BDVTMorgens im Hotelbad ...

Trainer arbeiten gern in Hotels. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit oft nicht ohne Spannungen. Die typischen Zerreißproben zu kennen und ihnen vorzubeugen, ist Ziel dieses und folgender Beiträge.

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Wie halten Sie es, liebe Hoteliers, mit dem Badezimmer? Sicherlich achten Sie auf Sauberkeit, frische Handtücher, Seifenspender, Fön etc. Sie wissen selbst, was zur perfekten Funktion einer Nasszelle gehört. Besonders toll finde ich diese flachen und ­stylischen Waschbecken. Und diese Armaturen, die an abstrakte Kunstwerke erinnern, absolut ästhetisch. Ich bin tief beeindruckt. Das ändert sich allerdings, wenn ich vom Schauen-Modus in den Benutzer-Modus wechsle. Mein Leidensweg beginnt.

Erste Station: Wo kann ich denn meinen Waschbeutel aufhängen? Selten finde ich dafür in Hotel-Badezimmern einen brauchbaren Haken, an dem das Teil einfach mal abhängen kann. In Griffweite und vor Spritzwasser geschützt. Nächste Station: Wo parke ich meine Toilettenutensilien? Die Zahnbürste kann ich meist noch gut unterbringen. Dann wird’s eng: Wohin mit Rasierapparat, Rasiercreme und Aftershave? Es ist kaum Platz in der Nähe des Waschbeckens, weil alles so durchgestylt ist und nützliche Ablagen vermutlich ästhetisch stören. Wie mögen da erst die Damen leiden, die normalerweise viel mehr Cremes und Pflegemittel benutzen!

Nebenbei denke ich, ob der Innenarchitekt dieser stylischen Angelegenheit selbst mal vor so einem breiten, flachen Waschbecken stand und sich rasieren wollte: Nicht immer korreliert die Breite der Waschbecken und der Abstand zum Spiegel mit der installierten Beleuchtung. Den Lichttest hat wohl jemand gemacht, der nicht so eine Durchschnittsfigur hat wie ich, und sich mächtig in Richtung Spiegel vorbeugen kann. Ich hätte es lieber weniger ästhetisch, dafür praktisch. Und zwar so, dass ich mein Gesicht beim Rasieren sehen kann und es mich nicht im Schatten der Beleuchtung hinter mir verzweifelt andunkelt.

Ich rasiere mich nass. Dazu brauche ich Wasser im Waschbecken. Doch wie geht das bei dieser Armatur? Ein kleiner Intelligenztest darf schon sein. Nächste Hürde: Wie bleibt das Wasser im Waschbecken – und wie läuft es wieder ab? Ich habe auch schon hypermoderne Waschbecken erlebt, bei denen stehendes Wasser nicht vorgesehen ist (oder ich habe den zweiten Intelligenztest nicht bestanden). Meist treffe ich allerdings auf Waschbecken der eher biederen, praktischen Bauweise, bei denen das seifige Bartstoppel-Wasser nicht oder kaum abfloss. Der Abflusstopfen klemmte. Nun mag ich kein seifiges Abwasser hinterlassen. Und zu warten, bis sich diese Lauge ganz langsam Richtung Abfluss bewegt, finde ich auch ziemlich nervtötend. Also werde ich bei der Rezeption Bescheid sagen und hoffen, dass das kleine Dilemma in der zweiten Nacht behoben ist.

Jetzt unter die Dusche. Wieder das ingenieurtechnische Gedankenspiel mit der ­Armatur. Endlich geschafft: Das Wasser kommt, die Temperatur ist geregelt. Aber welche Art von Duschstrahl trifft mich wo und wie?! Also am Duschkopf herumprobiert. Den Duschschlauch mal in die eine, mal in die andere Richtung um die Halterung herum geschlungen. Es will nicht. Der Strahl der Dusche geht haarscharf an den Partien vorbei, die er eigentlich beduschen sollte, und unglücklicherweise auch am Duschvorhang – oder unten durch.

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