Online-MarketingNachhaltigkeit meets Personalisierung

Der E-Commerce-Boom erfasst zunehmend auch den Lebensmittelsektor. Um sich vom stationären Wettbewerb zu distanzieren, positionieren sich die Firmen mit personalisierten Produkten oder einem nachhaltigen Geschäftskonzept. Hoteliers können sich dies zunutze machen.

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Patrick Ulmer möchte den Menschen dabei helfen, ihr Teebeutel-Trauma zu überwinden. »Die Kindheitserinnerungen an Tee sind bei den meisten eher negativ, zum  Beispiel an den Kamillentee, den man bei Erkältungen bekommen hat und unbedingt heiß trinken musste.« Ulmer ist einer der Gründer von 5Cups, einem Berliner Start-up, das sich auf Tee spezialisiert hat. Zwölf Jahre arbeitete Ulmer bei unterschiedlichen Agenturen, nun wollte er, wie er selbst sagt, endlich etwas Richtiges tun. Und das Richtige ist für ihn der Verkauf von Tee.

Bei 5Cups geht es aber eben nicht um irgendeinen Tee, sondern um handverlesene Sorten. Das heißt, Sorten gibt es bei 5Cups eigentlich nicht, sondern Mischungen aus bis zu 50 Zutaten. Die Mischungen werden von Hand in Berlin Pankow zusammengestellt, verpackt und verschickt. Doch 5Cups wäre kein Berliner Start-up, wenn da nicht irgendein Online-Schmankerl dahintersteckten würde. Und dieser Kniff ist tatsächlich das Geschäftsmodell: 5Cups bietet seinen Kunden einen Konfigurator an, mit dem sie ihre Teemischung selbst zusammenstellen. Und nicht nur das, sie geben dem Kind auch noch einen Namen, der dann auf die individuelle Verpackung gedruckt wird. Ein Hotelier bekommt auf die Sammelbestellung »seines« Signature-Tees natürlich auch sein Logo.

5Cups ist einer von zahlreichen Anbietern personalisierbarer Ernährungsprodukte im Netz. Vorreiter der Branche sind die Passauer Körnermischer von MyMuesli. Aus dem ambitionierten Onlineshop ist mittlerweile ein Mehrkanalanbieter geworden. Neben den eigenen Läden finden sich vorgemischte Müslis inzwischen ebenfalls in jedem zweiten Supermarkt. Auch Chocri ist zu einiger Popularität gelangt. Das Berliner Start-up mit personalisierbarer Schokolade gehört inzwischen mehrheitlich zu Ritter Sport.

Die aufgeklärte Ernährungsentscheidung

Was Chocri und 5Cups miteinander verbindet, ist die sorgfältige Auswahl an Zutaten. Beide schreiben sich auf die Fahne, ihre Grundprodukte im fairen Handel zum Teil direkt von den Erzeugern zu beziehen. 5Cups kann für den Großteil seiner Zutaten ein Bio-Siegel vorweisen. Alle Teegrundstoffe sind reine Naturprodukte, nur die ergänzenden Aromen werden chemisch hergestellt, aber darauf weisen die Berliner deutlich hin.

Chocri beschreibt im eigenen Blog den weiten Weg der Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade. Man zeigt dabei stolz das Fairtrade-Zertifikat und sammelt unter anderem Spenden für ein Kinderheim an der Elfenbeinküste. Damit befinden sich Chocri und 5Cups derzeit in bester Gesellschaft. Auf der Suche nach Differenzierungsmöglichkeiten im Wettbewerb, aber vor allem auch aus der persönlichen Motivation der Gründer heraus legen immer mehr kleine Unternehmen und Start-ups den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Tatsächlich scheint die intensivere Beschäftigung mit den jeweils zu kaufenden Lebensmitteln, die für die Personalisierung notwendig ist, Hand in Hand zu gehen mit einer aufgeklärteren Ernährungsentscheidung. Die Aufklärung macht nicht halt beim Endprodukt, sondern fragt nach den Gesamteffekten des jeweiligen Geschäftsmodells. Für die Unternehmen sind beide Themen – Nachhaltigkeit und Personalisierung – hervorragende Vehikel im Onlinemarketing. Sie werden zwar auf Google weniger gesucht, aber transportieren sich bestens über Social Media.

Eine Meisterin in dieser Disziplin stellt ebenfalls Schokolade her, die aber nicht personalisiert, sondern aus einer einzigen Bohnensorte kalt gepresst wird. Während der Herstellung wird sie zwar getrocknet und fermentiert, jedoch nicht geröstet. »Das erhält die wertvollen Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Magnesium«, erklärt die Gründerin Lyss McDonald-Bärtl von Blysschocolate. Ihr Produkt nennt sie »Virgin chocolate«, ähnlich wie »Virgin olive oil«.

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