Inhouse vs. Cloud-LösungNeue Technologie oder vertrautes Terrain?

Manfred Osthues, Mitbegründer und Geschäftsführer der Protel Hotelsoftware GmbH, erklärt im Interview mit Tophotel die Vor- und Nachteile von Inhouse- und Cloud-Lösungen, prognostiziert den Einfluss sozialer Netzwerke und hoteleigener Websites auf das Buchungsverhalten und erläutert, nach welchen Kriterien Hoteliers ihre Software auswählen.

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Top hotel: Herr Osthues, Software-as-a-Service- oder kurz SaaS-Lösungen sind derzeit in aller Munde und auch Protel hat mit »Protel Air« jüngst eine Lösung vorgestellt, mit der sich Hotels via Internet managen lassen. Was genau verbirgt sich hinter dieser Innovation?
Manfred Osthues: »Protel Air« ist eine Full-Service-Hotelmanagementlösung, die in einem sicheren Rechenzentrum betrieben wird und dem Anwender viele Vorteile bietet. Die Software wird gemietet, sodass die Zahlung in regelmäßigen Abständen erfolgt und kein Kapital wie beim Kauf einer Software gebunden wird. Hoteliers können ihre Nutzungs- und Abrechnungszeiträume flexibel und bedarfsgerecht gestalten, zudem muss die Software nicht vor Ort aufgespielt werden, was den Installationsaufwand reduziert. Das Thema Hardware-Voraussetzung wird sich für die meisten Hoteliers erledigt haben, denn jeder internetfähige PC und auch mobile Geräte wie iPhones oder iPads sind für »Protel Air« geeignet. Um Updates der Software oder um Datensicherung müssen sich Hotelmitarbeiter ebenfalls nicht mehr kümmern.

Top hotel: Was unterscheidet Ihre SaaS-Lösung vom Application Service Providing?
Osthues: Bei ASP-Lösungen ist der Hotelier nach wie vor an feste Arbeitsplätze und zusätzliche Installationen wie Remote- oder Terminal-Services angewiesen. Mit unserer SaaS-Lösung ist der Kunde absolut frei in der Wahl seines Arbeitsplatzes und des Browsers. Denn das ist wirklich alles, was er braucht.

Top hotel: Wovon hängt es Ihrer Meinung nach ab, ob sich ein Hotelier für eine klassische Inhouse- oder eine Cloud-Lösung entscheidet?
Osthues: Pros und Contras gibt es naturgemäß für beide Varianten. Die Vorteile der Cloud-Lösung habe ich bereits genannt. Benötigt ein Hotelier eine sehr individuelle Lösung, also eine auf ihn persönlich zugeschnittene Software, kommt wohl eher die klassische Form infrage. Übrigens wird Datensicherheit gern als Argument gegen Cloud-Lösungen angeführt – in der Praxis jedoch wird man erkennen, dass Daten, die in einem professionellen Datencenter liegen, dort sicherer aufgehoben sind als lokal in so manchem Hotel. Bei der Entscheidung für oder gegen eine noch relativ neue Technologie ist aber auch das ›Bauchgefühl‹ eines Hoteliers nicht zu unterschätzen; der eine begeis-tert sich für neue Technologien, der andere bleibt lieber auf vertrautem Terrain. 

Top hotel: Inwieweit wird sich dieses Verhältnis in zehn Jahren verschoben haben?
Osthues: Wir von Protel sehen in zehn Jahren eine relativ ausgeglichene Koexistenz beider Nutzungsarten. Der Anteil der Kunden, die Cloud-Lösungen nutzen, wird also deutlich höher sein als heute. Die Unabhängigkeit von spezieller Hardware und Plattformen ist überaus attraktiv und Punkte wie Funktionalität und Skalierbarkeit sind – anders als in den Anfängen von SaaS – dank neuester Technologien kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Insgesamt werden wir eine viel größere Bandbreite von Nutzungsmöglichkeiten haben – von konventionellen Inhouse-Lösungen über mobile Zusatzanwendungen bis hin zur vollständig webbasierten Infrastruktur. Und obwohl der Trend hin zu Cloud-Lösungen geht, wird es auch in zehn Jahren noch Hoteliers geben, die aus ganz individuellen Gründen bei der konventionellen Form bleiben möchten.  

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