MQ Real Estate baut weltweit erstes modulares Hotel auf ein Shopping-CenterHoch hinaus

Die Visualisierung zeigt, wie das Niu „Hide“ auf dem Dach des Berliner Shopping-Centers aussehen wird. (Bild: MQ Real Estate)
Mit seinem Skypark-Hotelkonzept erschließt MQ Real Estate durch Nachverdichtung neue Räume für die Hotellerie. Das Niu „Hide“ Berlin wird derzeit in modularer Holzbauweise errichtet und soll im Herbst 2018 Premiere feiern. – von Isabell Schreml

Neue Hotelprojekte scheitern oft am Platzmangel. Gerade in den Innenstädten großer Ballungszentren fehlt es schlicht an Fläche für größere Neubauten. Beim Blick über die Dächer Berlins kam den Immobilienentwicklern von MQ Real Estate deshalb 2014 die Idee: Warum nicht die ungenutzte Fläche auf den Decks von Einkaufszentren und Parkhäusern nutzen? Vier Jahre später – im Februar 2018 – war Baubeginn des weltweit ersten modular errichteten Hotels auf dem Dach eines Shopping-Centers und damit die offizielle Geburtsstunde des Skypark-Hotelkonzepts.

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„Der größte Vorteil des Konzepts ist, dass eine sonst ungenutzte Fläche einer hochwertigen und sinnvollen Nutzung zugeführt wird. Eigentümer von Bestandsgebäuden können ihre Immobilien profitabler gestalten, ohne investieren zu müssen“, sagt Nikolai Jäger, einer der beiden Gründer von MQ Real Estate. Das bestehende Gebäude muss von der Statik her für eine Aufstockung ge­eignet sein und auch sonst gewisse Voraussetzungen erfüllen. Im Berliner Einkaufszentrum Ring-Center 2 in der Nähe des Bahnhofs Frankfurter Allee fanden die Planer das geeignete Objekt. In nur wenigen Monaten entsteht derzeit auf 8.000 Quadratmetern Fläche in eingeschössiger Bauweise ein Hotel – auf dem Dach des Einkaufskomplexes. Die Nutzung ist durch einen Mietvertrag geregelt. Die ­Betreiber des Shopping-Centers sind von der Idee überzeugt: „Das ist ein tolles Beispiel für eine Nachverdichtung in einer gefragten Großstadtlage – die Hotelgäste werden uns darüber hinaus zusätzliche Frequenz im Center bringen“, so Joanna Fisher, Managing Director beim auf Shopping-Center spezialisierten Unternehmen ECE.

Zimmer für Zimmer vom Kran nach oben gehoben

Besonders ist aber nicht nur der Ort des Hotels, sondern auch die Bauweise. Die 151 Skypark-Hotelzimmer werden in einem Werk in Süddeutschland in Holz-Modulbauweise vorgefertigt, nach Berlin transportiert und dort von einem Turmdrehkran, der direkt auf dem Dach des Ring-Centers aufgebaut wurde, auf das Parkdach gehoben. Dort werden die Module dann verbunden, verkleidet und letzte Hand an die Ausstattung gelegt. Die Gäste, die mit dem Aufzug des Bestandsgebäudes nach oben fahren werden, finden dort neben den Zimmern auch eine Rezeption sowie eine Lobby und eine Bar.

„Der Vorteil dieser Bauweise liegt in der Skalierbarkeit – wir können alle Prozesse im Werk optimal aufeinander einstellen“, sagt Jäger. „Außerdem bleibt die Immobilie dadurch mobil und kann nach Auslaufen der Mietzeit auch wieder versetzt werden.“ MQ Real Estate strebe langfristige Mitverträge an – für mindestens 20 bis 30 Jahre. Nachhaltigkeit spielt beim Skypark-Projekt eine große Rolle. „Wir setzen konsequent auf nachhaltiges und energieeffizientes Bauen und sparen mit unserer modularen Holzbauweise und der Nutzung ökologischer Dämmstoffe zudem große Mengen an CO2 ein. Über den Lebenszyklus unserer mobilen Immobilien hinweg verbrauchen wir deutlich weniger Energie als konventionelle Projekte und können zudem langfristig auch auf Veränderungen des Marktes besser reagieren,“ sagt Björn Hiss, zweiter Gründer von MQ Real Estate. Mit ihrem Hotelkonzept folgen die Entwickler dem Trend der urbanen Nachverdichtung und einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung. Die Stadt Berlin stehe dem Projekt äußerst positiv gegenüber. „Die Baugenehmigungsprozesse waren angenehm und konstruktiv“, so Nikolai Jäger.

Das betriebsfertige Hotel soll im Herbst 2018 unter der kürzlich von Novum Hospitality eingeführten Marke Niu eröffnet werden. Das Konzept der urbanen Nachverdichtung in Modulbauweise hat David Etmenan begeistert. Der Eigentümer und CEO von Novum Hospitality: „Unsere Niu-Attribute ‚nachhaltig, innovativ und urban‘ decken sich eins zu eins mit dem Skypark-Hotelkonzept. Parkhäuser eignen sich zudem ideal, sie befinden sich an den City-Hotspots und entsprechen damit unserem ‚Beuteschema‘.“ Inspiriert vom jeweiligen Standort und Zeitgeist hat jedes Niu seine individuell gestalteten Räume und ausgefallenes Mobiliar. Auch im Niu „Hide“ – wie das Hotel auf dem Ring-Center 2 heißen wird – können die Gäste bei ihrem Aufenthalt viele kreative Details entdecken. „Historischer Ostschick, sozialistischer Klassizismus, modernstes Design und Vintage-Inszenierung“ sollen ein hippes Berliner Flair ergeben. Die nostalgische Gestaltung zeigt sich im Niu „Hide“ in Form von bunten DDR-Tapeten, schrägen Möbeln und Retro-Accessoires. Die Übernachtung wird voraussichtlich unter 100 Euro kosten.

Vorerst zehn Projekte in Planung

Das Niu „Hide“ Berlin soll keine ­Eintagsfliege bleiben. Laut MQ Real Estate sind derzeit drei ähnliche Skypark-Pro­jekte in der Vorbereitung und insgesamt zehn in der Pipeline, die man in den nächsten Jahren umsetzen möchte. Fokus liege dabei auf Deutschland. Aber auch das benachbarte Ausland – und ungenützte Flächen dort – habe man im Auge. |

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