist aktuell zu 57 Prozent gebucht (Stand: 2. August 2020).

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