Hotelaktienbörse 6.2012Problemlöser gesucht

Die Nerven flattern wieder an den Finanzmärkten – Ursachen für die Angst vor dem »großen Knall« sind die europäische Staatsschuldenkrise und der Linksruck auf Europas Politbühne. Ökonomen und Analysten scheuen sich nicht länger, von drohender Rezession zu sprechen. Andererseits boomt Chinas Wirtschaft und in den USA wird im Wahlkampf alles versucht, eine Abkühlung der Konjunktur zu vermeiden. Ungeachtet dessen sanken die Aktienkurse stark.

Anleger sind derzeit sehr verunsichert, weil Politiker in den Schaltzentren der Macht nicht in der Lage sind, die Rolle als »Problemlöser« zu übernehmen. So erscheinen verlässliche Prog­nosen über die Börsenzukunft schwieriger denn  je. Nach dem Motto »Wie soll ich wissen, was morgen ist, wenn ich noch nicht einmal verstanden habe, was gestern war« sind die Aufsichtsbehörden in den Industrieländern fast drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise damit beschäftigt, die gemachten Fehler zu analysieren, daraus Lehren zu ziehen und ein neues Regelwerk für Banken und Finanzmarktakteure aufzustellen. Vor diesem Hintergrund ist von Politikern kaum zu erwarten, dass sie sich vorausschauend mit der Zukunft beschäftigen.

Deutschland

Ungeachtet der Turbulenzen in Griechenland und Spanien war im deutschen Gastgewerbe zuletzt von Rezession keine Spur. Das Statistische Bundesamt berichtete, dass die Umsätze der Branche im März gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat nominal um 1,3 % und real um 0,9 % gestiegen sind.

Von einer erfreulicheren Geschäftsentwic­k­lung berichtet die TUI AG. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz um 7 % auf 3,3 Mrd €. »Die vorgelegten Zahlen lagen im Rahmen unserer Erwartungen, sind aber durch Restrukturierungskosten belastet«, sagt Jan Christian Göhmann von der NordLB. Die bestätigte ­geschäftliche Prognose durch das Management und die operative Entwicklung bei ­Hotels & Resorts würden seine positive Einschätzung stützen, so der Analyst. Wichtigster kurzfristiger Katalysator für den Aktienkurs ist der Verkauf der verbliebenen Anteile an Hapag Lloyd. Göhmann bestätigt seine Empfehlung zum Kauf der TUI-Aktie mit einem Kursziel von 7,80 €.

Die britische TUI-Tochter TUI Travel fiel bei Anlegern durch steigende Buchungen positiv auf. Hierfür waren auch die Schwierigkeiten des Konkurrenten Thomas Cook verantwortlich, der in den vergangenen Monaten die Börse mehrmals vor überzogenen Gewinnerwartungen gewarnt hat.

Für die in Aschaffenburg ansässige Travel Viva, deren Aktien im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert sind, war 2011 das erfolgreichste Geschäftsjahr der noch jungen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Oliver Trompke meldete einen Anstieg der Umsatzerlöse um 38 % auf 11,7 Mio €. Der Außenumsatz (Gesamtbuchungs­umsatz im Wesentlichen vermittelt für Dritte) stieg um 55,1 % auf 156,7 Mio €. Der Vorstand rät, den Bilanzgewinn von 0,926 Mio € unter anderem für die Zahlung einer Dividende in Höhe von 0,45 € je Aktie (+ 0,15 € im Vergleich zum Vorjahr) zu verwenden.

Der in der Öffentlichkeit derzeit in der Kritik stehende Flughafenbetreiber Fraport  startete das Jahr 2012 erfolgreich. Im ersten Quartal stiegen die Umsatzerlöse um 5,8 % auf 537,9 Mio €. Das operative Konzern-Ergebnis (EBITDA) wies bei 138,3 Mio € ein Plus von 7,6 % auf. Diese Zahlen basieren auf einem Anstieg der Passagierzahlen um 3,9 % auf 17,5 Mio. Gleichwohl gibt es für die Fraport-Aktionäre einen Wermutstropfen: Das Konzern-Ergebnis lag im ersten Quartal bei 15,4 Mio € um 36,4 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Fraport-Chef Stefan Schulte begründet dies mit weiteren Investitionen in den Standort Frankfurt. Der Umsatz soll für das Gesamtjahr 2012 auf mehr als 2,5 Mrd €, das Bruttoergebnis (EBITDA) um mindestens 5 % steigen. Dass Schulte einer Insider-Pflichtmitteilung zufolge zuletzt Fraport-Aktien verkaufte, wird von Analysten als Warnzeichen betrachtet.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here