EHMAÖko: Mehr als nur Marketing

Der Hotelier von morgen verkauft dem Gast nicht nur eine Übernachtung, sondern im besten Fall ein positives, beglückendes Erlebnis. Das kostet allerdings Mühe, Kreativität und Liebe zum Detail.

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Hotels, die ihre Vorzüge lediglich über den Preis definieren, werden im Sog einer Negativspirale untergehen. Der Gast muss sein Hotel aus Überzeugung wählen und den geforderten Preis dafür (gern) akzeptieren. Geht nicht, meinen Sie? Die Marketingpraxis vieler guter und interessanter Produkte beweist das Gegenteil.

Nachdem die Welle der Art- und Designhotels sowie der (Pseudo-) Wellnesshotels schon über uns hinweggeschwappt ist, werden jetzt ökologische Konzepte angetestet. Allerlei Zertifikaten sollen die umweltbewussten Gäste anlocken – zum Beispiel für »Green Hotels« oder einen CO2-Footprint. Das sind alles wohlgemeinte und sicher sinnvolle Initiativen. Allerdings nutzen nur wenige das Angebot allein aus diesem Grund und sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Es fehlt offensichtlich der ganzheitliche Ansatz. Wenn schon, denn schon: Das Hotel muss auch »green« aussehen, nachhaltig konzipiert und mit Naturmaterialien gebaut sein, eine entsprechende Ausstattung haben und natürlich schmackhaftes »Organic Food« anbieten. Auch Paul Dubrule (78), Accor Urgestein, soll sich dieser Idee verschrieben haben und entsprechende Hotels planen.

Die Nase vorn aber haben Privathoteliers wie EHMA-Mitglied Hans Gerst aus Hamburg. Er baut gerade in Hamburg-Wilhelmsburg auf dem Gelände der IBA Hamburg und der IGS Internationale Gartenschau 2013 sein achtes Hotel. Dafür hat er ein wahrlich innovatives Konzept gefunden – nicht nur architektonisch und operativ, sondern auch bezüglich der Eigentums- und Finanzstruktur. Bauherr ist die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband e.V., die hier selbst Büros sowie Lehr- und Seminarräume bezieht. Dauerausstellungräume und ein Museumscafé informieren und unterhalten zum Thema Wald und Nachhaltigkeit. Die 82 Hotelzimmer wird Hotelier Gerst betreiben, die Res­tauration mit Außenterrasse vergibt er fremd. Das »Wälderhaus« soll sich »organisch« in die Gartenschau einfügen. Hierzu gehört vor allem die Bauweise des Hauses: Die oberen drei Geschosse entstehen in Holzmassivbauweise. Die gesamte Fassade erhält eine Lärchenholzverschalung, die zusätzlich mit integrierten Bepflanzungs- und Nistmöglichkeiten versehen wird.

Maximale Energieeffizienz wird durch den Anschluss an die Nahwärmeversorgung (Blockheizkraftwerk mit Biomethan Versorgung), eine Photovoltaikanlage und die Nutzung von Geothermie (94 Energiepfähle) erzielt. Eine Wärmepumpe für Niedertemperatursysteme (Heizung und Kühlung) sowie thermisch aktivierte Bauteile (Böden) unterstützen dies in den ersten beiden Geschossen. Eine Gründachkonstruktion zur Zurückhaltung und Nutzung von Regenwasser (Kühlung und passive Bewässerung) setzt den ökologischen Maßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes »die Krone auf«. Die Architekten Andreas Heller und Axel Sievert (Hamburg) haben in enger Zusammenarbeit mit Hans Gerst ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das vom äußeren Eindruck bis ins Detail der Inneneinrichtung ein Musterbeispiel konsequenter, ökologischer Bauweise darstellt. Die betrieb­liche Weiterführung des Konzepts, auch im Hinblick auf die Verwendung natürlicher Grundstoffe, Lebensmittel etc. soll dem »Wälderhaus« eine Alleinstellung sichern, die so schnell kein Konzern nachmachen kann. Der Erfolg ist garantiert: Denn schon jetzt ist das »Wälderhaus« ein gelungenes Beispiel innovativer Kreativität, das demonstriert, dass die Privathotellerie durch das Besetzen lukrativer Nischen mehr als nur überleben kann.

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