Hoteltest Adlon Kempinski BerlinNicht voll auf Kurs

Smoker’s Lounge

Gut, dass es eine solche Zufluchtsstätte für die Raucher gibt. War­um aber muss man die Lounge mit einem aufdringlich süßlichen Duft parfümieren, der an Shisha-Bars erinnert? Zigarrenraucher, puristische zumal, können in einer solchen Umgebung keinen Genuss entwickeln. Der Service reagiert auf Zuruf über ein schnurloses Telefon.

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Sa. 22/09, 08:15 – Weckruf

Ich bestelle am Vorabend einen Weckruf. Der sehr freundliche Mitarbeiter notiert sich die Uhrzeit und bietet mir einen Kaffee oder Tee kostenfrei aufs Zimmer sowie einen Reminder an. Er spricht mich persönlich mit Namen an und wünscht eine gute Nacht. Der eigentliche Weckruf erfolgt pünktlich unter Nennung der Uhrzeit und meines Namens.
Wertung: sehr gut

09:41 – Frühstücksbuffet

Es herrscht schon am Eingang dichtes Gedränge, der Service hat alle Hände voll zu tun. Ich werde knapp und freundlich begrüßt, eine Mitarbeiterin geleitet mich zu einem freien Tisch und fragt, ob mir dieser recht wäre – sehr gut, eine solche Platzierung bei gleichzeitiger Nachfrage geschieht selbst in der Luxushotellerie viel zu selten. Gleich beim Entree liegen gut sichtbar verschiedene lokale, überregionale und internationale Zeitungen aus. Es herrscht eine ausgesprochen lebhafte bis laute Stimmung, an ein gemütliches Frühstück ist nicht zu denken. Allein die extrem lautstark schreienden und umherflitzenden Kinder torpedieren den Morgen, wobei ihnen die Eltern in jeder Hinsicht freien Lauf lassen, als wäre das Hotel ein Abenteuerspielplatz. Das müsste eigentlich nicht sein, denn das Adlon hat die Möglichkeit, seine Frühstücksgäste in zwei voneinander völlig getrennten Locations zu platzieren – eine für Familien und eine für alle anderen Gäste. Das große Restaurant »Quarré« und der Wintergarten werden beide für das Frühstück genutzt, wenden sich aber nicht gezielt an die verschiedenen Gästegruppen. Während im Wintergarten eine ruhige Atmosphäre herrscht, geht es im Restaurant »Quarré« stürmisch zu. Die Gäste balancieren mit vollen Tellern durch die schmalen Gänge und über Treppenstufen, während das Servicepersonal mit großen Tabletts umher rennt und zwischen allen schreiende Kinder ziellos und ungebremst flitzen. Ein solch heilloses Durcheinander erfordert beinahe schon Verkehrsschilder – ein Wunder, dass es an diesem Morgen nicht zu Zusammenstößen kommt.

Der Service arbeitet zwar schnell, dadurch aber auch sehr unkonzentriert. Obwohl Messer und Gabel so liegen, dass sichtbar noch gegessen wird und außerdem noch Brot und Butter auf dem Teller liegen, wird mein Teller während meiner Abwesenheit am Buffet kurzerhand abgeräumt. Ich muss also erneut zum Buffet, was angesichts der weiten Wege und der als Treppe eingebauten Schikane einfach lästig und ärgerlich ist. Zudem werde ich oft auf Englisch angesprochen. Es sind tatsächlich viele internationale Gäste beim Frühstück, wobei Englisch und Russisch am häufigsten zu hören ist. Hinzu kommt schlechtes Deutsch wie bei der Servicemitarbeiterin Frau K. Mit Sterbensmiene und tödlich gelangweilt vollstreckt sie ihren Service. Auf meine Nachfrage, welche grünen Tees angeboten würden, entgegnet sie, dass es nur eine Sorte gäbe – am Samowar stehen aber gleich fünf parat. Es überrascht nicht, dass der Teeservice falsch gehandhabt wird, denn der Tee wird bereits ziehend im Kännchen aufgetischt. Es wäre so einfach, ihn separat im Einsatz zu reichen und dem Gast die Ziehzeit selbst zu überlassen, zumal dieser oft am Buffet ist, während der Service den Tee bringt. Am Samowar und einer stattlichen Teeauswahl sind auch sehr nützliche Sanduhren zu sehen, die aber nur sporadisch eingesetzt werden. Die Auswahl an Säften ist sehr gut, der hausgemachte aus Apfel, Ingwer und Karotte schmeckt hervorragend. Der Orangensaft scheint frisch gepresst, beim Ananassaft habe ich eher das Gefühl, es mit Direktsaft zu tun zu haben. Die Auskunft des Kellners, der alles als frisch gepresst lobt, muss ich nach verschiedenen Kostproben jedenfalls in Frage stellen. Wasser (still und sprudelnd) sowie ein guter Sekt werden in Eiskühlern bereitgestellt, wobei die Gäste an diesem Morgen beinahe mehr Sekt als Wasser zu trinken scheinen.

Das Frühstücksbuffet ist nicht sehr übersichtlich aufgebaut, die asiatische Ecke liegt versteckt. Die meisten Positionen sind zwar beschriftet, doch manches wurde falsch platziert: Bei der Coppa steht das Bündnerfleisch und umgekehrt. Ein eng gestelltes Dutzend Käse und halb so viele Käsemesser programmieren ein anderes Problem: Die Messer werden für jeden Käse benutzt, Gäs­te schneiden sich mit dem Ziegenkäsemesser ein Stück vom Kuhmilchkäse ab, der Hartkäse bekommt von allen was ab. Auch die große Müsliabteilung könnte man besser gestalten, denn bei einigen der riesigen Schalen ist nicht erkennbar, mit was sie gefüllt sind. Auch die eigene Station mit Marmeladen, Konfitüren, Brotaufstrichen und Honig ist nur eine Anhäufung von verschiedenen Gläsern, die kein schönes Bild abgeben und nur Chaos zeigen. Zudem gehorcht vieles am Buffet dem falschen Motto »Masse statt Klasse« – so beispielsweise der Aufschnitt und das Räucherfisch- und Meeresfrüchtesortiment. Beim asiatischen Mini- buffet gibt es Dim Sum, gebratenen Reis und tatsächlich Erdnüsse. An der Eierstation wartet eine freundliche Köchin, doch sind dort neben Eierspeisen mit etwas Glück lediglich Nürnberger Bratwürstchen von durchschnittlicher Qualität zu haben. Warme Angebote wie Frikadellen oder Kartoffenspeisen fehlen ganz. Die Brot- und Brötchenauswahl inklusive Brezen und Laugenbrötchen kann als gut bewertet werden. Die Obstschalen sind reichlich und vielfältig bestückt.

Leider hält sich das Adlon mit Ideen, lokalen Bezügen oder gar fantasievollen Kreationen zurück. Das Buffet bietet nichts Individuelles oder Markantes, an das man sich danach noch erinnern wird.
Wertung: noch befriedigend

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