Nach Sieg gegen Behörden Box-Hotelier mit Stiftungspreis ausgezeichnet

Zimmer im Box-Hotel Göttingen (Bild: Boxhotel)

Der mit 50.000 Euro dotierte „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel“ geht in diesem Jahr an Oliver Blume, geschäftsführender Gesellschafter der BoxHotel GmbH. Sein Engagement gegen einen Behördenentscheid sieht die Stiftung als vorbildlich an. Was war dem Fall vorausgegangen?

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Oliver Blume bietet in seinen BoxHotels kostengünstige Übernachtungen in fensterlosen „Schlafboxen“ an, die im Gegensatz zu üblichen Hotelzimmern nur für den Nutzzweck „schlafen“ konzipiert sind. Im niedersächsischen Göttingen eröffnete er nach einem reibungslosen Genehmigungsverfahren im Mai 2017 das erste BoxHotel. Als Herr Blume sodann sechs Monate später im gut 120 km entfernten Hannover die Eröffnung eines weiteres BoxHotels plante, wurde er überrascht. Denn trotz Geltung derselben Landesvorschriften, erteilte Hannover die Genehmigung nicht.

Oliver Blume kämpfte weiter für sein Konzept und hatte letztlich, 14 Monate nach seiner Antragstellung, im Januar 2019 vor dem Verwaltungsgericht Hannover Erfolg. Das Gericht gab ihm recht und entschied, dass es sich bei den Schlafboxen zwar um Aufenthaltsräume handeln würde, jedoch erkennbar nicht um solche, die dem Wohnen dienen sollen. Weil Herr Blume darüber hinaus auch die Anforderungen des Brandschutzes, Belüftung und Beleuchtung in seinem Konzept erfüllte, seien – gemäß eines Ausnahmetatbestandes der niedersächsischen Bauordnung – keine Fenster notwendig.

Das Boxhotel in Hannover wird in Kürze eröffnet. Weitere Boxhotels plant Herr Blume in Bremen, Hamburg, Bielefeld und München. Er betont, dass er froh sei, dass ihn ein derartiger Verlauf nicht bei erstmaliger Unternehmensgründung getroffen habe, denn in dem Fall wäre es wohl nicht möglich gewesen, einen Zeitraum von über einem Jahr finanziell durchzustehen ohne Pleite zu gehen. Oliver Blume, der schon bereits Gründer der easyApotheke war, hat der Fall nicht nur Geld sondern auch Zeit und Nerven gekostet und er hofft, durch die Sichtbarmachung der Kritik einen Verbesserungsprozess grundsätzlich im Austausch der Behörden untereinander anzuschieben.

Stiftungsvorstand Till Bartelt zur Wahl des Preisträgers: „Bei gleichartigen Sachverhalten und Geltung derselben Landesvorschriften drängt es sich – auch zur Ressourcenschnung beider Seiten – geradezu auf, dass eine interne Abstimmung stattfindet, schließlich wird von der Verwaltung eine einheitliche Rechtsanwendung erwartet. Aus unternehmerischer Sicht würde es ein kaum kalkulierbares Risiko darstellen, wenn damit gerechnet werden müsse, dass dieselben anzuwendenen Vorschriften von verschiedenen Behörden eines Bundeslandeslandes derart unterschiedlich ausgelegt werden. Der Fall von Herrn Blume macht beispielhaft sichtbar, dass es hier Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden, jedoch insbesondere zwischen den einzelnen Behörden gibt.“

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