Christian Hirt, GM des Swissôtel SydneyNext Stop: Australien

Die Badesachen kann Christian Hirt zusammenpacken. Der erste Sommer in Down Under ist für ihn vorbei, das Outdoor-Leben aber nicht. Die Australier, das hat der neue GM des Swissôtels Sydney schnell mitbekommen, sind Verfechter der Work-Life-Balance und erheben Barbecues am Wochenende zum Volkssport. Ein bisschen »Aussie« steckt bereits in Hirt.

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Wenn man in der Nähe von Frankfurt aufwächst, wird man eigentlich Banker oder geht zur Versicherung«, scherzt der gebürtige Hesse. Sein Bruder, der eine Lehre als Koch machte, brachte ihn auf die Idee, es doch in dieser Branche zu versuchen. Eine Aushilfe im Bankett wurde gesucht, Hirt sprang ins kalte Wasser. Später bekam er einen Ausbildungsplatz als Hotelkaufmann im Vier-Sterne-Micador Taunushotel in Wiesbaden. Dann folgte der Wechsel in die Fünf-Sterne-Hotellerie, zuerst ins Le Méridien Parkhotel nach Frankfurt als F&B Management Trainee. Der F&B-Fokus zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche weitere Stationen: So war er zum Beispiel als F&B Outlet Manager im Le Méridien in New Orleans und als Director of Banquets und Assistant Director of F&B in Chicago tätig. »New Orleans war eine spannende Zeit. Die Südstaaten-Mentalität ist nicht einfach, ich machte eine Hotelübernahme mit. Wegen eines Hurrikans wurde die Stadt evakuiert«, erinnert sich der heute 37-Jährige.

2004 ging es zurück nach Deutschland, ins Kempinski Airport München – ein perfekter Karriereschritt, wie Hirt sagt. Dort avancierte er zum F&B Manager und baute eine neue Abteilung auf. »Wir haben Privatflugzeuge gecatert, so haben wir etwa dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch sein Weihnachtsessen an den Flieger geliefert. Dies ist aus einer Idee beim Feierabend-Bier entstanden«, so der GM. Schließlich wechselte er als F&B Director ins Adlon Berlin, als das Luxushotel 100-jähriges Jubiläum feierte. Hirt: »Im Adlon habe ich meinen Qualitätsschliff erhalten.« Während dieser Zeit begann er auch mit seinem Master of Business Administration im französischen Reims, den er 2009 abschloss.

Privat erfolgreich wurde für ihn St. Petersburg, wohin es ihn nach dem Adlon verschlug. »Dort habe ich meine Frau kennengelernt«, sagt Hirt, der als Executive Assistant Manager im Kempinski Moika 22 tätig war. Von Russland aus wechselte das Paar in die Türkei. Knapp drei Jahre arbeitete Hirt als Director Operations im Swissôtel Bosphorus Istanbul, eine allein durch das neue »Residenzenkonzept Swissôtel Living« spannende Zeit. In der Stadt am Bosporus kamen auch die beiden Söhne zur Welt. »Gleich nach der Geburt unseres zweiten Sohnes haben wir das Visum für ihn besorgt, im September 2013 ging es nach Sydney«, erzählt der General Manager.

So zog der Deutsche kurz entschlossen in eine seiner persönlichen Traumdestinationen: Australien. Von einer heimlichen Hauptstadt in eine andere. Sydney boomt. »Letztes Jahr hatten wir eine durchschnittliche Belegung von über 90 Prozent,« sagt der Chef von 220 Mitarbeitern über das in einer City-Einkaufsmeile gelegene Haus. Das Hauptgeschäft, so Hirt, der erstmals in seiner Karriere die Position des GMs einnimmt, sei mit rund 65 Prozent der einheimische Markt. »Asien ist auch wichtig und Europa hat stark angezogen«, beobachtet er die Tourismusentwicklung. Für dieses Jahr strebt er einen RevPAR von 8,2 Prozent an. Allerdings müssten die durch die Wirtschaftskrise in den Keller gegangenen Durchschnittsraten (2013: knapp 220 AUD, circa 144 €) mittelfristig wieder angehoben werden.

Im gleichermaßen von Geschäftsleuten wie Individualreisenden frequentierten, anlässlich der Olympischen Spiele 2000 erbauten Swissôtel wurde und wird eifrig gewerkelt. Bis Ende des Jahres sollen die Renovierungsarbeiten in allen Zimmern und der Lobby abgeschlossen sein, zudem wird es zehn weitere Gästezimmer geben. Im Frühjahr, so der GM, werde auch ein Online-Check-in und -out möglich sein. Nicht zuletzt aufgrund von zwei Kingsize-Betten pro Zimmer ist das Haus bei Familien beliebt. So gibt es ein eigenes Kids-Konzept, etwa mit einer personalisierten Citymap – Hirts zweieinhalbjähriger Sohn könnte dafür bald als Tester antreten. Dem Gesundheits-Hype in Down Under folgend, launcht der ehemalige F&B-ler ein Vitality Konferenz Package: mentale Höchstleistungen durch ausgewogene Ernährung. Überhaupt werde weiter an der Kulinarik gefeilt. Hirt ist, wie schon in Istanbul, auch Imker – das Swissôtel ist das erste Hotel in Sydney mit eigenen Bienenstöcken. »Wir wollen einen Kräutergarten anlegen und planen ein Farmers-Foodfestival«, zählt er auf. Der fünfte Kontinent ist mehr als die Metropole Sydney und so will Hirt bald mit seiner Familie das Land erkunden: Die Küste hinauf nach Brisbane steht ganz oben auf der To-do-Liste. Viel Zeit bleibt dafür zwar nicht, denn auch auf dem »no worries«- und »everything will be fine«-Kontinent arbeitet der passionierte Tennisspieler und Golfer zehn bis zwölf Stunden am Tag. Doch mit Barbecue und Schwimmen gehen an den Wochenenden praktiziert der Deutsche die australische Work-Life-Balance bereits. Die gelte es mitzunehmen, sollte eines Tages sein Traum wahr werden, eine Hotelikone wie das Savoy in London oder das Plaza in New York zu leiten.

 

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