Ausbildung für »schwer vermittelbare« JugendlicheMut machen

Die IB-Hotels leisten in Zeiten des Fachkräftemangels wertvolle Diens­te für die Hotelbranche. Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel ein Argument, das den Ausbildungshotels zunehmend das Fundament entzieht. »Die Institutionen fahren die Förderprogramme zurück«, sagt Walter Würfel, Abteilungsleiter der Zentralen Geschäftsführung des Internationalen Bundes in Frankfurt. »Gelder werden gekürzt, weil man darauf setzt, dass im ersten Arbeitsmarkt wieder mehr ausgebildet wird und auch junge Menschen, die nicht zu den Idealbewerbern zählen, nun leichter eine Chance finden.« In den Ausbildungshotels (Standorte in Berlin, Bernau-Waldfrieden, Eppenhain, Stuttgart) des Internationalen Bundes werden derzeit 120 junge Menschen in gastgewerblichen Berufen ausgebildet. Bundesweit sind die Zahlen rückläufig.

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Hotellerie und Gastronomie bilden derzeit über 77.000 junge Menschen aus. Doch die Zahl der Ausbildungsverhältnisse schrumpft: 2010 sind es 11,3 Prozent weniger als 2011. Aufgrund des demografischen Wandels bleiben immer mehr Stellen unbesetzt und der Wettbewerb um gute Azubis steigt. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch in Zukunft junge Menschen geben wird, die der Förderung bedürfen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Szenenwechsel in die Villa Oriental, nur einige Kilometer Luftlinie vom Best Western Premier IB Hotel Friedberger Warte entfernt. Hier beweist Hotelinhaber Alexander Gorjinia, dass sich auch kleine, privat­geführte Hotels für benachteiligte Jugendliche erfolgreich einsetzen können. Das 24 Zimmer zählende Boutique-Hotel unweit des Hauptbahnhofes ist seit September Ausbildungsstätte von Zakaria El-Kajdai, der Hotelfachmann lernt. Er ist der erste und einzige Auszubildende in dem erst 2008 eröffneten Hotel. Zudem beschäftigt Gorjinia zwei Praktikanten, die zuvor nur Ablehnungen erhielten.

Der Kelsterbacher El-Kajdai suchte lange Zeit vergeblich einen Ausbildungsplatz. Die Agentur für Arbeit in Rüsselsheim vermittelte ihn schließlich in eine außerbetriebliche Berufsausbildung. Bildungsträger ist »Kultur 123 Stadt Rüsselsheim – Volkshochschule«. Gorjinia erklärte sich zuvor bereit, »seinen« Auszubildenden bei Erfolg nach einem Jahr in ein reguläres Ausbildungsverhältnis zu übernehmen. Der Bildungsträger zahlt bis dahin Ausbildungsvergütung und Sozialversicherung, auch Krankmeldungen der Azubis laufen über ihn.

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