Ausbildung für »schwer vermittelbare« JugendlicheMut machen

Zakaria El-Kajdai zeigte von Beginn an Ehrgeiz und Eigeninitiative. Nachdem er seinen Hauptschulabschluss in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme erlangt hatte, holte er seinen Realschulabschluss auf der Abendschule nach. Seinen »Wunschbetrieb« schlug der gebürtige Marokkaner dem Projektleiter Michael Stroh selbst vor. »Das Hotel Villa Oriental in Frankfurt sollte es sein«, erinnert sich der 22-Jährige. »Es gefiel mir schon zuvor, weil es für mich aufgrund des Interieurs und der Belegschaft ein Stück Heimat bedeutet.« Die Anfrage des Bildungsträgers bei Gorjinia stieß sofort auf offene Ohren. Nach dreitägiger Probearbeit wurde der Ausbildungsvertrag unterzeichnet. Warum findet jemand wie Zakaria El-Kajdai keine Lehrstelle in einer Branche, die Nachwuchssorgen hat? »Es war wohl der nicht ganz gradlinige Lebenslauf mit dem höheren Einstiegsalter sowie der Migrationshintergrund«, mutmaßt Michael Stroh.

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Die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsbetrieb ist eng. El-Kajday hat einen Sozialarbeiter, der sich um ihn kümmert. Monatlicher Kontakt mit den Ausbildungsleitern, vierteljährliche persönliche Vorort-Besuche, Zielvereinbarungen, Feedbackgespräche, Stütz- und Förderunterricht – die Ausbildung wird kontinuierlich begleitet. Einmal wöchentlich muss El-Kajdai den Lernstoff der Berufsschule in einem Berichtsheft aufarbeiten und dem Sozialarbeiter vorlegen.

Warum engagiert sich Gorjinia für »benachteiligte« Jugendliche? Schrecken ihn nicht bürokratischer Aufwand, Kontrollbesuche und die Möglichkeit, enttäuscht zu werden? – »Wir Hotelinhaber sind gefordert, jungen Menschen die Perspektive einer glücklichen Zukunft zu geben. Denn sie sind unsere Zukunft«, antwortet er. Sein Engagement sei sein Beitrag für den sozialen Frieden, und er appelliert an andere Hoteliers, es ihm gleichzutun. »Die Barrieren dieser Jugendlichen sind meist Menschen, die ihnen nichts zutrauen. Aber nach zu vielen Neins kann sich niemand mehr aufrichten.« Für ihn ist die Hotellerie wie kaum eine andere Branche in der Lage, unmittelbare Erfolgserlebnisse zu generieren: »Ein ideales Lebens- und Sozialtraining!« Schulnoten spielten für Gorjinia keine Rolle. »Wenn ein Jugendlicher motiviert genug ist, an meine Türe zu klopfen, dann glauben wir an die Stärken in ihm.« Sein Erfolgsrezept: Gemeinschaftliche Einbindung, Vertrauen, Verantwortung übertragen, Erfolge ermöglichen. Bisher wurde er nicht enttäuscht: Gorjinia ist hochzufrieden mit seinen jungen Mitarbeitern.
Einer seiner beiden Praktikanten, Jounes Ahzaoui, strebt nun nach sechs Monaten in der Villa Oriental seine Fachhochschulreife an, um anschließend Sozialarbeit zu studieren. »Die Arbeit an der Rezeption macht Spaß«, sagt der 16-Jährige. »Wenn ich erfolgreich Zimmer verkauft habe, bin ich zufrieden.« Auch El-Kajdai schwärmt: »Ich fühle mich aufgehoben. Man vertraut mir, ich darf selbstständig arbeiten.« Er sei offener, kontaktfreudiger und selbstbewusster geworden. »Im Hotel wird das richtige Verhalten zur Gewohnheit. Man lächelt und bekommt ein Lächeln zurück.« In der Berufsschule läuft es ebenfalls rund. Nach seiner Prüfung will er in der Hotelbranche durchstarten.

»Auch mit Steinen, die im Wege liegen, kann man eine Brücke bauen«, zitiert Sozialarbeiterin Ute Schmidtke den Dichter Goethe. »Wir müssen nur ein wenig dabei helfen.

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