Energie-ManagementÖkostrom? Ja bitte!

Seit der Katastrophe von Fukushima wird die Energiewende in Deutschland von vielen Seiten gefördert. Derag Livinghotels, Nestor und Acomhotels verstehen sich als Vorbilder in der Hotellerie und versorgen ihre deutschen Häuser seit Kurzem mit Ökostrom. Doch bei der Wahl des Anbieters ist Vorsicht geboten, um nicht indirekt doch die Atomlobby
zu unterstützen.

Viel Aufmerksamkeit erregte Derag Livinghotels im September 2011 mit der Eröffnung des ersten Null-Energie-Hotels der Gruppe – dem Campo Dei Fiori in München. Jetzt folgt der zweite Streich in Sachen Klimaschutz: Seit 1. Januar beziehen die derzeit elf deutschen Häuser ausschließlich Ökostrom der Stadtwerke München (SWM; www.swm.de). Dazu Tim Düysen, Direktor Marketing & Vertrieb: »Die SWM sind seit Jahren verlässlicher Partner für die Derag-Gruppe. Wir begrüßen zudem ihre Ausbauoffensive, bis 2025 den gesamten Münchner Strombedarf über erneuerbare Energien zu decken. Auf diese Weise möchte Derag Livinghotels hier einen kleinen Beitrag leisten.«

Die Ziele der SWM sind hoch gesteckt. Immerhin wäre München damit weltweit die erste Millionenstadt, die dieses Ziel erreicht. Doch der Weg dorthin ist schon geebnet. Denn bereits jetzt verfügen die Münchner Stadtwerke nach eigenen Angaben über eine Erzeugungskapazitität von rund 2,4 Milliarden kWh Ökostrom in eigenen Anlagen. Das ist genug für den Bedarf von 800.000 Haushalten plus U-Bahn und Tram, wie in einer Presseinformation vorgerechnet wird. Durch die Kooperation mit dem Windkraftspezialisten wpd (www.wpd.de) soll das Erzeugungspotenzial bis 2020 auf insgesamt 3,6 Milliarden kWh wachsen.

Auch die Nestor Hotels und Acomhotels wollen einen Beitrag zur Energiewende leisten. Sie beziehen seit Anfang des Jahres für fast alle deutschen Häuser – das Nestor Ludwigsburg schließt sich im Januar 2013 an – Ökostrom von der DREWAG Dresden (www.drewag.de). Der Stromversorger gab auf eine Ausschreibung im Oktober 2011 das attraktivste Angebot ab. Dennoch sind die Strompreise gestiegen: »Die jährlichen Mehrkosten betragen 4667 Euro, das entspricht 1,38 Prozent«, sagt Bettina Sielaff, Marketing Administration der Nestor Hotels & Acomhotels. Die Kosten würden indirekt an die Gäste weitergegeben werden, da 2012 »sehr viel Geld« in die Instandhaltung und Renovierung der Häuser investiert werde. Das sollte aber laut einer weltweiten Umfrage von Accor keinen Nachteil bringen: 70 Prozent der 7000 befragten Hotelgäste sind demnach bereit, einen Aufpreis für ein nachhaltig wirtschaftendes Hotel zu bezahlen (alle Ergebnisse unter www.accor.com im Bereich Sustain­-able Development).

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