Hoteltest Adlon Kempinski BerlinNicht voll auf Kurs

22:56 – Check-out

Weil ich am nächsten Morgen relativ früh abreise, checke ich bereits am späten Vorabend aus, was auch schnell und freundlich geschieht. Die Mitarbeiterin fragt zuerst, wie mir der Aufenthalt gefallen habe und stellt erst dann die obligatorische Frage nach dem Minibarverbrauch. Ich erhalte zunächst einen Infoausdruck, die Rechnung ist korrekt (1101€). Die Einzelbelege werden mir nicht ausgehändigt. Man wünscht mir noch eine gute Heimreise.
Wertung: sehr gut

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SO. 23/09, 09:00 – Zimmerfrühstück

Ich hatte am Vorabend einen Hänger platziert und das »Europäische Frühstück« bestellt. Ein freundlicher Kellner bringt einen üppig und ansehnlich gedeckten Servierwagen. Ich erhalte sehr viele gute Brötchen, Minibaguette und Croissant. Auf einer Etagere wurden sehr hübsch Obst, Käse und Aufschnitt angerichtet. Während das Auge schwelgt, wird der Gaumen von manchem Happen enttäuscht. So würde der Lachs für eine ganze Familie reichen – er ist fett, zu dick geschnitten und weist unschöne dunkle Stellen auf. Der Aufschnitt ist von durchschnittlicher Qualität, die Salami nur etwas für Liebhaber aufdringlichen Tiergeschmacks. Zum Spiegelei aus der Hotbox mit festem Speck gibt es Toast. Gebäckstückchen nebst Marmelade, Konfitüre und Honig sind ausreichend vorhanden. Der Orangensaft ist frisch gepresst, der Tee wird korrekt gebracht – der Teacaddy wurde noch nicht ins Kännchen mit heißem Wasser gesetzt.
Wertung: befriedigend

Schuhputzservice

Die am Vorabend auf dem dafür vorgesehenen Tablett vor die Tür gestellten Schuhe werden am nächsten Morgen bestens geputzt in einem schwarzen Säckchen retourniert.
Wertung: sehr gut

Bilanz

Das Flaggschiff von Kempinski ist keineswegs voll auf Kurs. Die Leis­tungen entsprechen zumindest nicht durchgängig dem sehr hohen Anspruch des Luxushotels und seiner selbstbewussten Preispolitik. Ein gerade noch »gutes« Abschneiden ist für ein Haus dieser Klasse nicht gut genug und müsste in einem oberen Bereich von »sehr gut« liegen – so geschehen beim ersten Adlon-Check im September 1999 (96 Punkte). Wenn auch das Gourmet-Restaurant »Lorenz Adlon« glänzte, blieben Frühstücksbuffet und Roomservice doch deutlich unter den Erwartungen. Die kulinarischen Leistungen könnten insgesamt weit besser sein. Bis auf eine unrühmliche Ausnahme zeigten sich alle Mitarbeiter sehr freundlich und einsatzfreudig, was ein solides Grundkapital ausmacht. An der Rezeption sollte nachgebessert werden.

Gesamteindruck: 61%
Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!

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